Lernen

Berlin, Deutschland

Puppen und Vielfalt: mit Empathie Vorurteile bekämpfen

Kinderwelten – Anti-Bias Education

March 24, 2011

Kleinen Kindern beibringen, Empathie zu entwickeln, um Rassismus und Diskriminierung zu verhindern

KinderdollRassismus ist ein erlerntes Verhalten und wird oft bereits erlernt, wenn Kinder sehr klein sind. Kinder bemerken rasch die Reaktionen von Erwachsenen auf Menschen in der Welt um sie herum, die anders sind als sie selbst, unabhängig davon, ob es sich dabei um physische, soziale oder kulturelle Unterschiede handelt. Und sie ahmen diese Reaktionen bereitwillig nach.

Kleinkindpädagogen in Berlin haben einen innovativen Ansatz zur kulturellen Erziehung von Kindern ab zwei Jahren für Lehrer und Erzieherinnen entwickelt. Das Kinderwelten-Programm nutzt Geschichtenerzählen und Rollenspiel, um selbst jüngsten Kindern zu helfen, sich positiv auf die ethnische und rassische Vielfalt einzustellen, die zunehmend ein Merkmal ihrer Lebenswelt ist.

Das Kinderwelten-Programm bietet Erzieherinnen eine breite Auswahl an großen freundlichen Personenpuppen, so genannten „Persona Dolls”. Jede Puppe hat eine eigene Persönlichkeit und Eigenschaften, die sie in irgendeiner Weise von der Gesamtgruppe unterscheiden. Jede Puppe besitzt eine eigene Lebensgeschichte, die eine Familiengeschichte, Namen von Geschwistern und Eltern sowie eine Reihe von Vorfällen umfasst, bei denen sie unfair behandelt wurde oder man sich wegen ihrer Unterschiede über sie lustig gemacht oder sie ausgeschlossen hat. Diese Puppen kommen „zu Besuch” in die Kindergruppe, um den Kleinsten ihre Geschichten zu erzählen. Speziell geschulte Erzieherinnen nutzen die Puppen als Mittel, um eine Diskussion über Anderssein sowie die Gefühle und Reaktionen der Kinder auszulösen, vor allem jedoch, um Empathie für das zu erwecken, was die Puppen als Resultat ihrer unfairen Behandlung vielleicht durchgemacht haben.

Der empathiebasierte Ansatz des Kinderwelten-Programms macht es einzigartig. Indem das Programm bewusst versucht, bei kleinen Kindern diese Kompetenz zu fördern und sie sie zu lehren, will es die Ausrichtung auf kurzfristige Ziele vermeiden, die anderen traditionelleren interkulturellen Erziehungsinitiativen zu eigen ist. Wenngleich beispielsweise Programme in Verbindung mit einer „Afrikawoche” oder „Asienwoche” Kindern neue Kulturen oder Traditionen nahe bringen können, helfen sie ihnen kaum, die Alltagserfahrungen von Menschen aus diesen Kulturen zu verstehen, die jetzt vielleicht in ihren Gemeinschaften leben, oder sich damit zu identifizieren.

Erfolg

Das Kinderwelten-Programm verwendet einen vorurteilsbewussten oder Anti-Bias-Ansatz, der ursprünglich in Kalifornien entwickelt wurde und von der Internationalen Akademie für Innovative Pädagogik, Psychologie und Ökonomie an der Freien Universität in Berlin für deutsche Bildungseinrichtungen angepasst wurde. Das Programm erwies sich als besonders beliebt bei Erzieherinnen, die nach Möglichkeiten suchten, Gruppen Vielfalt als Wert zu vermitteln, dies jedoch in einer Art und Weise, die für Kinder sinnvoll ist und Bezug zu ihrer Lebenswelt hat.

Das Programm wurde im Jahr 2000 in Berlin als Pilotprojekt in vier Kinderbetreuungseinrichtungen mit einem hohen Anteil an Kindern aus Zuwandererfamilien eingeführt und bald darauf ausgeweitet. 2004 war das Kinderwelten-Programm Preisträger des transatlantischen Ideenwettbewerbs USable der Körber-Stiftung. 2005 wurde das „Kinderwelten“-Konzept von anderen Städten in Deutschland übernommen: In Hannover, Jena und Stuttgart wurden je 12 neue Pilotprogramme aufgenommen. Die Persona-Doll-Methode ist mittlerweile international anerkannt; beispielsweise werden entsprechende Programme in Großbritannien und Südafrika durchgeführt.

Im November 2007 wurde das formelle Projekt mit einer Reihe von Tagungen aller regionalen Partner abgeschlossen, und 2008 wurde eine DVD produziert, auf der die Erfahrungen mit Persona Dolls in Erziehungseinrichtungen in ganz Deutschland beschrieben werden. Derzeit wird das Berliner Kinderwelten-Projekt mit Mitteln des deutschen Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie der Bernard van Leer Foundation in Den Haag gefördert. In der aktuellen Projektphase (2007 – 2010) arbeitet Kinderwelten mit Kindertagesstätten sowie Grund- und Sonderschulen zusammen, um vorurteilsbewusste Erziehung einschließlich Schulungen für den Einsatz von Persona Dolls in Nachmittagsprogrammen anzubieten.

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Der Erfolg des Kinderwelten-Programms bestand darin, dass es sich darauf konzentrierte, was Kindern gemeinsam ist, statt auf die Unterschiede zwischen ihnen abzuheben.
  • Der Persona-Doll-Ansatz beginnt beim Individuum und seiner angeborenen Fähigkeit, Empathie für andere zu empfinden.
  • Bei diesem grundlegenden Antibullying-Ansatz geht es um den Wert von Toleranz und Respekt anderen gegenüber im Zusammenhang mit allen möglichen Aspekten von Vielfalt.
  • Kinderwelten ist eine Idee, die sich von Kalifornien nach Deutschland und England sowie darüber hinaus verbreitet hat, wo sie leicht an den Bedarf vor Ort angepasst werden konnte.

Maytree