Planen

Boston, Vereinigte Staaten

Von den weniger feinen Adressen zum Erfolg

Boston Redevelopment Agency

March 24, 2011

Von Zuwanderern geführte Unternehmen stärken die Wirtschaft in Städten

In einem flachen mittelgroßen gemauerten Lagerhaus im Süden Bostons betreiben Amado und seine Familie einen Großhandel für Produkte zur Gebäudereinigung. In den letzten 15 Jahren haben sie die gewerblichen Geräte und Reinigungsprodukte geliefert, die benötigt werden, um die Bürohochhäuser und Appartementhäuser im Zentrum von Boston sauber zu machen.

Mit zehn Beschäftigten, von denen sechs zum weiteren Familienkreis zählen, ist Amados Firma ein kleines, unscheinbares, hinter den Kulissen arbeitendes Unternehmen. Es ist jedoch auch gut geführt, hoch rentabel und durch das Programm „Boston Back Streets“ jetzt auch anerkannt und unterstützt als ein wichtiges Rädchen im sozialen und wirtschaftlichen Getriebe Bostons.

Es wird allgemein anerkannt, dass der Begriff „back streets“ als Bezeichnung für die weniger feinen Adressen in Boston geprägt wurde, als die Stadtverwaltung das Programm „Boston Back Streets“ startete, das dazu dienen sollte, eine Reihe von Strategien für die Flächennutzung und die Förderung der gewerblichen Wirtschaft in Boston auszuarbeiten. Als „Backstreet“-Unternehmen gelten im Allgemeinen kleine bis mittelgroße Leichtindustrie- oder Gewerbebetriebe, die in den Bereichen Fertigung, Großhandel, Gewerbe/Handel, Logistik, Bauindustrie und Lebensmittelverarbeitung Produkte herstellen oder Dienstleistungen erbringen. Im Gegensatz dazu finden sich auf der „Mainstreet“ – an den „feineren“ Adressen – Büros und Geschäfte, die gewöhnlich Fertigwaren unmittelbar an die Verbraucher verkaufen oder für diese Dienstleistungen erbringen. „Backstreet“-Unternehmen ergänzen die „Mainstreet“-Unternehmen, sind aber im Allgemeinen unbekannt oder werden übersehen.

Weil „Backstreet“-Unternehmen gute Stellen mit mittlerem Einkommen schaffen, auf die sich Personen aller Bildungsstufen bewerben können, ist bei Arbeitnehmern in solchen Betrieben die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie einer rassischen oder ethnischen Minderheit angehören (siehe die Datentabellen zu Boston Back Streets). Im Durchschnitt zahlen „Backstreet“-Unternehmen doppelt so hohe Gehälter, wie „Mainstreet“-Unternehmen bieten – was sie sehr wichtig für das Ziel macht, mehr Inklusion und Chancengleichheit für Neuankömmlinge und Angehörige von Minderheiten in der Stadt zu erreichen.

Die Stadtverwaltung von Boston stellte fest, dass es innerhalb der Stadtgrenzen, aber entfernt von den Bereichen, die von den Verbrauchern frequentiert werden, mehr als 4.000 kleine und mittelgroße Leichtindustrie- oder Gewerbebetriebe gibt. Zusammengenommen stellen sie mehr als 100.000 Arbeitsplätze (20 Prozent aller Arbeitsplätze in Boston) und zahlen mehr als 30 Millionen Dollar Steuern im Jahr. Sie sind ein wichtiger Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt und ihren wirtschaftlichen Erfolg.

Das „Back Streets“-Programm
Das „Back Streets“-Programm in Boston wurde im November 2001 von Bürgermeister Thomas Merino vorgestellt, nachdem die städtische Behörde für Wirtschaftsentwicklung festgestellt hatte, dass mit Gewinn arbeitende und seit langem etablierte „Backstreet“-Unternehmen aus der Stadt fortzogen, weil hier Probleme bestanden, die ihr weiteres Wachstum behinderten. Dazu zählten unzureichende Flächen, konkurrierende Flächennutzung, zu wenig Parkplätze und der Bürokratieaufwand beim Umgang mit der Stadtverwaltung.

