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Celle, Deutschland

Anonyme Bewerbungen helfen bei Einstellungen, Vorurteile zu überwinden

Stadt Celle

May 26, 2014

Ein anonymisiertes Bewerbungsverfahren ist sowohl für Arbeitgeber als auch für Bewerber mit Vorteilen verbunden

AnonJobApplicationsMüssen Personalmanager wirklich wissen, wie alt ein Bewerber oder eine Bewerberin ist und ob er oder sie Kinder hat? Oder wo er oder sie geboren ist oder wie er oder sie aussieht? Anonyme Stellenbewerbungen, die keine persönlichen Informationen enthalten, die nichts mit den Qualifikationen oder der Erfahrung eines Bewerbers zu tun haben, sind ein Weg, über den führende Arbeitgeber versuchen, die geeignetste Person für eine freie Stelle zu finden.

An vielen Orten auf der Welt wurden verschiedene Formen von anonymisierten Bewerbungsverfahren erprobt, auch im öffentlichen Sektor – beispielsweise bei den Stadtverwaltungen von Helsinki (Finnland) und Göteborg (Schweden). Sowohl in Kanada als auch in Belgien ist es verboten, in Bewerbungen für Stellen im öffentlichen Sektor persönliche Angaben zu machen. Und es ist eine besonders willkommene Neuerung in deutschen Kommunen.

In Deutschland geben Stellenbewerber in ihren Bewerbungen traditionell eine Reihe von Persönlichkeitsmerkmalen wie Geburtsort und -datum, Nationalität und Personenstand an, die in keinem Zusammenhang zu ihren Qualifikationen stehen. Zusätzlich ist es gängige Praxis, ein Foto hinzuzufügen, das Merkmale wie Rasse, Geschlecht und Alter für potenzielle Arbeitgeber ersichtlich macht.

2010-11 war die Stadt Celle einer von acht Arbeitgebern im öffentlichen und privaten Sektor, die an einem von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes initiierten Pilotprojekt teilnahmen. Mit dem Projekt wurde das Ziel verfolgt, zu erproben, wie anonymisierte Bewerbungsverfahren Vorurteile bei der Stellenbesetzung verringern könnten.

Frühere Untersuchungen der Antidiskriminierungsstelle hatten ergeben, dass Vorurteile am wahrscheinlichsten in den ersten Stadien des Bewerbungsprozesses zum Tragen kommen. Häufig hat der erste Blick von Personalverantwortlichen auf den Namen, das Geschlecht oder das Alter bereits zur Folge, dass eine Bewerbung verworfen wird. Von diesen Vorurteilen sind insbesondere Personen mit Migrationshintergrund, Frauen mit Kindern und ältere Arbeitnehmer betroffen. Dies bestätigten in anderen Ländern durchgeführte Studien, in denen nachgewiesen wurde, dass Arbeitgeber von diesen Arten von Vorurteilen beeinflusst werden. Das Pilotprojekt konzentrierte sich deshalb auf das erste Stadium des Einstellungsverfahrens – die Bewerbung.

Im Lauf des Pilotprojekts erprobten die teilnehmenden Arbeitgeber verschiedene Methoden mit dem Ziel, zu versuchen, einen Einfluss dieser Vorurteile auf die Sichtung von Bewerbungen zu verhindern. Beispielsweise wurden persönliche Angaben wie Name, Alter, Geschlecht und Personenstand geschwärzt oder für das Projekt speziell entwickelte standardisierte Bewerbungsformulare verwendet. Schlussendlich erwiesen sich standardisierte Formulare als die effizienteste Methode.

„Das anonymisierte Bewerbungsverfahren bedeutet, dass die Einladung zum Vorstellungsgespräch nur von Ihren Qualifikationen und nicht von Ihrem Aussehen, Geschlecht, Alter oder Hintergrund abhängt“, sagte Christine Lüders, die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Dieses Pilotprojekt erbrachte in der Tat ähnliche Ergebnisse wie in anderen Teilen der Welt durchgeführte Projekte: Unter diesen Voraussetzungen ist es nachweislich wahrscheinlicher, dass Angehörige ethnischer Minderheiten und Frauen zu einem Gespräch eingeladen werden. „Ich war anfangs skeptisch“, sagte Jockel Birkholz, Personal-Fachdienstleiter bei der Stadt Celle. Aber er räumte ein: „Beim herkömmlichen Verfahren habe ich auf das Foto geschaut, den Lebenslauf, den Personenstand – es gab Vorurteile trotz allen Bemühens um Objektivität.“

Anonymisierten Bewerbungsverfahren wird zugeschrieben, dass sie den Einstellungsprozess verbessern. Der Celler Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende sagte: „Wir schauen bei Einstellungen jetzt mehr auf die Qualifikationen. Dies gilt sowohl für Führungspositionen als auch für Ausbildungsverhältnisse. Viele Personen, die wir [nach einer anonymen Bewerbung] eingestellt haben, wären vorher nicht ausgewählt worden. Und alle haben sich auf ihrer jeweiligen Stelle bewährt.“

Die Personalabteilung hat sich das Verfahren zu eigen gemacht und empfindet es als effizienter. Die standardisierten Bewerbungsformulare erleichtern den Mitarbeitern des Personal-Fachdienstes die Prüfung der Bewerbungen. „Wir können schneller eine Vorauswahl treffen, weil wir uns auf wenige wichtige Kriterien konzentrieren“, erläuterte Birkholz. Dies hat zunehmend an Bedeutung gewonnen, weil die Stadtverwaltung häufig mit Bewerbungen überschwemmt wird. Oberbürgermeister Mende zufolge hat dazu auch der Umstand beigetragen, dass die anonymisierten Verfahren der Stadtverwaltung geholfen haben, ihren Ruf als guter Arbeitgeber zu verbessern.

Das Pilotprojekt war so erfolgreich, dass die Stadtverwaltung von Celle beschlossen hat, die anonymisierten Bewerbungsverfahren auch nach dem Ende des Pilotprojekts weiterhin zu verwenden. Und diese gute Idee ist jetzt von Göttingen, Hannover, Mainz, Mannheim, Offenbach und Nürnberg sowie acht Bundesländern übernommen worden.

„Das anonymisierte Bewerbungsverfahren führt eindeutig zu mehr Transparenz, Objektivität und Chancengleichheit in der Entscheidungsphase und ist ein wichtiger Beitrag zu einem Arbeitsplatz ohne Diskriminierung. Wir werden mit diesem Prozess weitermachen“, versprach Oberbürgermeister Mende.


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