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Badalona, Spanien

Falsche Vorstellungen mit Fakten bekämpfen: die Anti-Verleumdungs-Kampagne des Stadtrats von Barcelona

Stadtrat von Barcelona

March 23, 2012

Der Stadtrat setzt Anti-Verleumdungs-Bevollmächtigte ein, um falsche Behauptungen zu zerstreuen und Diskriminierung mit Fakten und Humor entgegenzuwirken.

Es sind bekannte Latrinenparolen.

„Ausländer überschwemmen die Stadt…“

„Ausländer erhalten mehr finanzielle Unterstützung, um Geschäfte zu eröffnen…“

„Ausländer überlasten unsere Gesundheitsdienste…“

„Ausländer wollen sich nicht integrieren oder unsere Sprache lernen…“

Wie immer sie gerade formuliert werden oder gegen welche Gruppe sie sich richten, Falschinformationen können für die Betroffenen üble Folgen haben und Botschaften vermitteln, die schwer wieder aus der Welt zu schaffen sind.

Im November 2010 stellte der Stadtrat von Barcelona seine Langzeitstrategie für die Verbesserung der Koexistenz zwischen Einheimischen und neu Zugewanderten vor. Sie umfasste auch eine intelligente Kampagne des öffentlichen Dienstes mit dem Ziel, Verdächtigungen, falsche Vorstellungen und Vorurteile zu widerlegen, die viele Alteingesessene in Bezug auf Minderheiten und Zuwanderer hegen.

Auf welche Mittel setzte die Stadt? Unter anderem rekrutierte und schulte sie Anti-Verleumdungs-Bevollmächtigte, um Behauptungen zu zerstreuen sowie die Kampagne in lokale Organisationen und die Quartiere der Stadt zu tragen. Ihr Auftrag? Jeglicher Grundlage entbehrende Vorstellungen über Zuwanderer zu widerlegen und Diskriminierung zu bekämpfen. Wie? Durch Maßnahmen im Alltag.

Die Kampagnenstrategie: persönliche Vermittlung der Botschaft

Vorurteile und Unterstellungen zu entlarven, die oft das unabsichtliche Ergebnis von Falschinformationen sind, ist das Hauptziel der Kampagne. Weil für die Veränderung von Überzeugungen persönlicher Kontakt eine wichtige Rolle spielt, kamen die Organisatoren der Kampagne zu dem Schluss, dass eine wichtige Strategie zur Bekämpfung von Diskriminierung darin bestehen würde, der Botschaft ein Gesicht zu geben und sie persönlich zu überbringen.

Auf der Grundlage eines ähnlichen Projekts, das 2003 vom Regionalrat des nahe gelegenen Vallès durchgeführt worden war, wurden in der ersten Projektphase die wichtigsten Stereotypen und Vorurteile ermittelt, die in Barcelona zirkulierten. Diese verteilten sich unter anderem auf fünf Themen:

  • dass zu viele Migranten zuwandern,
  • dass sie die Sozial- und Gesundheitsdienste missbrauchen,
  • dass sie sich der Steuererklärungs- und Steuerzahlungspflicht entziehen,
  • dass sie sich in der Öffentlichkeit antisozial verhalten und
  • dass sie Einheimischen die Arbeitsplätze wegnehmen.

Dann gaben sie den Anti-Verleumdungs-Bevollmächtigten genaue Informationen über Migranten und Techniken zur Bekämpfung falscher Vorstellungen mit geschickten situationsadäquaten Handlungsweisen am Arbeitsplatz, zu Hause oder auf der Straße an die Hand. Wenn sich beispielsweise jemand darüber beschwerte, dass „subventionierte Wohnungen vorwiegend an Ausländer vergeben“ würden, konnte der Anti-Verleumdungs-Bevollmächtige rasch kontern: „Heute erhält nur einer von 20 Zuwanderern eine solche Leistung.“

Gemeinschaftsnetzwerk

Der Erkenntnis Rechnung tragend, dass das größte Problem nicht in der Formulierung der Botschaft bestand, sondern darin, sie hinaus auf die Straßen Barcelonas zu bringen, stützte sich der Stadtrat für seine Kampagne auf ein Netzwerk von 80 lokalen Organisationen, die in den Bereichen sozialer Zusammenhalt und Koexistenz tätig waren. Die Mitglieder des Anti-Verleumdungs-Netzwerks sind über eine spezielle Website miteinander verbunden, die Informationen, kostenlose Schulungen und Online-Orientierungshilfen zu wichtigen Problemen bietet. Nach ihrer Schulung können die Anti-Verleumdungs-Bevollmächtigen ihre Botschaften in ihren eigenen Netzwerken verbreiten sowie an öffentlichen Diskussionen und Debatten teilnehmen. In lokalen Bürgerzentren (casals) fanden mehr als 30 Informations- und Schulungsseminare statt, und weitere sollen folgen.

Das Anti-Verleumdungs-Netzwerk nutzt auch eine Reihe innovativer Ansätze, um seine Botschaft zu vermitteln, und einige davon sind ungewöhnlicher als andere. Zusätzlich zu einer Werbekampagne in der ganzen Stadt organisierte das Netzwerk öffentliche Debatten mit bekannten Personen des lokalen öffentlichen Lebens, unterstützte Straßentheater und produzierte pfiffige und witzige Videos für Nichtleser. Sein größter Erfolg waren jedoch die Comic-Hefte.

