Arbeiten

Wien, Österreich

Existenzgründerberatung in der Muttersprache

Wirtschaftsagentur Wien

May 4, 2012

Eine zentrale Anlaufstelle für Unternehmer mit Migrationshintergrund bietet Wirtschaftsberatung in vielen Sprachen.

Immer mehr Kommunalverwaltungen erkennen die Bedeutung von Unternehmern mit Migrationshintergrund für die wirtschaftliche Dynamik ihrer Städte. Solche Unternehmer gründen nicht nur Geschäfte, die den Bedarf ihrer eigenen Gemeinschaften decken, sondern bieten auch Waren und Dienstleistungen für die allgemeine Bevölkerung an.

Seit 2007 hat die Stadt Wien Anstregungen unternommen, der Bedeutung dieser Gruppe besser Rechnung zu tragen und innerhalb ihrer Existenzgründeragentur Mingo (steht für „move in and grow“) eine Abteilung eingerichtet, die den besonderen Bedarf von Unternehmern mit Migrationshintergrund decken soll.

Mehr als 30 Prozent der Unternehmer in Wien haben einen Migrationshintergrund. Dies entspricht etwa 16.000 Unternehmen. Wien hat 1,7 Millionen Einwohner, von denen fast 30 Prozent im Ausland geboren wurden und 44 Prozent einen Migrationshintergrund haben.

„Reden wir übers Geschäft, am besten in Ihrer Muttersprache“

Die Entscheidung zur Einrichtung einer Abteilung ausschließlich für Unternehmer mit Migrationshintergrund war das Ergebnis einer Untersuchung im Jahr 2007, die ergab, dass die übliche Gründerberatung bei dieser Gruppe gewöhnlich nicht erfolgreich war. Obwohl Mingo für Gründer, Jungunternehmer, neue Selbstständige und andere Dienstleistungen wie Coaching, Seminare und sogar Büroraum anbot, hatte die Agentur Schwierigkeiten, Personen mit Migrationshintergrund zu erreichen.

Broschüren und Anzeigen, die über die Dienstleistungen der Stadt für Unternehmer informierten, kamen bei den von Migranten betriebenen Unternehmen nicht an, weil sie auf Deutsch verfasst waren.

Um diesem Problem zu begegnen, erweiterte die Wirtschaftsagentur Wien 2008 das Spektrum der von Mingo erbrachten Dienstleistungen um das Projekt Mingo Migrant Enterprises (MME). Dafür wurde die Zielvorgabe formuliert, innerhalb von drei Jahren mindestens 300 Unternehmer mit Migrationshintergrund zu unterstützen, um ihr wirtschaftliches Potenzial zu steigern.

„Im Fall dieser Zielgruppe geht es gewöhnlich darum, die Hemmungen der Betreffenden in Bezug auf die Annahme von Hilfe zu überwinden“, sagte Dr. Gabriele Tatzberger, die Abteilungsleiterin bei Mingo ist. „Häufig kennen sie die Fördermöglichkeiten nicht, was genau der Grund dafür ist, dass wir Sonderprogramme für Selbstständige mit Migrationshintergrund anbieten.“

Um Barrieren abzubauen, ergriff MME die ungewöhnliche Maßnahme, seine Dienstleistungen nicht nur auf Deutsch, sondern in einer Reihe anderer Sprachen anzubieten, die von Migranten in Wien gesprochen werden.

Das Projektmotto lautet: „Reden wir übers Geschäft, am besten in Ihrer Muttersprache.“

Der Schritt war besonders klug, weil die Wirtschaftsagentur Wien die Stadt mit dem Leitspruch „Wiens Wirtschaft spricht alle Sprachen“ bereits als internationales Wirtschaftszentrum bewarb.

Die Leistungen, die MME für Unternehmer mit Migrationshintergrund erbringt, ähneln denjenigen, die Mingo selbst anbietet – beispielsweise Coaching zu Themen wie Finanzierung und der Entwicklung von Geschäftsplänen. Sie gehen jedoch darüber hinaus und umfassen auch interkulturelle Klassen, um Zuwanderern zu helfen, die wienerische Wirtschaftskultur zu verstehen, Vernetzungsveranstaltungen und persönliche Beratung für Unternehmer in einer Reihe von Sprachen wie Türkisch, Englisch und Russisch.

2001 erweiterte MME seine Dienstleistungen um kostenlose zweisprachige eintägige Seminare, in denen sich der Sprecher sowohl auf Deutsch als auch in einer anderen Sprache (Englisch, Polnisch, Türkisch, Bosnisch, Kroatisch, Serbisch) an die Teilnehmer wendet. Während die Unterrichtssprache Deutsch ist, werden Fachbegriffe in der jeweiligen Muttersprache erklärt. Die Teilnehmer können Fragen in beiden Sprachen stellen, und die Seminarleiter antworten ebenfalls in einer der beiden Sprachen. Zusätzlich zu diesen Seminaren kooperiert MME mit dem Erwachsenenbildungszentrum VHS Landstraße und der Academy for the Promotion of Adult Education among Immigrants bei der Durchführung weiterer Seminare in englischer Sprache, in denen Themen wie Projektmanagement, Finanzen und Buchführung sowie strategisches Management behandelt werden.

Erfolg

Eigentlich sollte das gesamte Mingo-Projekt nur bis 2010 laufen, aber sein Erfolg hat dazu geführt, dass es fortgesetzt wird und sogar noch wächst. Bei der letzten Zählung hatten fast 550 Unternehmer MME kontaktiert, um weiterführende Informationen oder Unterstützung zu erhalten. Etwa 150 Personen nahmen an einem kostenlosen Coaching für Unternehmensgründer teil, und 35 Unternehmer mit Migrationshintergrund nahmen an einem kostenlosen Coaching in Finanzfragen teil. Innerhalb verschiedener Migrantengemeinschaften einschließlich der türkischen, polnischen, bulgarischen, amerikanischen und der chinesischen Gemeinschaft sowie anderer Gruppen vom Balkan und aus Osteuropa fanden Vernetzungsveranstaltungen statt.

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Analysieren Sie, was funktioniert und was nicht, damit Sie ihr Zielpublikum erreichen.
  • Sprache ist wichtig. Bieten Sie Dienstleistungen, die sich an die allgemeine Bevölkerung richten, ausgewählten Zuwanderergruppen in deren Muttersprache an.
  • Bieten Sie Kurse an, in denen für Ihren Standort spezifische wirtschaftliche, steuerliche und regulatorische Merkmale erläutert werden, die für Neuankömmlinge schwer zu verstehen sind.

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