Arbeiten

Toronto , Kanada

Fachliche und berufliche Kontakte knüpfen: The Mentoring Partnership

TRIEC (Toronto Region Immigrant Employment Council)

March 24, 2011

Vor ihrer Auswanderung mit ihrem Ehemann und drei Kindern arbeitete Oluseun Odunlami in ihrer Heimat in Nigeria als gelernte Juristin für die Regierung und den Bankensektor. In Kanada hatte sie jedoch Schwierigkeiten, eine Stelle zu finden. Ihre beruflichen Qualifikationen wurden nicht anerkannt, und potenziellen Arbeitgebern sagte ihr Lebenslauf nicht zu. Ihr wurden nur schlecht bezahlte Tätigkeiten angeboten, die ihrer Ausbildung und ihren beruflichen Vorstellungen nicht entsprachen.

Annette Geldbert and her mentee, Kerry Mulchansingh

Annette Geldbert and her mentee, Kerry Mulchansingh

So wie Oluseun geht es vielen anderen Zuwanderern. Weil ihnen berufliche Netzwerke oder Kontakte fehlen und sie häufig unvertraut mit der Arbeitskultur im Aufnahmeland sind, ist es für sie schwierig, Arbeit zu finden, in der sich ihre frühere Erfahrung und ihr Bildungsstand widerspiegeln. Auf kanadische Personalleiter wirken Stellenbewerber, die Angehörige einer erkennbaren Minderheit sind, unvertraut oder unerprobt und stellen ein potenzielles Risiko dar.

Olusuens berufliche Aussichten änderten sich mit Hilfe von The Mentoring Partnership.

The Mentoring Partnership (TMP) ist eine Kooperation von Gemeinschaftsorganisationen and Partnern aus der Wirtschaft, die qualifizierte Zuwanderer und etablierte Fachkräfte in berufsspezifischen Mentoring-Beziehungen zusammenbringt.

Bis zum 31. Juli 2008 registrierte TMP mehr als 2.214 Mentoren, brachte in 3.389 Fällen Mentoren mit Zuwanderern zusammen und konnte 52 Unternehmen sowie 12 Organisationen als Partner gewinnen.

Diese Beziehungen führten zu beeindruckenden Resultaten. Beispielsweise besagen die Ergebnisse einer Ende 2007 durchgeführten Evaluierung, dass fast 85 Prozent der Teilnehmer, die das Programm absolvierten, im Tätigkeitsfeld ihrer Wahl eine Stelle fanden. Ihr durchschnittliches Jahreseinkommen war um 67 Prozent höher als vor ihrem Eintritt in das Programm, und die Arbeitslosigkeit war bei dieser Gruppe um 78 Prozent zurückgegangen.

Olusuen wurde mit Karen Rubin zusammengebracht, einer altgedienten Juristin bei der kanadischen Niederlassung von American Express. Über einen Zeitraum von drei Monaten trafen sich die beiden Frauen mehrmals wöchentlich. Während dieser Zeit brachte Karen Olusuen in Kontakt mit einem Netzwerk einflussreicher Juristen bei großen Unternehmen in der ganzen Stadt, die ihr wertvolle berufliche Ratschläge gaben und ihr halfen, ihren Lebenslauf so aufzubereiten und anzupassen, dass er für kanadische Arbeitgeber interessanter wurde. „Im Rahmen ihrer Tätigkeit für die Kommunalverwaltung in Nigeria überwachte Frau Odunlami ein Budget von vier Millionen Dollar. Wir schauten uns an, was sie zu bieten hatte und wie man es an den Mann bringen konnte. Ich half ihr, auf der Grundlage der Qualifikationen, über die sie verfügte, Selbstbewusstsein zu entwickeln“, ergänzte ihre Mentorin Karen. Und Frau Odunlami sagte anerkennend: „Sie stellte mich mehreren Juristen vor. Das half mir enorm und vergrößerte mein Kontaktnetz.“

Zusammen arbeiteten sie verschiedene Bewerbungsstrategien aus und schnitten Olusuens Lebenslauf auf den kanadischen Kontext zu. Dann gingen sie zu den Techniken in Bewerbungsgesprächen über und spielten eine Reihe fiktiver Bewerbungsgespräche durch.

Heute arbeitet Frau Odunlami im Finanzbezirk von Toronto und hat sich für das von der Universität von Ottawa aufgelegte Sonderprogramm für Juristen mit einem ausländischen Hochschulabschluss beworben.

Über TRIEC…
TMP ist ein Projekt des Toronto Regional Immigrant Employment Council (TRIEC), einer Organisation, die sich bemüht, die Hindernisse abzubauen, mit denen Zuwanderer beim Eintritt in den Arbeitsmarkt konfrontiert sind. Gleichzeitig hilft der TRIEC Organisationen, von den Fähigkeiten und Qualifikationen zu profitieren, über die Zuwanderer verfügen. Der Mentoring-Ansatz zur Integration in die Erwerbsbevölkerung trägt dem Umstand Rechnung, dass es bei der Stellensuche genauso wichtig sein kann, wen man kennt wie was man kann. Die Beziehung zwischen dem Mentor und seinem Schützling ist der erste Schritt beim Aufbau eines fachlichen Netzwerks, das Türen öffnet und die Wahrnehmungen über den Wert qualifizierter Stellenbewerber ändert, bei denen es sich um Zuwanderer handelt.

