Arbeiten

London, Vereinigtes Königreich

Die Qualifikationen von Flüchtlingen nutzen

Forum für Beschäftigungsfähigkeit

April 29, 2014

Qualifizierte Flüchtlinge und Arbeitgeber zusammenbringen

Ein Kinderarzt. Ein Ingenieur mit zehnjähriger Erfahrung im Straßen- und Brückenbau. Ein Lehrer, der drei Sprachen spricht. Alle sind versierte und engagierte Fachleute, und alle sind Flüchtlinge.

Aber für viele endet die Suche nach Arbeit, die ihren Qualifikationen und ihrer Erfahrung angemessen ist, enttäuschend. Eine gute Stelle zu finden, erfordert Selbstvertrauen. Außerdem muss man wissen, wie der lokale Arbeitsmarkt funktioniert, und Arbeitgeber finden, die den Beitrag, den man leisten kann, zu schätzen wissen. Die feindselige öffentliche Debatte über die Auswirkungen der Zuwanderung auf die Beschäftigungsniveaus in Großbritannien macht das Ganze zusätzlich schwieriger, sodass Flüchtlinge oft auf Ablehnung stoßen.

Hier sieht das Forum für Beschäftigungsfähigkeit seine Aufgabe. Es ist eine kleine unabhängige gemeinnützige Organisation, die sich mit einer Reihe innovativer Projekte bemüht, die Beschäftigungschancen von Flüchtlingen und Migranten zu verbessern, in erster Linie in London. Diese Arbeit stützt sich auf einen kooperativen und multilateralen Ansatz, der direkte Unterstützung für Flüchtlinge, die Herstellung von Kontakten zu Arbeitgebern und politische Interessenvertretung kombiniert. Das Ziel ist, nachhaltige und dauerhafte Verbesserungen der Beschäftigungsmöglichkeiten für Flüchtlinge in London und in ganz Großbritannien herbeizuführen.

Flüchtlinge unterstützen

Eine Grundvoraussetzung, um in einem neuen Land Arbeit zu finden, ist, zu verstehen, wie der lokale Arbeitsmarkt funktioniert. Manche Flüchtlinge müssen feststellen, dass sie eine Umschulung benötigen oder in einem Ehrenamt Erfahrung sammeln müssen, bevor sie eine Stelle ergattern können, die ihren Qualifikationen entspricht. Das Forum für Beschäftigungsfähigkeit bietet einige unmittelbare Dienstleistungen einschließlich Ausbildung und Beratung für einzelne Flüchtlinge in London, um dazu beizutragen, ihr Selbstvertrauen zu stärken und ihr Verständnis des Beschäftigungssystems in Großbritannien zu fördern.

Auf der Grundlage dieser Sachkenntnisse betreibt das Forum jetzt auch eine innovative Online-Ressource für Personen, die Flüchtlinge beim Übergang von staatlicher Unterstützung zu einer Anstellung in Großbritannien begleiten. „Die Idee ist, dass die Website eine Live-Online-Ressource für Personen sein wird, die überall im Land arbeitsuchende Flüchtlinge unterstützen. Im nur für Mitglieder zugänglichen Bereich können diese Personen Informationen austauschen und sich vernetzen, um das gemeinsame Ziel zu verfolgen: Flüchtlinge dabei zu unterstützen, unabhängig in Großbritannien zu leben“, sagte Direktorin Beryl Randall.

Einstellungen ändern

Flüchtlinge dabei zu unterstützen, eine Festanstellung zu finden, ist nicht möglich, ohne Arbeitgeber dazu zu bewegen, die Qualifikationen, die Flüchtlinge bieten können, besser anzuerkennen. Das Forum für Beschäftigungsfähigkeit hat unterschiedliche Möglichkeiten der Kooperation mit Arbeitgebern erprobt. Besonders eng war die Zusammenarbeit mit Londoner Schulen mit dem Ziel, durch das Angebot von Praktikumsplätzen für Flüchtlingslehrer das gegenseitige Verständnis zu fördern. An dem Programm beteiligte Schulen geben regelmäßig positive Rückmeldungen dahingehend ab, dass Flüchtlinge auf Praktikumsplätzen ihnen helfen, die Vielfalt in der jeweiligen Schule besser zu verstehen. Ein noch aussagekräftigerer Erfolgsindikator ist jedoch die Beschäftigungsrate von Flüchtlingslehrern nach ihren Praktika: 2012 erhielten mehr als 50 Prozent der am Projekt beteiligten Flüchtlingslehrer nach ihrem Praktikum eine Festanstellung.

