Leben

London, Vereinigtes Königreich

Umgang mit Diabetes: das Maslaha-Projekt

Tower Hamlet Primary Trust & The Maslaha Project

March 24, 2011

Gesundheitsförderung für religiöse Gemeinschaften mit kulturell sensitiven Ressourcen und Instrumenten

Die in Großbritannien lebenden Bangladescher und Pakistaner sind überproportional von Diabetes betroffen. In Tower Hamlets, einem Bezirk östlich des Stadtzentrums von London, gibt es eine der größten bangladeschischen Gemeinschaften in Großbritannien mit den meisten muslimischen Einwohnern in irgendeinem Kommunalbezirk in England oder Wales.

Die lokale Gesundheitsbehörde Tower Hamlets Primary Trust hat ein Pilotprojekt im Gesundheitsbereich entwickelt, das auf religiöse Unterstützung setzt, um bei dieser Hochrisikogruppe das Diabetes-Management zu verbessern. Das Pilotprojekt wurde in Partnerschaft mit dem Maslaha Project gestartet, einer neuen Organisation, die Muslimen bei der Alltagsbewältigung und der Integration in westlichen Gesellschaften helfen will. Das Wort maslaha stammt aus dem Arabischen und bedeutet „für das Gemeinwohl“. Das Projekt stützt sich auf eine interaktive Website, auf der unter dem übergeordneten Motto „Maslaha: Unterstützung für Muslime bei der Bewältigung von Alltagsproblemen“ die Frage gestellt wird: „Was ist Diabetes?“

Zusätzlich zu der Website hat die Organisation Filme auf Sylheti und Englisch produziert, die aus religiöser und medizinischer Sicht Ratschläge zum Umgang mit Diabetes geben.

Zusätzlich zu klaren Erläuterungen dazu, was Diabetes ist und wie man ihn erkennt, bietet die Website Informationen über nach Geschlechtern getrennte Übungskurse und Diabetes-Praxen in dem Bezirk. Es gibt auch einen Bereich mit Kochrezepten, in dem Abwandlungen traditioneller Gerichte wie gewürztes Lamm mit Fladenbrot, Curry-Huhn sowie würzige Kichererbsen mit Spinat und Kartoffeln beschrieben werden, die den besonderen Ernährungsnotwendigkeiten von Personen mit Diabetes Rechnung tragen.

Das Projekt geht auch konkret auf Themen ein, die von der traditionellen Medizin in der Vergangenheit möglicherweise übersehen wurden, Mitglieder der muslimischen Gemeinschaften jedoch davon abgehalten haben, aktive Maßnahmen zum Diabetes-Management zu ergreifen. Beispielsweise geben auf der Website Islamgelehrte Auskunft zu der Frage, ob beim Schwimmunterricht für Frauen aus der Gemeinschaft muslimische Bademeisterinnen anwesend sein müssen, sowie konkrete Ratschläge zum Diabetes-Management im Fastenmonat Ramadan.

Man hofft, dass der Gesundheitsableger des Maslaha-Projekts auch dazu beitragen wird, bei Gesundheitskräften mehr Verständnis dafür zu wecken, wie sich der Islam auf alle Aspekte des Lebens muslimischer Patienten auswirken kann und wie sie dieses Wissen nutzen können, um das Vertrauen ihrer örtlichen muslimischen Gemeinschaft zu gewinnen.

In Partnerschaft mit der lokalen Gesundheitsbehörde hat Maslaha medizinische und islamische Informationen über eine gesündere Lebensführung für Diabetes-Patienten zusammengestellt. Maslaha ist eine neue Organisation, die von der Young Foundation gegründet wurde. Sie baut auf dem Erfolg des Pilotprojekts zu Diabetes in Tower Hamlets auf. Derzeit wird in Zusammenarbeit mit anderen Praktikern aus dem öffentlichen Dienst in den Bereichen Bildung, Jugendarbeit und Adoption eine große neue Maslaha-Website entwickelt.

Ausgewählte Bibliotheksressourcen zu dieser guten Integrationsidee finden Sie im Kasten auf der rechten Seite.

This Good Idea was identified by the Open Society Foundations’ At Home in Europe project as a good practice promoting inclusion, social cohesion and nondiscrimination. For more on this practice and the At Home in Europe project, read Living Together: Projects Promoting Inclusion in 11 EU Cities (OSF, 2011)

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Der Zugang zu Gesundheitsleistungen kann komplex sein. Sprachbarrieren können größere Probleme wie Analphabetentum bei Erwachsenen oder im Zusammenhang mit dem Bedürfnis nach dem Schutz der Intimsphäre überdecken. Erproben Sie alternative Kommunikationskanäle wie Video, um Sprach- und Bildungsbarrieren zu überwinden.
  • Berücksichtigen Sie bei der Planung einer Kampagne im öffentlichen Gesundheitswesen oder in einem anderen Bereich des öffentlichen Dienstes die besonderen Bedürfnisse Ihrer Zielgruppe und überlegen Sie, wie diesen Bedürfnissen durch Konsultationen mit Gemeinschaftssprechern Rechnung getragen werden kann.
  • Moderne Technologie kann bestimmten Migranten einen eigenständigen und sicheren Ort bieten, wo sie sich über benötigte Dienstleistungen informieren können.
  • Finden Sie heraus, welche religiösen oder kulturellen Organisationen in Ihrer Gemeinschaft Ihnen helfen können, kulturell angemessene Informationsressourcen zu entwickeln, um die Akzeptanz bei Ihrer Zielgruppe zu erhöhen.

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