Blanca und Rosita

Einer der ungewöhnlicheren Ansätze, der bei der Kampagne genutzt wurde, war die Vermittlung ihrer Botschaft über eine Reihe von Comic-Heften mit dem Titel „Blanca Rosita Barcelona“. Mit Zeichnungen und Texten des bekannten spanischen Illustrators Miguel Gallardo wird darin die Geschichte von Rosita, einer in Barcelona lebenden älteren Frau aus Südspanien, und ihrer jungen peruanischen Altenpflegerin Blanca erzählt.

Jeder Band behandelt ein Thema der Kampagne im Kontext des Alltagslebens. Beispielsweise zielt die Geschichte vom Arztbesuch von Rosita und Blanca darauf ab, das Vorurteil zu widerlegen, dass Zuwanderer angeblich die Gesundheits- und Sozialdienste überlasten oder leichteren Zugang dazu haben. Sie informiert auch darüber, dass die meisten Zuwanderer junge Menschen sind, die das Gesundheitssystem seltener in Anspruch nehmen als die ältere spanische Señora. Der Comic endet mit einem Abschnitt unter der Überschrift „Wussten Sie schon?“, in dem offizielle Daten zu dem Thema zusammengestellt wurden. Die Comic-Hefte werden kostenlos in Sozialdienstzentren, Bibliotheken und Bürgerberatungsbüros (OAC) verteilt.

Wussten Sie schon?

Der Teil „Wussten Sie schon?“ der Kampagne basiert auf zentralen Botschaften auf der Website des Anti-Verleumdungs-Netzwerks des Stadtrats von Barcelona. Neu auf der Website ist eine witzige Serie von vier Videos auf der Grundlage komödiantischer Sketche, die sich über verschiedene Stereotypen wie Identitätsverlust durch eine angebliche Zuwandererschwemme lustig machen.

Erfolg

Seit dem Beginn der Anti-Verleumdungs-Kampagne und ihres Netzwerks als Teil des Interkulturalitätsplans von Barcelona (mit dem Ziel der Verbesserung der kulturellen Vielfalt innerhalb der Stadt) hat die Kampagne eine Reihe von Zwischenzielen erreicht. Mehr als 350 Personen wurden als Anti-Verleumdungs-Bevollmächtige geschult. Von der ersten Ausgabe von Rosita Blanca Barcelona wurden 10.000 Exemplare gedruckt; für die zweite wurde diese Zahl verdoppelt. Ein dritter Band (von fünf) ist unterwegs. Und ein neuer Leitfaden zur Bekämpfung von Vorurteilen und Stereotypen ist jetzt online verfügbar.

Der Stadtrat von Barcelona geht in die Vollen. Er hat nicht nur einen speziellen Fonds für interkulturellen Dialog mit einem Mittelvolumen von 200.000 Euro jährlich für kommunale Projekte zur Förderung der Ziele der Anti-Verleumdungs-Kampagne, sondern auch in einflussreiche Partnerschaften mit lokalen Medienorganisationen investiert, um Journalisten zu informieren, das Bewusstsein zu schärfen und eine negative Berichterstattung zu beschränken. Eine Arbeitsgruppe für Medienüberwachung, der Organisationen wie der Berufsverband der Journalisten (Col•legi de Periodistes de Catalunya) und das Panel für Vielfalt (Taula per la diversitat) des Katalanischen Rundfunkrats (Consell Audiovisual de Catalunya) angehören, wird regelmäßig zusammentreten, um zu erörtern, wie die Medien mit kultureller Vielfalt umgehen, sowie um sich über gute Praxis auszutauschen – und auf schlechte zu reagieren.

Von besonderer Bedeutung ist auch, dass sich das Anti-Verleumdungs-Netzwerk des Stadtrats von Barcelona als gute Idee erweist, die anderswo gern übernommen wird. Andere Stadträte in Katalonien bemühen sich, ihre eigenen Versionen einzurichten, beispielsweise in El Prat, Castelldefels, Tàrrega, Arbúcies und Mataró. Spanische Städte in Granada und im Baskenland haben Interesse bekundet, ebenso andere europäische Städte einschließlich Athen und Genf.

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Verstehen Sie das Problem. Nehmen Sie sich die Zeit, um die Schwierigkeiten zu ermitteln und zu analysieren, und Sie werden bessere Veränderungsstrategien und bessere Ergebnisse erzielen.
  • Bleiben Sie nicht einem Schubladendenken verhaftet. Gehen Sie ernsthafte Probleme mit Humor an, und nutzen Sie ungewöhnliche Formate (wie Comic-Hefte), um Ihre Botschaft zu transportieren.
  • Mit einer integrierten Programmplanung über mehrere Tätigkeitsfelder können Sie neues Publikum erreichen. Bringen Sie Ihr Anliegen durch unterschiedliche Formate und Kanäle herüber, beispielsweise Theater (Kunst), Video und soziale Medien (Jugendliche) oder öffentliche Debatten (Kommunalverwaltung und Medien).
  • Sorgen Sie für Vertrauen, Transparenz und dafür, dass andere Ihren Erfolg wiederholen können, indem Sie Ihre Erkenntnisse, Ihre Schulungsleitfäden, Ihre guten Praktiken und Ihre Erfolgsrezepte an alle weitergeben.

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Kontakt:

Ramon Sanahuja, Director of Immigration and Interculturality, City of Barcelona
Passeig de Sant Joan 75
Barcelona, Spain,
+34 93 256 46 20
rsanahuja@bcn.cat
http://bcnantirumors.cat/

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