Die von TMP hergestellten Beziehungen basieren auf dem Gedanken, dass die Mentoren dem Programm „einen Tag in ihrem Leben“ schenken – eine Selbstverpflichtung von mindestens 24 Stunden über einen Zeitraum von vier Monaten. Während dieser Zeit helfen die Mentoren neu eingetroffenen Zuwanderern, sich im Prozess der Stellensuche zurechtzufinden, indem sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen weitergeben. Die Mentoren helfen bei der Abfassung eines Lebenslaufs für den kanadischen Arbeitsmarkt, bereiten ihre Schützlinge auf ein Bewerbungsgespräch vor und geben Ratschläge für den Aufbau eines Kontaktnetzes. Sie vermitteln auch einen Einblick in die Arbeitsplatz- und Arbeitskultur in Kanada.

Um die Wirkung der Beziehung zu maximieren, folgen beide Parteien einem etablierten Programm, das wie folgt abläuft: Der TRIEC rekrutiert Mentoren gewöhnlich aus dem Kreis von Partnern in der Wirtschaft, während Gemeinschaftsorganisationen arbeitsbereite qualifizierte Zuwanderer als Kandidaten für das Mentorenprogramm sichten und auswählen. Auf der Grundlage der Kompatibilität in Bezug auf Tätigkeit und Werdegang einschließlich Ausbildung, Arbeitserfahrungen und beruflicher Vorstellungen legen Trainer bei Partnerorganisationen auf Gemeinschaftsebene Mentoren Profile vorgeschlagener Teilnehmer vor.

Die Trainer beobachten die Fortschritte der Teilnehmer bis maximal drei Monate nach dem offiziellen Ende der Mentoring-Beziehung. Während eines Zeitraums von vier Monaten arbeiten Mentoren und ihre Schützlinge insgesamt 24 Stunden zusammen. Trainer unterstützen beide Seiten bei Bedarf, wenn die Beziehung sich nicht nach Wunsch entwickelt.

Der wichtigste Aspekt von TMP besteht jedoch darin, dass die Mentoren ihren Schützlingen den Zugang zu ihren fachlichen Netzwerken eröffnen.

Mentoren werden aus allen Tätigkeitsgebieten willkommen geheißen, sofern sie seit mindestens drei Jahren in einem Beschäftigungsverhältnis stehen oder selbstständig sind. Sie müssen Verbindungen zu Berufsverbänden und anderen geschäftlichen Netzwerken nachweisen können, sich mit dem aktuellen Arbeitsmarktbedarf, Zusammenhängen und Trends auskennen sowie eine Vorstellung von den Beschäftigungsproblemen im Ausland ausgebildeter Fachkräfte haben.

Erfolg bedeutet Übernahme des Konzepts…
TMP war so erfolgreich, dass das Projekt über die Innenstadt von Toronto hinaus bis in die Außenbezirke wie Halton, Peel und York Anerkennung fand. Der Erfolg des TRIEC mit TMP und ähnlichen Programmen bewog Großstädte in ganz Kanada, zugunsten der bei ihnen lebenden Gemeinschaften Beschäftigungslösungen für Zuwanderer zu suchen. 2007 kamen mehr als 130 Vertreter aus 18 Großstädten zusammen, um gewonnene Erkenntnisse und Erfahrungen auszutauschen. Aus den TRIEC-Aktivitäten entwickelte sich auf diese Weise die neue Initiative ALLIES mit einer Vielzahl von Akteuren zur Unterstützung von Verwaltungen von Großstädten in ganz Kanada durch Beschäftigungsstrategien für Zuwanderer auf der Grundlage des TRIEC-Modells.

2007 wurde TMP vom Canadian Urban Institute mit dem Preis „Urban Leadership Award for City Initiatives“ ausgezeichnet.

Internationale Anerkennung…
2007 besuchte eine neuseeländische Delegation des so genannten Committee for Auckland Toronto, um den TRIEC kennen zu lernen und mehr über TMP zu erfahren. Dies führte dazu, dass die Gruppe im März 2008 das Projekt OMEGA (Opportunities for Migrant Employment in Greater Auckland) auf der Grundlage des TRIEC-Modells startete. Damit verband sich die Hoffnung, die guten Erfahrungen, die in Toronto gemacht wurden, in Neuseeland wiederholen zu können.

Ausgewählte Bibliotheksressourcen zu dieser guten Integrationsidee finden Sie im Kasten auf der rechten Seite.

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Hiring immigrants is not a social justice issue - make the business case for employing immigrants. Immigrants bring international skills, experience and the knowledge needed for economic growth and prosperity.
  • Is there a way that you or your organization can help bring skilled immigrants or other marginalised groups together with established professionals? For instance with a networking day or a community partnership?
  • Mentoring others provides employees with professional development opportunities. Find out whether mentoring programs exist in your organization and, if not, what you could do to start one.

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Kontakt:

Joan Atlin, Director of Operations
Toronto Region Immigrant Employment Council (TRIEC)
170 Bloor Street West, Suite 901
Toronto, Canada,
416 944 1946 ext 249
jatlin(at)triec.ca
http://www.triec.ca



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