Leben

Valongo , Portugal

Niemand sollte nur nach seinem äußeren Erscheinungsbild beurteilt werden

Stadtrat von Valongo, Behörde für kommunales Zusammenleben

May 31, 2012

Eine lebendige Bibliothek nutzt Lebensgeschichten, um junge Menschen zu gewinnen und Vorurteile und Klischees über Vielfalt abzubauen

valongoManchmal ist ein einfaches Gespräch die beste Möglichkeit, Barrieren zu überwinden und Stereotype zu bekämpfen. Durch das einzigartige Projekt einer mobilen Bibliothek, die sich das „menschliche Buch“ nennt, haben Schüler in Valongo in Portugal die Gelegenheit, die Lebensgeschichten anderer Menschen in ihren Gemeinden kennenzulernen und sich darüber auszutauschen. Die Lebendige Bibliothek (Biblioteca Humana) wird für Besuche an Schulen eingesetzt und ermöglicht den Schülern, aus erster Hand etwas über die Erfahrungen von Personen unterschiedlicher Herkunft (den „Büchern“) zu lernen, die in ihrem Alltagsleben mit Vorurteilen konfrontiert sind.

Die Lebendige Bibliothek ist eines von mehreren Programmen im Rahmen des Projekts zu unterschiedlichen Wertvorstellungen, die die Stadtverwaltung durchführt. Dabei handelt es sich um eine großangelegte Initiative der Stadt, eine für Vielfalt offenere Kultur in Valongo zu schaffen.

Valongo ist eine kleine Stadt mit 100.000 Einwohnern im Nordwesten Portugals. Wie in vielen größeren städtischen Zentren erkannten die Stadtverantwortlichen ebenfalls die Notwendigkeit, sich mit der wachsenden Vielfalt in der Stadt auseinanderzusetzen. Das übergreifende Projekt zu unterschiedlichen Wertvorstellungen wurde von einer städtischen Behörde für innovative soziale Dienstleistungen entwickelt, die Menschenrechte, Gleichheit und eine aktive, inklusive Bürgerschaft fördert. Die Projektaktivitäten werden über die kommunale Ansiedlungsbehörde, das Unterstützungszentrum der Stadt für die Integration von Zuwanderern angeboten.

Niemand sollte nur nach seinem äußeren Erscheinungsbild beurteilt werden

Das Programm „Lebendige Bibliothek“ richtet sich an Teenager im Alter von 14 bis 18 Jahren und wird in Zusammenarbeit mit Schulen vor Ort durchgeführt, an denen die Lehrer ihre Schüler auf eine lebhafte Diskussion mit den Gäste-„Büchern“ vorbereiten. Die Bibliothek ist spielerisch nach dem Modell einer ganz normalen Schulbibliothek gestaltet. Die jeweilige Klasse besucht die Bibliothek und leiht ein „Buch“ für einen begrenzten Zeitraum aus. Natürlich sind die Bücher in Wirklichkeit richtige Menschen, die wirkliche Geschichten erzählen. Es dauert daher nicht lange, bis das lebendige Buch und die jugendlichen „Leser“ miteinander ins Gespräch kommen. Die Bücher in der Lebendigen Bibliothek sind Freiwillige, die aus verschiedenen Gruppen der Gemeinschaft kommen, beispielsweise Zuwanderer, die oft Opfer von Diskriminierung und sozialer Ausgrenzung sind. Die „Leser“ werden in kleine Gruppen aufgeteilt, die auf die Lebensgeschichten reagieren und über ihre eigenen Vorurteile und Stereotype sprechen. Das Ziel ist, Stereotype nach dem Motto „Niemand sollte nur nach seinem äußeren Erscheinungsbild beurteilt werden“ unter die Lupe zu nehmen.

Für den Erfolg der Lebendigen Bibliothek ist es sehr wichtig zu gewährleisten, dass die Schüler sich sicher fühlen, auch heikle Fragen zu stellen. Vor dem Treffen diskutieren die Klassenlehrer mit den Schülern über die Ziele des Projekts, und sie bereiten gemeinsam Fragen vor, damit bei den Teenagern während des Besuchs keine Blockaden auftreten. Die „Leser“ werden in vier Gruppen aufgeteilt und verbringen jeweils 20 Minuten mit jedem der vier lebendigen Bücher und einem Bibliothekar, der als Moderator fungiert. Beispiele für die analysierten Klischees sind: ethnische Herkunft, Religion, sexuelle Orientierung und Behinderungen. Am Schluss wird das Treffen ausgewertet, und die Lehrer nutzen die gemachten Erfahrungen im Unterricht.

Erfolg

Das Programm Lebendige Bibliothek im Rahmen des Projekts zu unterschiedlichen Wertvorstellungen hat für seine Bemühungen zur Bekämpfung von Diskriminierung durch Überwindung von Klischees und Förderung des interkulturellen Miteinanders viel Anerkennung erhalten. Was als Projekt von drei Schulen mit 150 Schülern begann, ist nun zu einem Projekt geworden, an dem sechs Schulen, 450 Schüler und fünf Freiwillige mit Migrationshintergrund teilnehmen. Das ist für eine so kleine Stadt, die noch nicht lange Ziel von Zuwanderern ist, eine beeindruckende Bilanz. Die Lebendige Bibliothek ist der staatlichen Behörde für Zuwanderung und interkulturellen Dialog als nachahmenswertes Beispiel anerkannt worden und wird in Kooperation mit Organisationen, die mit Zuwanderern arbeiten, wie Pontos nos Is und Amizade de Leste überall in Portugal repliziert.

Auch das Projekt zu unterschiedlichen Wertvorstellungen hat einen nationalen Preis für nachahmenswerte unabhängige Praxis bei der Integration von Zuwanderern bekommen. Das Projekt wurde nicht nur für die Lebendige Bibliothek ausgezeichnet, sondern unter anderem auch für eine dreitägige interkulturelle Messe, eine Ansprechstelle für arbeitssuchende Zuwanderer, eine Stellenvermittlungsbörse und eine Geschäftsmesse.

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Eine wirksame Programmgestaltung muss an die speziellen Bedürfnisse und Interessen der Zielbevölkerung angepasst werden
  • Ein authentischer Ansatz, bei dem Lebensgeschichten aus den Stadtteilen vor Ort genutzt werden, kann wirkungsvoller sein als eine große Kampagne.
  • Bei der Arbeit mit Jugendlichen oder schutzbedürftigen Bevölkerungsgruppen ist es wichtig, eine geschützte Atmosphäre für den Dialog zu schaffen.

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Kontakt:

Dr. Eunice Neves , City Councillor for Equality, Câmara Municipal de Valongo
Avª. 5 de Outubro
160 4440-503 Valongo, Portugal,
eneves @ cm-valongo.pt
http://www.cm-valongo.pt/



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