Arbeiten

Wuppertal , Deutschland

Arbeitsplätze für Asylsuchende: das Wuppertaler Netzwerk Partizipation

Stadt Wuppertal

September 24, 2012

Eine sektorübergreifende Initiative zur Verbesserung der Arbeitsmarktfähigkeit, die Asylsuchenden hilft, Zugang zum Arbeitsmarkt zu erhalten

Was geschieht, wenn Flüchtlingen und Asylsuchenden in der Zeit, in der sie auf eine Änderung ihrer Rechtsstellung warten, der Zugang zum Arbeitsmarkt versperrt wird? Ohne Arbeit und in einem rechtlichen Schwebezustand fühlen sich viele sozial isoliert und im Lauf der Zeit zunehmend anfälliger. Die Arbeitslosigkeit unterhöhlt ihre Qualifikationen und verhindert, dass sie die Berufserfahrung und das Vertrauen gewinnen, die sie für den Eintritt in den Arbeitsmarkt benötigen.

In Wuppertal im Bundesland Nordrhein-Westfalen lebten Asylsuchende jahrelang in beengten Übergangswohnheimen. Der Zugang zu legaler Arbeit war ihnen gesetzlich versperrt, und junge Menschen litten unter dem Stigma beschränkter Bildungsmöglichkeiten. 2007 eröffneten dann Änderungen des Asylbewerberleistungsgesetzes einer Gruppe, der zuvor der Zugang zu Beschäftigung und Ausbildung versperrt war, neue Möglichkeiten. Der Nachweis der Fähigkeit, genug zu verdienen, um unabhängig von sozialen Leistungen zu sein, wurde zur obligatorischen Voraussetzung für einen Aufenthaltstitel und das Bleiberecht in Deutschland gemacht.

Arbeitsplätze und Arbeitsmarktfähigkeit

Die Stadt Wuppertal reagierte auf diese Veränderungen mit der Einrichtung eines Intensivprojekts für Arbeitsmarktfähigkeit, um Asylsuchenden zu helfen, langfristige Beschäftigung zu finden. 2008 richtete die Stadt Partizipation, das Wuppertaler Netzwerk für die Förderung der arbeitsmarktlichen Integration von Bleibeberechtigten und Flüchtlingen, ein. Das Netzwerk Partizipation, das vom Ressort Zuwanderung und Integration der Stadtverwaltung betrieben wird, wurde konkret aufgebaut, um dieser Gruppe der örtlichen Bevölkerung zu helfen, entweder einen Ausbildungs- oder einen Arbeitsplatz zu finden.

Das Netzwerk Partizipation ist eine sektorübergreifende Initiative unter Federführung der Stadt Wuppertal mit örtlichen nichtstaatlichen Organisationen als Durchführungspartnern. Sein systematischer proaktiver Ansatz umfasst die persönliche Anwerbung von Kunden (Asylsuchende auf den Listen der Stadtverwaltung) und direkte Kontaktaufnahme mit dem Ziel, potenzielle Arbeitgebern und freie Stellen zu finden. Partner in der Kommune wie die Diakonie Wuppertal, der Sozialdienst Katholischer Frauen (SKF) und die Gefährdetenhilfe Wuppertal (GESA) bieten fokussiertes Jobcoaching, Ausbildungskurse, Mentoring und Unterstützung beim Schreiben von Lebensläufen und Bewerbungen. Ihr Fachwissen hilft auch, den Bedarf dieser Kundengruppen zu priorisieren, beispielsweise sicherzustellen, dass Frauen nicht vernachlässigt werden, und junge Menschen zur Teilnahme zu motivieren.

Schrittweiser Ansatz

Wenn Kunden ermittelt wurden, führen ausgebildete Sozialarbeiter persönliche Gespräche mit ihnen, um ihren Bildungsstand und ihre beruflichen Qualifikationen, ihre Deutschkenntnisse, ihre Motivationsbereitschaft und ihre Fähigkeit zur Erwerbsteilnahme zu überprüfen. Gemeinsam entwickeln sie einen Arbeitsplan als Orientierungshilfe für die nächsten Schritte bei der Stellensuche. Der Plan wird von beiden Parteien unterzeichnet und sieht Folgebesprechungen im Abstand von jeweils vier bis sechs Wochen vor.

Wesentlich für den Erfolg des Programms zur Integration in den Arbeitsmarkt ist der Umfang an Unterstützung, die einer durch Mangel an Chancen marginalisierten Kundengruppe geboten wird. Vorstellungstermine, Erinnerungen, Beratung, Orientierung und Unterstützung für die Teilnehmer sind genauso wichtig wie die Kontakte der Projektmitarbeiter mit Arbeitgebern und anderen Akteuren.

Erfolg

Innerhalb von sechs Monaten erhielten die städtischen Sozialarbeiter Anrufe von Personen, die fragten, wie man dem Programm beitreten konnte. Sie stellten auch einen Wandel der Einstellungen der Teilnehmer und ihrer Familien fest, der damit einherging, dass Kinder ihre Eltern erstmals als Arbeitsuchende und Stelleninhaber erlebten.

Zu den Ergebnissen des Pilotprojekts zählte, dass 157 Personen eine Stelle fanden, davon 78 Vollzeitstellen. Am Ende der zwei Jahre konnten die meisten Teilnehmer auch erfolgreich ihren Aufenthaltstitel verlängern. Das Projekt wurde seitdem in den Nachbarstädten Remscheid und Solingen repliziert.

Die Intensivmaßnahme der Stadt Wuppertal resultierte sowohl in besserer Integration als auch in Kosteneinsparungen für die Kommune. Zu beachten ist zudem, dass das Netzwerk Partizipation, das als Pilotprojekt mit Mitteln des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) und des Europäischen Sozialfonds begann, in einer Finanzkrise erfolgreich war. 2010 wurde das Projekt mit einer Anschlussfinanzierung für einen Zeitraum von weiteren drei Jahren und einem Mandat zur Erweiterung seiner Dienstleistungen unter der Bezeichnung Partizipation mit seinem neuen Partner, dem Jobcenter Wuppertal, belohnt.

 

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Kooperieren Sie mit kommunalen Partnern und stützen Sie sich auf deren organisatorische Stärken, um das Potenzial des Projekts vollends auszuschöpfen.
  • Seien Sie bereit, praxisnahes Coaching und Beratung für marginalisierte Gruppen zu bieten. Der Zusatzaufwand an Zeit und Ressourcen wird durch den Erfolg Ihrer Kunden belohnt.
  • Stellen Sie sich selbst die Eine-Million-Euro-Frage: Was sind die Kosten von Gleichgültigkeit? Kann Ihre Stadt oder Ihre Organisation es sich leisten, die bedürftigsten Gruppen zurückzulassen?

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Kontakt:

Christine Roddewig-Oudnia , Stadt Wuppertal, Ressort Zuwanderung und Integration
An der Bergbahn 33
42289 Wuppertal
Deutschland,
christine.roddewig@stadt.wuppertal.de
http://www.partizipation-wuppertal.de



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