Verbinden

Dublin, Irland

Bezieht uns ein

Immigrant Council of Ireland (ICI)

October 13, 2011

Paula wurde auf den Philippinen geboren und wuchs in Großbritannien auf. Sie hat in der Finanzbranche gearbeitet und ist jetzt im Teilruhestand. Heute lebt sie mit ihrem irischen Partner in einer wohlhabenden Gegend von Dublin. Sie hat einen britischen Pass und darf in Irland wählen.

Im Vorfeld der irischen Parlamentswahlen von 2011 war sie gerade mit Putzarbeiten im Haus beschäftigt, als ein Stimmenwerber einer der großen politischen Parteien klingelte. Als sie die Tür öffnete, hielt dieser sie für eine Hausangestellte, weil sie der gängigen Vorstellung von philippinischen Hausangestellten entsprach, die in dem Vorort von Dublin arbeiten, in dem sie wohnt. Und als ob dies nicht schon genug war, nahm der Werber an, sie würde nur über sehr schlechte Englischkenntnisse verfügen, und sprach sie ganz langsam an: „Verstehen … Sie … Englisch? … Wann … werden … die … Hauseigentümer … zurück … sein?“

Um die gleiche Zeit wurde der Immigrant Council of Ireland („Irischer Zuwandererrat“) darauf aufmerksam, dass Stimmenwerber häufig Personen nicht beachteten, die nicht typisch irisch aussahen oder klangen. Selbst Parteienhelfer, die Broschüren verteilten, ignorierten Personen mit dunkler Hautfarbe und einem ausländischen Akzent. Sie gingen offensichtlich davon aus, dass Migranten nicht wählen oder nicht wählen dürfen. Dies war ein Grund zur Sorge für die Aktivisten des ICI und insbesondere für diejenigen, die selbst durch Einbürgerung die irische Staatsangehörigkeit erhalten hatten. Nach mehreren Anrufen anderer Eingebürgerter und internen Diskussionen über das Thema beschloss der ICI, damit an die Öffentlichkeit zu gehen.

Am 7. Februar 2011 startete der Immigrant Council of Ireland die Kampagne Count Us In („Bezieht uns ein“). Die Ziele der Kampagne waren: (1) bei Eingebürgerten das Bewusstsein für ihr Wahlrecht bei den Parlamentswahlen 2011 zu schärfen, (2) politische Parteien und Kandidaten an die Notwendigkeit zu erinnern, Eingebürgerte und die Themen im Zusammenhang mit Zuwanderung und Integration nicht zu vernachlässigen, sowie (3) Politiker und Stimmenwerber daran zu erinnern, dass sich die Wählerschaft in Irland durch Vielfalt auszeichnet.

Bei einem Fototermin vor dem Leinster House, dem Sitz des irischen Parlaments, wurden Aufnahmen mit Eingebürgerten und Einheimischen gemacht, die die Kampagne unterstützten. Der ICI mobilisierte eine kleine finanzielle Zuwendung für die Produktion eines YouTube-Clips, die dazu verwendet wurde, sich die Dienste eines freiberuflichen Fotoreporters und einer Werbeagentur zu sichern.

Nachdem Paula in den Nachrichten über die Kampagne gehört hatte, kontaktierte sie den ICI und willigte ein, sich im Rundfunk zu der Kampagne „Bezieht uns ein“ befragen zu lassen. Ihre Erfahrung an ein breiteres Publikum weiterzugeben und Menschen kennen zu lernen, die Gleiches erlebt hatten, half ihr, sie zu bewältigen. Der Umstand, dass die Kampagne viel Aufmerksamkeit erhielt, nachdem Blogger sie aufgegriffen hatten und in den großen Medien darüber berichtet wurde, trug dazu bei, das Bewusstsein über Paula und andere Wählerinnen und Wähler, die nicht „typisch irisch aussahen oder klangen“, zu bilden.

Die Verbreitung der Ideen hinter der Kampagne „Bezieht uns ein“

Der erste Kanal, über den die Öffentlichkeit über die Kampagne informiert wurde, war eine Pressenotiz, gefolgt von einer Pressemitteilung.

Nach dem Fototermin wurde umfassend über die Kampagne berichtet, unter anderem auf TV3 in der Nachrichtensendung mit Dianne Connor um 5:30 Uhr auf IrishTimes.com: Aufruf, den Wahlkampf auf Zuwanderer zu konzentrieren, auf Broadsheet.ie: „Sie wählen den Kandidaten, der die lustigen Akzente von Ausländern nachmacht“, auf Newstalk.ie: Kritik daran, dass es zu wenig Kandidaten mit Migrationshintergrund gab (Podcast-Interview mit Fidèle Mutwarasibo, Integration Manager, Immigrant Council of Ireland, und bei Metro Eireann: Verzögerungen bei der Verleihung der Staatsbürgerschaft enthalten Zuwanderern das Wahlrecht vor.

Ein anderer Aspekt der Arbeit an der Kampagne war die Produktion eines weiteren YouTube-Clips, in dem eine Reihe Eingebürgerter ihre Meinungen zum Ausdruck brachte und über ihre Erfahrungen berichtete. Dies war wichtig, um die Kampagne zu dokumentieren und Informationen an andere mit einem Interesse an der Durchführung einer ähnlichen Kampagne weiterzugeben.

Reaktionen auf die Kampagne

Wie im Fall Paulas waren die Reaktionen auf die Kampagne positiv. Obwohl sich ein ursächlicher Zusammenhang nur schwer belegen lässt, ernannte Taoiseach (Ministerpräsident) Enda Kenny am 20. Mai 2011 einen Eingebürgerten US-amerikanischer Abstammung zum Mitglied im Seanad (Senat). Der ICI hatte den in seiner Pressemitteilung vom 17. Februar 2011 den zukünftigen Regierungschef dazu aufgefordert. Der Umstand, dass die Medien über die Kampagne berichteten, belegt, dass ihr Timing stimmte und sie von Relevanz war. Die Berichterstattung war auch positiv, und in vielen Beziehungen markierte die Kampagne den Beginn einer Debatte über die irische Identität im Irland des 21. Jahrhunderts.

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Das Timing muss stimmen.
  • Die Kampagne muss auf einen festgestellten Bedarf reagieren.
  • Sie müssen vom Thema Betroffene dabei haben.
  • Sie brauchen eine gute Kommunikationsstrategie.
  • Sie müssen Unterstützungsmechanismen für Personen planen, die vom Problem betroffen sind und sich nach dem Start der Kampagne mit den Verantwortlichen in Verbindung setzen.
  • Sie benötigen eine Strategie für den Umgang mit Andersdenkenden, denn es wird immer Leute geben, die sich an einer Initiative stören, auch wenn man sie selbst für sinnvoll und vernünftig hält.
  • Sie sollten unmittelbar nach dem Start der Kampagne einen Termin mit allen Beteiligten an der Initiative/der Kampagne ansetzen, bei dem gewonnene Erkenntnisse ausgetauscht werden können.

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Kontakt:

Fidèle Mutwarasibo, Integration Manager,
Immigrant Council of Ireland
2 St Andrew Street
Dublin , Ireland,
00 353 1 674 0202
fidele@immigrantcouncil.ie
http://www.immigrantcouncil.ie/

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