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Chicago, Vereinigte Staaten

Erfolgsorientierte Partnerschaften: in Kommunalverwaltungen investieren

Chicago Community Trust

October 13, 2011

Unterstützung von Partnerschaften zwischen Kommunalverwaltungen und gemeinnützigen Stiftungen zugunsten nachhaltiger Kommunalentwicklung

Bibliothek im Chicagoer Vorort Mount Prospect

Es wird im Allgemeinen davon ausgegangen, dass es mit dem Leitbild einer Stiftung in Einklang steht, wenn sie gemeinnützige Organisationen finanziert – von Anbietern von Dienstleistungen für die Bürger bis zu Denkfabriken und Gruppen, die grundsatzpolitische Überzeugungsarbeit leisten.

Bis vor kurzem galten Kommunalverwaltungen oder Gebietskörperschaften jedoch eher selten als mögliche Empfänger von Unterstützung durch Stiftungen und andere Organisationen, die Fördermittel zur Verfügung stellen.

Genau an diesem Punkt beschreitet der Chicago Community Trust neue Wege.

Nachdem der Trust beschlossen hatte, dass eine Partnerschaft mit der Stadtverwaltung ein effektiver Weg wäre, seine Agenda voranzutreiben, vergab er als Teil seiner jüngst verabschiedeten Strategie zur Unterstützung von Initiativen zur Integration von Einwanderern eine Reihe von Direktzuwendungen an Verwaltungen von Chicagoer Stadtteilen.

Die Chicagoer Vororte Berwyn, Mount Prospect, Schaumburg und Skokie haben zwei Merkmale gemeinsam: Sie haben eigene Bezirksverwaltungen und verzeichnen rasch steigende Anteile von Einwanderern an der Einwohnerschaft. Laut den Ergebnissen der Volkszählung im Jahr 2000 wurden 25 Prozent der Einwohner in Berwyn und Mount Prospect im Ausland geboren. In Schaumburg beträgt der Anteil sogar fast 40 Prozent.

Der Chicago Community Trust startete eine auf drei Jahre angelegte Initiative zur Integration von Einwanderern und stellte dafür 1,5 Millionen US-Dollar zur Verfügung. Sie soll den neuen und den veränderten Bedarf decken, der durch diese demografischen Verschiebungen in den Kommunen entstanden ist. Das innovative Finanzierungsmodell umfasste auch Hilfe bei der Verbesserung der „Führungskompetenz der Kommunalverwaltung“ in Bezug auf die Integration von Einwanderern.

Es war nicht das erste Mal in der 94-jährigen Geschichte des Chicago Community Trust, dass die Stiftung unmittelbar Kommunalverwaltungen unterstützte, um ihre Ziele zu verfolgen: 1919 startete sie angesichts eine früheren Einwanderungswelle aus Europa eine Reihe von Initiativen mit der Kommunalverwaltung, die auf die Integration der damals neuesten Amerikaner in der Stadt ausgerichtet waren.

Erfolgsorientierte Partnerschaften

Aus den Erfahrungen, die der Chicago Community Trust mit Zuwendungen an Kommunalverwaltungen gemacht hat, leitet er die Erkenntnis ab, dass dies insbesondere in einer Rezession ein wirksamer Weg sein kann, um Ergebnisse zu erzielen: „Eine Verwaltungsbehörde kann mit einer Beihilfe in einer ganzen Kommune positive Auswirkungen herbeiführen“, erläuterte Clare O’Shea, Leitende Stadtplanerin in Mount Prospect.

Kommunalverwaltungen verfügen in einem Maß über Infrastruktur und langen Atem sowie Reichweite und Autorität, an das nicht gewinnorientierte Organisationen nur selten heranreichen können. Eine Zuwendung an eine Kommunalverwaltung ermöglicht nicht nur die Erbringung von Dienstleistungen, sondern birgt auch das Potenzial, breite Unterstützung der Bürger für höhere Investitionen und größere Wirkung zu mobilisieren. Lokale Infrastruktur und bestehende Programme, die die Stiftungsfinanzierung unterstützen können, vergrößern den Aktionsradius beträchtlich.

Der Chicago Community Trust vergab an die Verwaltung von Mount Prospect 50.000 US-Dollar zur Durchführung einer Machbarkeitsstudie in Bezug auf die Entwicklung eines kommunalen Ressourcenzentrums für Einwanderer. Diese Studie konnte die Verwaltung überzeugen, dass sie das Projekt weiterverfolgen sollte, und trug dazu bei, dass sich Unternehmen wie Wal-Mart und Gemeinschaftsgruppen wie der Kiwanis Services Club mit 600.000 US-Dollar an den Kosten beteiligten.

