Arbeiten

Lissabon , Portugal

Damit Ärzte nicht mehr als Steinmetze arbeiten müssen. Anerkennung der Qualifikationen zugewanderter Gesundheitsfachkräfte

Der Flüchtlingsdienst der Jesuiten und die Calouste Gulbenkian-Stiftung

March 30, 2012

Das Problem des Ärztemangels soll gelöst werden, indem zugewandertes Gesundheitspersonal dabei unterstützt wird, wieder im Ursprungsberuf tätig zu werden

Als Alexandru Godina aus Moldawien nach Portugal kam, konnte er nur eine Arbeit als Steinmetz finden, obwohl er vorher als Internist und Leiter einer Klinik in einer Kleinstadt tätig war.

In der Stadt Lissabon herrschte jedoch ebenso wie auch im restlichen Portugal ein Mangel an qualifiziertem medizinischem Personal.

Wie in den meisten Städten weltweit gab es in Lissabon jedoch ebenfalls Hunderte gut ausgebildeter Zuwanderer, die in Jobs arbeiteten, für die sie überqualifiziert waren, und die wie Godina bereits in der Stadt lebten und auf eine Chance warteten, ihre Ausbildung und ihre Fähigkeiten nutzen zu können.

Viele dieser Ärztinnen und Ärzte kamen aus Ländern, deren Abschlüsse nicht automatisch anerkannt wurden. Der Anerkennungsprozess ist mit finanziellen und administrativen Hindernissen verbunden, und es fehlt dabei oft an Unterstützung. Das Ergebnis war, dass viele dieser Personen mit medizinischer Ausbildung stark unter ihren Qualifikationen beschäftigt waren und nur Stellen finden konnten, die in keiner Weise ihrer Ausbildung, ihren Wünschen oder ihrem potenziellen Beitrag in ihrer neuen Heimat entsprachen.

Funktionierende Lösungen

Um die Lücke zu schließen, die durch den Mangel an praktizierenden Ärzten und die Nichtanerkennung der Qualifikationen zugewanderter Ärzte entsteht, rief die Calouste Gulbenkian-Stiftung gemeinsam mit dem Flüchtlingsdienst der Jesuiten ein Projekt zur beruflichen Eingliederung zugewanderter Ärzte ins Leben. Das Projekt war Teil der Bemühungen der Stiftung, mehr praktische Initiativen im Bereich der sozialen und beruflichen Integration von Zuwanderern zu ergreifen.

Das Programm lief von 2002 bis Dezember 2005 und zielte darauf ab, 120 zugewanderte Ärztinnen und Ärzte, die derzeit nicht im Arztberuf tätig waren, dabei zu unterstützen, wieder in ihren eigentlichen Beruf zurückzukehren.

Da alle Ärztinnen und Ärzte in dem Pool einen anderen beruflichen Hintergrund hatten und jeweils besondere eigene Herausforderungen meistern musste, wurde in dem Projekt für alle von ihnen eine auf sie persönlich zugeschnittene Lösung erarbeitet. Alle Bewerberinnen und Bewerber mussten allerdings die folgenden Stadien durchlaufen: Bewerberauswahl, Beschaffung aller benötigten Dokumente, Abgabe der Dokumente an der medizinischen Fakultät; eine Ausbildungsperiode, ein Abschlussexamen, die Registrierung bei der Ärztekammer und die berufliche Wiedereingliederung.

Zusätzlich zur sozialen Unterstützung durch die Calouste Gulbenkian-Stiftung bot das Programm auch praktische finanzielle Unterstützung bei den Kosten für Bewerbung und Übersetzungen. Unterstützung gab es auch für Lehrbücher und für portugiesische Sprachkurse mit Schwerpunkt auf den technischen medizinischen Begriffen, die die Eingliederung von zugewanderten Ärztinnen und Ärzten in das portugiesische Krankenhausumfeld erleichtern würden.

