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Sheffield , Vereinigtes Königreich

Asylstädte, in denen Fremde willkommen geheißen werden

March 24, 2011

Durch eine offizielle Kommunalpolitik, Notleidende mit offenen Armen zu empfangen, entsteht eine Gemeinschaft, die Flüchtlinge und neu eingetroffene Zuwanderer unterstützt.

Stellen Sie sich vor, Sie kommen vom entgegengesetzten Ende der Welt in einer neuen Stadt an, sind mit der Sprache oder den Gebräuchen vor Ort nicht vertraut und können nicht auf die Unterstützung von Freunden und Angehörigen hoffen. Eine kleine Geste, ein Zeichen des Willkommens und die Bestätigung, dass Sie in dieser neuen Gemeinschaft erwünscht und willkommen sind, können in einer solchen Situation Mut machen.

Die Städte, die sich zur City of Sanctuary („Asylstadt”) erklären, wollen eine Kultur kommunaler Gastfreundlichkeit gegenüber Menschen entwickeln, die in Großbritannien Zuflucht suchen. Mit Hilfe dieser Kultur wollen sie die falschen Vorstellungen über Flüchtlinge aus dem Weg räumen und stattdessen ein Umfeld schaffen, in dem sie breite Unterstützung und Verständnis für ihre Situation erfahren.

Mit Unterstützung des Stadtrats und von mehr als 70 lokalen Organisationen wurde Sheffield 2007 die erste Asylstadt in Großbritannien.

Der Grundgedanke der Asylstädte ähnelt derjenigen der Fairtrade-Städte. In Letzteren verpflichtet sich ein breites Spektrum von Gemeinschaftsgruppen und Organisationen, Produkte aus fairem Handel zu verwenden und zu verkaufen. In vergleichbarer Weise verpflichten sich in einer Asylstadt lokale Organisationen, Gemeinschaftsgruppen und religiöse Gruppen sowie die Kommunalverwaltung öffentlich, Personen, die Zuflucht benötigen, willkommen zu heißen, zu unterstützen und in die Gemeinschaft aufzunehmen.

Nach Auskunft von Craig Barnett, dem nationalen Koordinator der Asylstädte, soll das Projekt dazu beitragen, falsche Vorstellungen auszuräumen und eine Kultur der Gastfreundschaft zu entwickeln. „Es geht darum, ein positives Bild unserer Stadt als Zufluchtsort zu vermitteln”, sagte er.

Wie wird eine Stadt zur Asylstadt?

Seit 2005 haben sich in Sheffield 96 Organisationen einschließlich Schulen, Gemeinschaftsprojekten, Studentengruppen und Religionsgemeinschaften verpflichtet, Asylbewerber willkommen zu heißen. Ihre Rolle besteht darin, Freundschaft und Interessenvertretung anzubieten und Asylbewerber einzuladen, bei ihnen mitzuwirken und Aufgaben zu übernehmen.Donna Covey, die Leiterin des Flüchtlingsrats, bezeichnet die breite Unterstützung durch Basisgruppen als einen der wichtigsten Aspekte der Asylbewegung in Sheffield. „Sie stützt sich auf die breite Bevölkerung. Es sind nicht nur diejenigen, die mit Flüchtlingen arbeiten oder Kampagnen durchführen. Es sind normale Menschen, die anderen, die zur Flucht nach Großbritannien gezwungen wurden, einen sicheren Ort anbieten möchten.”

Der Weg dazu, eine Asylstadt zu werden, begann, als Gemeinschaftsgruppen und religiöse Gruppen sich verpflichteten, die Idee zu unterstützen. In den darauffolgenden zwei Jahren wuchs die Bewegung, und der Stadtrat schloss sich ihr ebenfalls an. Die teilnehmenden Organisationen verständigten sich auf ein langfristiges Ziel der Inklusion von Asylbewerbern und Flüchtlingen, das in einem „Manifest” niedergelegt wurde. Es umfasst ehrgeizige Vorstellungen bezüglich der Partizipation von Personen, die Zuflucht im Großstadtleben suchen, und ihres Zugangs zu grundlegenden Dienstleistungen sowie Unterstützung in Bereichen wie Bildung, Gesundheitsversorgung und Unterkunft.

Zwei der wichtigsten Voraussetzungen, um eine Asylstadt zu werden, sind, die breite Unterstützung der Bevölkerung sicherzustellen und eine Inklusionsstrategie zu entwickeln.

