Arbeiten

Stockholm, Schweden

Förderung des Unternehmertums von Zuwanderern in Schweden

IFS

February 7, 2016

Partnerschaften knüpfen, damit Unternehmer mit Migrationshintergrund Zugang zu Ausbildung, Geschäftsberatung und Erfolgschancen erhalten

Maroun 200x300Unternehmer mit Migrationshintergrund sind häufig ein Schlüssel zu internationalen Märkten. Kenntnisse in Bezug auf die Geschäftskultur und die Sprache sowie Netzwerke in anderen Ländern beseitigen viele Exporthindernisse. „Auf einer Reise nach Kurdistan habe ich persönlich erlebt, wie positiv sich die Kombination von schwedischen und irakischen Auftragnehmern auswirken kann“, sagte Maroun Aoun, Geschäftsführer von IFS, der Schwedischen Vereinigung ethnischer Unternehmer.

Netzwerke von Zuwanderern in ihren Herkunftsländern zu nutzen, um den Export anzukurbeln, ist ein Mittel, das die IFS einsetzt, um Kontakte zwischen Unternehmen von Migranten und einheimischen Unternehmen und Organisationen in Schweden zu knüpfen. Die Stärke transnationaler Netzwerke ist auch eine Idee, die die Stadt Aachen in Deutschland untersucht hat, um in einer zunehmend globalisierten Wirtschaft wettbewerbsfähig zu bleiben.

In Schweden leben etwa 1,8 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Und wie in vielen anderen Teilen der Welt gründen sie im Verhältnis häufiger ein Unternehmen als Einheimische. Es gibt etwa 70.000 von Migranten geführte Unternehmen, die insgesamt etwa 250.000 Menschen beschäftigen.

Unvorhergesehene Hürden

Aber trotz ihrer vielen Erfolge werden potenzielle Unternehmer mit Migrationshintergrund mit Hindernissen konfrontiert, wenn es darum geht, Finanziers zu finden und Kapital aufzunehmen. Ein Grund hierfür ist, dass sie häufig daran scheitern, ihr unternehmerisches Konzept und ihren Geschäftsplan überzeugend zu präsentieren.

„Sprachprobleme, kulturelle Unterschiede und beschränkte Kenntnis der Vorschriften, die das Unternehmertum in Schweden regeln, können für einen Zuwanderer die Unternehmensgründung in Schweden erschweren. Sie können auch Probleme haben, Kredite oder einen Mietvertrag zu erhalten“, sagte Aoun. Die IFS wurde 1996 gegründet, um Zuwanderern zu helfen, diese Hürden zu überwinden. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, das Unternehmertum anzuregen und zu fördern und die Kompetenzen einzelner Geschäftsinhaber zu verbessern.

In Zusammenarbeit mit Almi, ihrer Mutterorganisation, die vom schwedischen Staat betrieben wird, bietet die IFS landesweit kostenlose Beratungsdienstleistungen an. Die Berater spiegeln die neue Vielfalt in Schweden wider und können in 28 Sprachen kommunizieren. Es ist ein bedeutender Schritt für ein Land, das sich noch nicht vollständig mit dem Gedanken angefreundet hat, ein Zuwanderungsland zu sein. „Es ist ein neues Phänomen für viele Schweden. Sie verstehen nicht, warum Menschen ihr Herkunftsland verlassen und sich für die Migration entscheiden“, sagte Aoun, der zur ersten Generation der in Schweden geborenen Mitglieder seiner Familie zählt, die aus dem Libanon stammt. „Vielleicht ist der Grund, dass das Land so lange ethnisch homogen war und nicht wie andere Ziele von Zuwanderern ein signifikantes koloniales Erbe hat.“

Gezielte Programme

Die IFS hat gemeinsam mit ihren Partnerorganisationen mehrere Projekte zur Förderung des Unternehmertums ins Leben gerufen: Das Young Urban Movement Project oder YUMP beispielsweise ist ein selektives Bildungsprogramm zur Vermittlung unternehmerischer Kompetenzen für Jugendliche mit einem Anspruch auf staatliche finanzielle Unterstützung für ein Hochschulstudium. Mit der Hilfe von Partnereinrichtungen und anderen Organisationen kann Yump unseren Studenten ein einzigartiges Konzept bieten, das man nirgendwo anders finden kann.