Das Projekt nutzte auch strategische Partnerschaften als ein Mittel, den am besten geeigneten Rahmen für seine administrative Durchführung und seine Umsetzung zu schaffen. Beispielsweise konnte es durch Partnerschaften mit Migrationsdiensten die Erneuerung von Visa beschleunigen. Durch häufige Kontakte mit der Ärztekammer konnte der bürokratische Prozess vereinfacht werden. Man nutzte auch die Kontakte zum Gesundheitsministerium und machte sich dort dafür stark, dass die Projektteilnehmer Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhielten.

Auf dem Erfolg aufbauen

Nach Beendigung des Projekts praktizierten fast 90 Prozent der Teilnehmer (auch Alexandru Godina) wieder in ihrem eigentlichen Beruf, waren besser in die portugiesische Gesellschaft integriert und leisteten dadurch einen größeren gesellschaftlichen Beitrag.

Die Calouste Gulbenkian-Stiftung und der Flüchtlingsdienst der Jesuiten nutzten das Pilotprojekt als Ausgangspunkt, um ihre Ideen weiter auszubauen. 2005 starteten sie mit Unterstützung des Amadora-Sintra-Krankenhauses und der Francisco Gentil-Krankenpflegeschule ein neues Zweijahresprogramm mit Schwerpunkt auf der Qualifizierung von Krankenschwestern. Erfahrungen mit dem ursprünglichen Projekt flossen in das neue Projekt ein. So wurde beispielsweise zusätzliche Unterstützung für die Familie der entsprechenden Krankenschwester oder des Arztes für eine erfolgreichere, ganzheitliche Integration angeboten. Eine weitere Verbesserung war ein effizienterer, besser organisierter portugiesischer Sprachkurs, da man herausgefunden hatte, dass die Beherrschung der Sprache ein Schlüssel zum Erfolg war.

Die Calouste Gulbenkian-Stiftung und der Flüchtlingsdienst der Jesuiten erkannten jedoch, dass nur über gesetzliche, systematische Veränderungen der langfristige Einstieg anerkannter Ärztinnen und Ärzte in den Arbeitsmarkt gesichert und die administrativen Verzögerungen überwunden werden konnten. Zu diesem Zweck mussten auch Vereinbarungen mit beiden Gesundheitseinrichtungen und dem Gesundheitsministerium getroffen werden.

Gegen Ende des Jahres 2008 fühlte sich das portugiesische Gesundheitsministerium durch den Erfolg der bisherigen Projekte dazu veranlasst, eine Partnerschaft mit der Calouste Gulbenkian-Stiftung und dem Flüchtlingsdienst der Jesuiten einzugehen und ein neues Programm zur beruflichen Eingliederung zugewanderter Ärzte (Programa Integração Profissional de Medicos Imigrantes – PIPMI) zu finanzieren. Während einer Programmlaufzeit können weitere 150 zugewanderte Ärzte immatrikuliert und integriert werden. Im Dezember 2010 verpflichtete sich die Stiftung erneut, dieses innovative Programm für ein weiteres Jahr (2011) anzubieten.

Der Direktor des Flüchtlingsdienstes der Jesuiten, Andre Jorge, formuliert es folgendermaßen: „Dieses Programm ist ein Beispiel dafür, wie man das Leben von Zuwanderern, die zu uns gekommen sind, verbessern und gleichzeitig den Bedürfnissen der Entwicklung unseres Landes gerecht werden kann.“

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Wenn Sie praktische Lösungen für Integrationsprobleme umsetzen wollen, suchen Sie nach systemischen, übergreifenden Ansätzen, damit Sie umfassendere, dauerhafte Veränderungen erzielen.
  • Die Kombination aus sozialer Unterstützung, strategischen Partnerschaften und praktischer finanzieller Unterstützung trug entscheidend zum Erfolg dieses Projekts bei.
  • Stellen Sie sicher, dass die Sprachausbildung für den Beruf angemessen ist.
  • Bieten Sie auch Unterstützung für die betroffenen Familien an.

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