Leben

Bilbao, Spain

Frauengesundheit in den Händen von Frauen

Stadtverwaltung von Bilbao, Programm Frau, Gesundheit und Gewalt

September 24, 2012

Förderung der Gesundheit von Migrantinnen durch Gesundheitsberaterinnen aus Zuwanderergemeinschaften

Wie kümmert man sich um die Gesundheit und die Sicherheit von Migrantinnen in schwer zu erreichenden marginalisierten oder Minderheitengemeinschaften? In Bilbao bildete man zu diesem Zweck Frauen dazu aus, anderen Frauen in der vertrauten Atmosphäre ihrer eigenen Wohnung zu helfen, ohne dass sie Diskriminierung oder Repressalien fürchten mussten.

Nach dem tragischen Tod einer jungen Frau im Anschluss an eine Abtreibung und Hinweisen darauf, dass es sich dabei möglicherweise nicht um einen Einzelfall handelte, sah sich die Stadtverwaltung 2008 veranlasst, zu handeln. Untersuchungen ergaben, dass fehlende Informationen und fehlender Zugang zu Leistungen die Anfälligkeit von marginalisierten und Minderheiten angehörenden Frauen in Gesundheitsfragen erhöhten. Angesichts des starken Anstiegs der Einwohnerzahl und einer hohen Geburtenrate unter den neu Zugewanderten beschloss die Stadtverwaltung, ihre neue Strategie für die Gesundheitsförderung auf Frauen zu konzentrieren.

Das mehrfach ausgezeichnete „Programm Frau, Gesundheit und Gewalt“ (Programa Mujer, Salud y Violencia) wurde vom Amt für Gleichstellung, Zusammenarbeit und Bürgerschaft der Stadtverwaltung von Bilbao entwickelt. Es fördert die sexuelle und reproduktive Gesundheit von Migrantinnen einschließlich der Prävention von geschlechtsspezifischer Gewalt und von Problemen im Zusammenhang mit der kulturellen und sexuellen Identität. Das Programm zielt auch darauf ab, ausgewählten Frauen zu ermöglichen, daran teilzunehmen und führende Rollen in ihren eigenen Gemeinschaften zu übernehmen.

Schöne neue Welt

Bilbao ist die größte Stadt des Baskenlands in Nordspanien, und wie in vielen Städten in Spanien gewinnt die Zuwanderung dort immer mehr an Bedeutung. Seit der Jahrtausendwende konnte Bilbao seine Einwohnerzahl von etwa 354.000 nur durch den kontinuierlichen Zuzug von Ausländern aufrechterhalten, die den Rückgang der einheimischen Bevölkerung kompensierten. Zwischen 2000 und 2010 stieg der Migrantenanteil von 1 Prozent auf 8,2 Prozent – ein demografischer Trend, der anhalten und sich auf den nationalen Durchschnitt von 12 Prozent oder höher zubewegen dürfte. Heute stammt der größte Teil der im Ausland geborenen Einwohner aus Lateinamerika, und parallel dazu gibt es jüngere Gemeinschaften von Rumänen, Chinesen, Roma, Nordafrikanern sowie Schwarzen aus Ländern in Afrika südlich der Sahara.

Frauen helfen Frauen

Der erste Schritt, den die Stadtverwaltung unternahm, bestand darin, die vielfältigen Gemeinschaften in Bilbao einzubeziehen. Um ihr eigenes Verständnis der Bedürfnisse von Migrantinnen zu vertiefen, mehr Gemeinschaften zu erreichen und die Breitenwirkung zu optimieren, ging das „Programm Frau, Gesundheit und Gewalt“ Partnerschaften mit Gemeinschaftsorganisationen ein. Die Stadtverwaltung wollte auch die Rolle lokaler Institutionen als Ressource fördern.

Zweitens wurden Frauen geschult, die sich bereit erklärt hatten, anderen Frauen zu helfen, und zwar fünf Frauen aus jeder Gruppe. Die Auswahl der Gesundheitsberaterinnen erfolgte auf der Grundlage potenzieller Führungskompetenz und der Fähigkeit, Kontakt zu Frauen in der jeweiligen Gemeinschaft aufzunehmen. Zu ihren Aufgaben zählte, ein geschütztes Umfeld für Gespräche zu schaffen, den interkulturellen Austausch zu fördern sowie die Multiplikatorwirkung von Diskussionen über geschlechtsspezifische Gewalt und sexuelle Gesundheit durch Gemeinschaftsforen zu erzielen.

Erfolg

2010 schulte das „Programm Frau, Gesundheit und Gewalt“ erfolgreich 35 Gesundheitsberaterinnen, und 2011 erhielten weitere 26 Frauen das Abschlussdiplom des Programms. Bislang haben 465 Migrantinnen aus 38 unterschiedlichen Ländern unmittelbar teilgenommen. Die Stadtverwaltung produzierte ferner eine auch online abrufbare Broschüre mit „Richtlinien für Frauen“, zu deren Schwerpunkten unter anderem sexuelle Gesundheit zählt. Der Leitfaden wurde in rumänischer, chinesischer, französischer, arabischer, kastilischer und baskischer Sprache veröffentlicht und mehr als 3.000 Mal verteilt.

Das spanische Ministerium für Arbeit und Zuwanderung zeichnete das „Programm Frau, Gesundheit und Gewalt“ 2010 als ein Beispiel für die erfolgreiche Durchführung lokaler Pläne zur Schärfung des Bewusstseins über Gleichbehandlung und Nichtdiskriminierung durch Stadtverwaltungen aus. 2011 wurde das Programm zudem vom europäischen Netzwerk OPENCities als gute Praxis anerkannt.

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Für Kinderbetreuung bei den Schulungskursen zu sorgen, ermöglicht mehr Frauen, an dem Projekt teilzunehmen und aktiv daran mitzuwirken.
  • Verwenden Sie einen partizipatorischen Ansatz, um eine bedürfnisorientierte Sichtweise und die besten Erfolgsstrategien innerhalb Ihrer Zielgruppe oder Ihres Dienstleistungsbereichs zu gewinnen.
  • Kultivieren Sie ein sicheres und respektvolles Umfeld, um Partizipation und wirksames Lernen zu fördern.
  • Wählen Sie Beraterinnen mit Führungsfähigkeiten aus, die andere dazu bewegen können, mitzumachen und dazu beizutragen, die Botschaft zu verbreiten.

Newsletter



Kontakt:

Idoia Uriarte Ercilla , Directora del Área de Igualdad, Cooperación y Ciudadanía
Ayuntamiento de Bilbao, Área de Igualdad, Cooperación y Ciudadanía
Pza Venezuela 2, 4 th PTA. 48001 Bilbao

iuriarte@ayto.bilbao.net
http://www.bilbao.net

Maytree