Teilnehmer kommen zu uns mit ihrer Idee. Von dem Zeitpunkt an, zu dem sie angenommen werden, wird Yump ihnen mit dem Konzept, dem Geschäftsplan und der Gründung helfen und dann ihr Unternehmen weiterentwickeln. Das macht uns einzigartig und unterscheidet uns von anderen ähnlichen Programmen.

Die YUMP-Akademie fungiert als eine Kombination von Ausbildung, Wettkampf und Aktivierung. Die Akademie basiert hauptsächlich auf E-Lernen, aber Sie werden persönliche Gespräche mit Beratern führen, um Ihre Idee zu entwickeln. Sie werden auch die Gelegenheit haben, im weiteren Verlauf des Prozesses ein Beratungsgremium mit einem breiten Kompetenzspektrum in Anspruch zu nehmen.

Um diese Programme zu fördern, hat die IFS in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Flüchtlingsfonds, dem Schwedischen Arbeitgeberverband und anderen zwei Filme produziert: Gründen Sie Ihr eigenes Unternehmen in Schweden und Ayten – Kurde, Schwede, Unternehmer. Die Filme porträtieren Unternehmer mit Migrationshintergrund, die in Schweden erfolgreich waren. Sie werden überall im Land gezeigt.

Eine andere Initiative der IFS zielt auf die Schaffung einer Unternehmenskultur, die allen gleiche Geschäftschancen bietet. Zu diesem Zweck plant sie ein Pilotprogramm ähnlich dem öffentlichen Beschaffungsplan des National Minority Supplier Development Council in den Vereinigten Staaten. „Diese Initiative würde Unternehmern mit Migrationshintergrund nicht nur bessere Einblicke in die Lieferketten schwedischer Unternehmen bieten, sondern auch die Wirtschaft insgesamt ankurbeln“, sagte Aoun.

Erfolg

Die Schwedische Agentur für wirtschaftliches und regionales Wachstum hat ermittelt, dass 22 Prozent der von Zuwanderern geführten Unternehmen mit ihren Waren und Dienstleistungen zumindest partiell auf den internationalen Markt zielen, verglichen mit 15 Prozent schwedischer Inhaber. Unternehmer mit Migrationshintergrund sind im Allgemeinen auch ehrgeiziger: 86 Prozent hoffen, ihr Geschäft ausweiten zu können, verglichen mit 76 Prozent der Einheimischen. Ferner möchten 65 Prozent der im Ausland geborenen Besitzer von Kleinunternehmen im Rahmen ihrer Expansion weitere Beschäftigte einstellen, verglichen mit gerade einmal 48 Prozent der in Schweden geborenen Inhaber.

Lesen Sie unser Interview mit Maroun Aoun über die Übernahme von Ideen zum Thema Integration von Kanada nach Schweden.

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Chancengleichheit fördert das Wirtschaftswachstum. Vieles kann erreicht werden, wenn man für Menschen mit Eigeninitiative offen ist und wenn sie die Chance erhalten, ihre Ideen zu verwirklichen.
  • Suchen Sie innerhalb von Zuwanderergruppen nach verborgenen oder unerschlossenen Aktivposten, um übergeordnete wirtschaftliche Ziele zu verwirklichen.
  • Entwickeln Sie wirksame Netzwerke und Prozesse, um die Unternehmen von Zuwanderer in die allgemeine Wirtschaft zu integrieren.
  • Sie brauchen das Rad nicht neu zu erfinden. Evaluieren Sie Programme aus anderen Kommunen und Ländern und führen Sie vor der großflächigen Umsetzung neuer Ideen Pilotprogramme durch.
  • Richten Sie Ihre Dienstleistungen punktgenau auf Ihre Zielgruppen aus und teilen Sie sich die Kosten und die Infrastruktur  mit Partnern.
  • Formulieren Sie inklusive Botschaften, damit alle Akteure aus der Wirtschaft das Gefühl gewinnen, willkommen zu sein.

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Kontakt:

Maroun Aoun , IFS
Insamlingsstiftelsen IFS Rådgivningscentrum
Kungsholms Hamnplan 3
Stockholm, Sweden,
+46 (0) 8-693 99
maroun(at)ifs.a.se
http://www.ifs.a.se/

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