Um die Einstellung zukünftiger Arbeitgeber zu ändern, bemüht sich das Forum für Beschäftigungsfähigkeit auch, Kinder darüber aufzuklären, was es bedeutet, ein Flüchtling zu sein. Randall beschrieb das Projekt „Flüchtlinge in die Schulen holen“ als „bemerkenswert“ und sagte: „Ich bin unglaublich stolz darauf, dabei zu sein. Wir haben Flüchtlinge dabei unterstützt, an Schulkinder in mehr als 100 Londoner Schulen weiterzugeben, was sie im Zusammenhang mit Konflikt, Asylsuche und dem Aufbau einer neuen Existenz erlebt haben. Mehr als 5.000 Kinder haben sich damit auseinandergesetzt, was es bedeutet, ein Flüchtling zu sein, und wurden ermuntert, unseren Freiwilligen auch persönliche Fragen zu stellen. In ihren Rückmeldungen haben die Schulen von signifikanten Änderungen der Einstellung der Kinder berichtet. Das ist die Art von Wirkung, die zukünftigen Flüchtlingen helfen wird, mit einem besseren Verständnis davon aufgenommen zu werden, was sie durchgemacht haben und was sie zu bieten haben.“

Strategische Partnerschaften knüpfen

Das Forum für Beschäftigungsfähigkeit will auch bei der Politik das Verständnis für die Vorteile verbessern, die damit verbunden sind, Flüchtlinge bei der Arbeitsuche zu unterstützen. Es führt gemeinsam mit dem Innenministerium den Vorsitz der Arbeitsgruppe für die Integration von Flüchtlingen, die politische Entscheidungsträger aus der gesamten Regierung zusammenbringt, um sicherzustellen, dass bei der Politikgestaltung in Bezug auf Themen aus den Bereichen Beschäftigung und Integration von Migranten aktuelle Erkenntnisse aus dem gemeinnützigen Sektor und von Kommunalbehörden berücksichtigt werden. Die Zusammenarbeit mit der Politik hilft dem Forum für Beschäftigungsfähigkeit auch, das sich wandelnde politische Umfeld zu verstehen und dem bei seiner Arbeit Rechnung zu tragen.

Aufgrund des kooperativen und multilateralen Ansatzes, den das Forum für Beschäftigungsfähigkeit verfolgt, hat es sich bei den Organisationen und Berufsverbänden, mit denen es zusammengearbeitet hat, hohes Ansehen erworben. Über seine Arbeit wurde auch in der nationalen Presse berichtet.

Letztlich gilt: Dauerhafte Veränderungen herbeizuführen, braucht Zeit, aber es werden Fortschritte erzielt. „Wir wollen langfristig Wirkung erzielen. Unser übergeordnetes Ziel ist die wirkungsvollere Integration von Flüchtlingen in diesem Land“, sagte Randall. „Menschen zu helfen, Arbeit zu finden, selbst ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können und sich Zukunftschancen zu eröffnen, ist ein Aspekt dieser Bemühungen. Das Ziel liegt noch in weiter Ferne, aber wir bewegen uns Schritt für Schritt darauf zu.“


Ueber diese gute Idee wird im „Markt der guten Ideen“ an der 2014 Cities of Migration Konferenz in Berlin diskutiert. Lernen Sie mehr über diese Konferenz.


Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Klein, aber fein! Als kleine Organisation im Bereich der Flüchtlingshilfe sollten Sie versuchen, dies in einen Vorteil zu verkehren, indem Sie kreativ und innovativ Projekte entwickeln, die Ihrer Größe angemessen sind.
  • Können Sie das gegenseitige Verständnis zwischen Flüchtlingen sowie externen Gemeinschaften und Institutionen fördern, statt nur mit einer Gruppe zusammenzuarbeiten oder unter einem Aspekt tätig zu sein?
  • Überlegen Sie, ob Sie einen politischen Aspekt in Ihre Arbeit integrieren können, um sicherzustellen, dass sie sowohl für die dominierende politische Agenda als auch für die unmittelbaren Anliegen, die sie verfolgen, relevant bleibt.
  • Entwickeln Sie Partnerschaften mit anderen nichtstaatlichen Organisationen, Berufsverbänden und politischen Entscheidungsträgern – Kooperation ist häufig der Schlüssel dazu, dauerhaft etwas bewirken zu können.

Maytree