Laut Schätzungen der Stadtverwaltung werden in Sheffield etwa 1.000 Asylbewerber von der staatlichen britischen Grenzbehörde unterstützt. Weitere bis zu 1.000 Ausländer leben in der Stadt, deren Anträge abgelehnt wurden, die Großbritannien jedoch nicht verlassen können oder wollen. Weil das Ziel des Projekts eher darin besteht, Wohlwollen zu verbreiten und Kulturen zu verändern, als direkte Unterstützung anzubieten, ist es nicht möglich, abzuschätzen, wie vielen Asylbewerbern es geholfen hat.

Zu den sichtbaren Erfolgen in Sheffield zählen Schilder in der ganzen Stadt mit der Aufschrift „Wir heißen Asylbewerber und Flüchtlinge willkommen”.

Eine wachsende Bewegung

Seit Sheffield eine Vorreiterrolle wahrgenommen hat und sich zur Asylstadt erklärte, hat die Bewegung in ganz Großbritannien Zulauf erhalten. Es gibt mittlerweile eine wachsende Zahl von City of Sanctuary-Arbeitsgruppen in Städten und Großstädten in Großbritannien, darunter Bradford, Bristol, Coventry, Leicester, London, Norwich, Nottingham, Oxford, Sheffield und Swansea.

Dieses nationale Netzwerk trifft regelmäßig zusammen, um Erkenntnisse auszutauschen. Es wird durch einen nationalen Koordinator unterstützt, der für die Bewegung in ganz Großbritannien werben soll. Die nationale City of Sanctuary-Bewegung hat auch einen Wegweiser für Städte veröffentlicht, die sich ihr anschließen möchten. Er enthält Anleitungen zum Aufbau einer lokalen Initiative und Fallstudien britischer Gruppen.

Für manche Organisationen erweist es sich als problematisch, dass im Gegensatz zu anderen Projekten das Konzept der Asylstadt nicht auf festen Zahlen oder quantifizierbaren Zielvorgaben beruht, sondern auf einer langfristigen Vorstellung von kulturellem Wandel.

Die Idee hat auch weltweit Interesse gefunden. In den Vereinigten Staaten haben sich mehr als 30 Großstädte zu Asylstädten erklärt. In San Francisco beispielsweise wurde 1989 die so genannte Zufluchtsstadt- oder Asylverordnung erlassen, die Angestellten der Stadtverwaltung untersagt, die Polizei- und Zollbehörde des Heimatschutzministeriums (Immigration and Customs Enforcement – ICE) bei Ermittlungen in Einwanderungsfragen zu unterstützen, sofern eine solche Hilfeleistung nicht aufgrund Bundesrecht oder einer richterlichen Anordnung erforderlich ist. Die Verordnung wurzelt in der Asylbewegung der 1980er Jahre, als Kirchen in den gesamten Vereinigten Staaten vor Bürgerkriegen in ihren Ländern geflohenen Mittelamerikanern Zuflucht gewährten.

Gavin Newson, der Bürgermeister von San Francisco, und Bezirksbürgermeister Tom Ammiano bekräftigten kürzlich diese Verpflichtung, eine Zufluchtsstadt zu sein, als sie den Startschuss zu einer Kampagne zur Bewusstseinsbildung gaben, mit der die Politik des „Asyls” für Einwohner ohne gültige Papiere gefördert und allen Einwohnern zugesichert werden soll, dass Personen sich durch die Inanspruchnahme städtischer Leistungen nicht der Gefahr der Verfolgung durch die Einwanderungsbehörden des Bundes aussetzen. „Als Asylstadt hat San Francisco aus humanitären Gründen Dienstleistungen für alle Einwanderer unabhängig von ihrem Status erbracht”, sagte Bezirksbürgermeister Ammiano

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Neue Gemeinschaften zu erreichen, neue Zielgruppen und breite Unterstützung für die Bewegung sicherzustellen (über etablierte Organisationen hinaus), waren Voraussetzungen für den Erfolg in Sheffield.
  • Die Flüchtlinge selbst machten wichtige Werbung für die Bewegung, indem sie über ihre Erfahrungen in Schulen und Gemeinschaftsgruppen, in den Medien und bei Auftritten berichteten.
  • Feiern, Feste und kulturelle Veranstaltungen wurden organisiert, um den positiven Beitrag von Flüchtlingen und Asylbewerbern zur Stadt herauszustellen und ein Gefühl von Stolz darauf zu vermitteln, unter der einheimischen Bevölkerung an einem sicheren Ort zu sein.

Maytree