 

Mitarbeiter des Community Connections Center

Die Verwaltung von Mount Prospect bemühte sich auch um die Unterstützung und die Beteiligung anderer Dienstleistungsanbieter in der Kommune. Das Ergebnis? Ein 225 Quadratmeter großes „Community Connections Centre“, eines kommunalen Kontakzentrums, in dem Bürger sich in Finanz- und Arbeitsangelegenheiten beraten sowie die Hilfe der Polizei in Anspruch nehmen können. Das Zentrum wird partnerschaftlich von der Kommune sowie der öffentlichen Bibliothek, den Verwaltungen von zwei Schulbezirken und dem regionalen Krankenhaus betrieben.

Ngoan Le, für Programme zuständiger stellvertretender Vorsitzender des Chicago Community Trust und treibende Kraft hinter dieser Initiative, erläuterte: „Wenn wir es mit einer Zuwendung von 50.000 US-Dollar erreichen, dass sich die gesamte Kommunalverwaltung einschließlich ihrer Abteilungen für Wohnungswesen und für personenbezogene Dienstleistungen et cetera für Einwanderer einsetzt, halten wir das für eine recht gute Investition.“

Einfluss, um Veränderungen auszulösen

Der Chicago Community Trust stellte fest, dass kommunale Partner auch über die Kapazität und die Reichweite verfügten, um Einfluss auf Akteure jenseits des ursprünglich finanzierten Projekts zu nehmen. Die verwaltungs- und sektorübergreifende Zusammenarbeit schafft natürliche Gelegenheiten für die Verbreitung von Ideen.

„Unsere Zuwendungen beeinflussen nicht nur die Kommunalverwaltung, die die Mittel erhält, sondern auch andere Verwaltungen in unserer Region“, erläuterte Le. Beispielsweise organisierte die Verwaltung des Chicagoer Vororts Skokie im Juni 2009 ein regionales Symposium über die Integration von Einwanderern, bei dem sich Offizielle aus einer Reihe benachbarter Kommunen über die durch die Zuwendung finanzierten Programme informieren konnten.

Ähnlich wie Beteiligungskapital im Privatsektor können Zuwendungen an Kommunalverwaltungen auch Startkapital für innovative und stärker experimentelle Ideen sein, die anderenfalls möglicherweise nicht erprobt würden. Wenn solche Programme erfolgreich sind, können sie anschließend im größeren Maßstab durchgeführt werden.

„Es gibt vieles, was man vielleicht gerne tun würde, wofür aber die Mittel fehlen“, sagte Jennifer Maltas von der Kommunalverwaltung von Schaumburg.

In Schaumburg ist der Anteil der Einwanderer aus Südostasien ständig gestiegen, und bei der Volkszählung im Jahr 2007 wurde geschätzt, dass einer von sechs Einwohnern südostasiatischer Herkunft ist. Viele Neuankömmlinge sind bereits in den Gelben Seiten zu finden, sind aber im Bürgerschafts- und Gemeinschaftsleben der Stadt noch unterrepräsentiert. Mit den Mitteln vom Chicago Community Trust schuf die Kommunalverwaltung die Grundlagen für die Bildung einer Beratungsgruppe aus Personen und Geschäftsleuten aus der südostasiatischen Gemeinschaft. Sie bewog Einwohner aus Südostasien, sich in den Beirat der örtlichen Stiftung für Gesundheit und Kunst wählen zu lassen, und finanzierte Gemeinschaftsveranstaltungen, bei denen die südostasiatische Gemeinschaft gewürdigt wurde. Zwei Jahre nach Vergabe der Mittel hat die Verwaltung die Beteiligung der Südostasiaten am öffentlichen Leben der Stadt von der Mitgliedschaft in der örtlichen Wirtschaftsvereinigung bis zur Übernahme von Sitzen in kommunalen Gremien steigern können.

„Ohne die Mittel vom Chicago Community Trust hätte sich keine der Kommunen in der Region an das gewagt, was wir unternommen haben, und keine hätte erreicht, was wir erreicht haben“, fasste Maltas zusammen.

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Die Zusammenarbeit mit öffentlichen Stellen kann viele Formen annehmen. Erforschen Sie potenzielle Partnerschaften oder Kooperationen, indem Sie Amtsträger aus der örtlichen Verwaltung zu Sitzungen, Beratungs- oder Lenkungsausschüssen und Veranstaltungen einladen.
  • Mittelzuwendungen an öffentliche Stellen erfordern keine Überarbeitung interner Verfahren; der Chicago Community Trust behandelt Kommunalverwaltungen wie normale Empfänger von Fördermitteln.
  • Mit öffentlichen Stellen zusammenzuarbeiten, erfordert Verständnis für Verwaltungsprozesse und Bürokratie. Es ist nützlich, jemanden in der eigenen Organisation zu haben, der in der Verwaltung gearbeitet hat oder damit vertraut ist.
  • Bedenken Sie, dass Ihr Status als gemeinnützige Organisation mit Beschränkungen Ihrer Möglichkeiten verbunden sein kann, öffentliche Stellen zu unterstützen und in Beziehungen zu ihnen einzutreten.
  • Seien Sie darauf vorbereitet, dass die Unterstützung Ihrer Organisation für eine Kommunalverwaltung ein politisches Problem werden kann.

Maytree