Leben

München, Deutschland

Buntkicktgut! Integration durch Sport Buntkicktgut

March 24, 2011

Sport überwindet sprachliche und kulturelle Barrieren

Sie sprechen vielleicht nicht dieselbe Sprache. Sie kommen aus unterschiedlichen Kulturen, und viele von ihnen haben als neue Zuwanderer, Flüchtlinge und Asylbewerber schwierige und außerordentlich verschiedenartige Lebenserfahrungen gemacht. Aber wenn der Schiedsrichterpfiff ertönt und das Spiel beginnt, tritt all das in den Hintergrund.

„Fußball war das Einzige, was sie kannten“, sagt Buntkickgut-Mitinitiator und Projektleiter Rüdiger Heid. „Gerade da, wo Sprachlosigkeit herrscht, ist der Fußball ein Medium, mit dem Verständigung möglich ist.“

„Buntkicktgut“ ist der Name der interkulturellen Straßenfußballliga in München. Sie wurde 1996 von zwei Sozialarbeitern in einer Flüchtlingsunterkunft gegründet, nachdem sie begonnen hatten, Straßenfußball (die beliebteste Freizeitaktivität bei den Jungen) als Identifikations- und Integrationsmittel zu nutzen. Heute umfasst das Programm mehr als 150 Mannschaften mit ungefähr 1.500 Spielern. Letztere sind eine bunte Mischung aus Flüchtlingen und benachteiligten Jugendlichen mit unterschiedlichem ethnischem Hintergrund. Die Teilnehmer kommen über ihre Wohnsiedlungen und Tageszentren, auf Empfehlung von Schulsozialarbeitern oder durch Hörensagen auf der Straße mit dem Programm in Kontakt. Sie sind zwischen acht und 21 Jahre alt und können männlichen oder weiblichen Geschlechts sein. Das Spieljahr ist in eine Sommer- und eine Wintersaison unterteilt, und Spiele finden bis zu fünfmal wöchentlich sowie an Wochenenden auf Plätzen oder in Hallen in der ganzen Stadt statt. Zwei Liga-Cups werden ebenfalls jedes Jahr ausgespielt.

Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen Buntkicktgut und anderen Sportprojekten ist die Kontinuität der Liga und die Häufigkeit, mit der das Programm die verschiedenen Mannschaften regelmäßig zusammenbringt. Die Langlebigkeit der Liga, der Spieler treu bleiben, während sie in immer höhere Altersgruppen vorrücken, ist ein weiterer Schlüssel für ihren Erfolg. Die Liga fördert den Zusammenhalt zwischen den Jugendlichen sowie den Betreuern und trägt zur Sozialisation der Spieler im Hinblick auf das Wertesystem der Liga bei. Wenn neue Mannschaften dazustoßen, helfen erfahrene Teilnehmer ihnen, die Regeln zu erlernen. Die Mannschaften bestehen fast alle aus Spielern, die aus unterschiedlichen Kulturkreisen kommen.

Im Gegensatz zu Vereinsfußball hat Straßenfußball auch viel mit der Eigenständigkeit, der Selbstorganisation und der Entscheidungsfreiheit der Jugendlichen zu tun. Die Liga fördert die Übernahme von Verantwortung, weil die Mannschaften sich selbst anmelden und das Organisatorische selbst regeln müssen. Um in der Liga mitspielen zu können, braucht eine Mannschaft sechs Spieler und mindestens einen Trainer. Die Jugendlichen müssen sich auch selbst ihre Trikots besorgen, sich einen Mannschaftsnamen zulegen und sich die Fan-Unterstützung für ihre Spiele sichern. Die Mannschaften verpflichten sich, das ganze Jahr zu spielen und bei allen angesetzten Begegnungen zu erscheinen.

Eines der Hauptziele des Projekts ist Gewaltprävention. Das Projekt konzentriert sich in hohem Maß auf die friedliche Streitbeilegung in einem interkulturellen Kontext (das heißt, rassistische Vorurteile und interkulturelle Missverständnisse auszuräumen). Den Teilnehmern werden friedliche Strategien zur Konfliktlösung, demokratische Verhandlungsführung sowie der Gedanke der Partizipation als Individuum und in der Gruppe vermittelt.

Um diese Ideen zu verstärken, können Spieler dem Ligarat beitreten. Der Ligarat setzt sich nach demokratischen Regeln aus jugendlichen Vertretern einzelner Mannschaften zusammen. Er wird tätig, wenn Spieler wegen Foulspiel oder verbaler Entgleisungen eine rote Karte erhalten haben oder ihre Aufgaben vernachlässigen (Aufräumen nach dem Spiel) oder wenn es während der Saison Änderungen bei einer Mannschaft gibt. Die Attraktivität der Liga ist so groß, dass die Spieler Strafen sehr ernst nehmen.

Ausgewählte Bibliotheksressourcen zu dieser guten Integrationsidee finden Sie im Kasten auf der rechten Seite.

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Mannschaftssportarten können das ideale Mittel sein, um heterogene Gruppen aller Altersstufen zusammenzubringen. Finden Sie heraus, welche Programme in Ihren Schulen oder in Ihrer Kommune angeboten werden. Bestehen Möglichkeiten, sie für verschiedene Gemeinschaften zugänglicher zu machen?
  • Es geht nicht nur um die Spieler! Mannschaftssportarten bringen auch die Zuschauer zusammen. Fragen Sie, ob örtliche Mannschaften an neutralen Stätten gegeneinander spielen können, sodass Menschen aus unterschiedlichen Stadtteilen dort zuschauen und in Kontakt miteinander kommen. Bauen Sie Brücken in und zwischen Stadtvierteln.
  • Feiern Sie Erfolge! Sportmannschaften und andere siegreiche Initiativen, die etwas zu erzählen haben und Gemeinschaftswerte vermitteln, sind gute Kandidaten für Sponsoring und finanzielle Unterstützung durch die Wirtschaft vor Ort.

Maytree