Vor dieser Zeit waren die „Backstreet“-Unternehmen nicht formell organisiert und verfügten über keine Möglichkeit, diesen Hindernissen geschlossen entgegenzuwirken und ihre Bedürfnisse vorzutragen. Zudem fühlten sich die meisten von den Verbänden der „Mainstreet“-Unternehmen übersehen und zögerten, bei diesen ihre Anliegen zur Sprache zu bringen.

Der Bostoner Bürgermeister hatte die Weitsicht, zu erkennen, dass diese von Zuwanderern geführten und Zuwanderer beschäftigenden Unternehmen den Interessen der Stadt nutzen. „Die Ziele des ,Back Streets-Programms‘ bestehen darin, die vielen kleinen und mittelgroßen Industrie- und Handelsbetriebe zu unterstützen, indem die Bedingungen geschaffen werden, unter denen sie wachsen und gedeihen können, sowie neue Industrie- und Handelsbetriebe in die Stadt zu holen.“

Abgesehen von der Schaffung eines förderlichen wirtschaftlichen Umfelds, in dem diese Unternehmen arbeiten können, ist das „Back Streets“-Programm insofern richtungsweisend, als es anerkennt, dass primär von Zuwanderern geführte Klein- und Mittelunternehmen auch die Schnittstelle sind, an dem die sozialen und wirtschaftlichen Interessen zusammentreffen. Wenngleich Sozialprogramme ein Sicherheitsnetz knüpfen, bieten sie im Allgemeinen wenig Möglichkeiten für die personelle Entwicklung oder wirkliche berufliche Chancen mit Löhnen, die zur Sicherung des Lebensunterhalts ausreichen.

„Backstreet“-Unternehmen ermutigen ihre Mitarbeiter, Qualifikationen zu erwerben, die sie beruflich weiterbringen, helfen Zuwanderern, sich anzupassen, indem sie ihre Sprachkenntnisse verbessern und vor Ort Arbeitserfahrung sammeln, und dienen als Vermittlungskanal für die Erbringung von Dienstleistungen wie Finanzplanung oder Eigenheimvermittlung. „Backstreet“-Unternehmen sind im Allgemeinen gerne bereit, diese sozial nützlichen Aufgaben zu übernehmen, weil es letztlich in ihrem eigenen wirtschaftlichen Interesse ist, einen Bestand an qualifiziertem und loyalem Personal zu entwickeln.

Spezifische sektorale Unterstützung …
Das „Back Streets“-Programm leistet Unterstützung in vier Hauptbereichen: Grundstücke, Personal, Wirtschaftsförderung sowie Ressourcen und Partnerschaften.

Grundstücke
Unterstützung von „Backstreet“-Unternehmen durch Flächennutzung und bessere Planung war eine wichtige treibende Kraft des Programms. Die Stadtverwaltung von Boston legte das Ziel fest, dass die Gewerbeflächen, die diese Unternehmen benötigen, netto nicht kleiner werden sollten. Um Gewerbeflächen zu schützen und ihre Umwandlung in Wohnbau- oder institutionelle Flächen zu verhindern, wurden die Richtlinien für die Flächennutzungsprüfung gestärkt/verschärft. Das „Back Streets“-Programm startete auch ein Suchportal für Gewerbe- und Industriegrundstücke, um expandierenden und neu gegründeten Unternehmen zu helfen, die für eine erfolgreiche Geschäftstätigkeit benötigten Grundstücke zu finden. Dieses Portal ermöglicht den Zugriff auf kommunale Ressourcen sowie Informationen der führenden Makler für Gewerbe- und Industriegrundstücke in Boston, um auf diese Weise geeignete Standorte für die Expansion von „Backstreet“-Unternehmen aufzuspüren und vorzuschlagen. ( Klicken Sie hier, um das Suchprogramm für Grundstücke aufzurufen).

Personal
Das „Back Streets“-Programm hilft Unternehmen durch Dienstleistungen zur Vorbereitung auf die Berufstätigkeit wie Berufsberatung, Sprachkurse und betriebliche Ausbildungsprogramme, Personal zu finden, auszubilden und zu entwickeln.

Wirtschaftsförderung
Das „Back Streets“-Programm stellt den „Backstreet“-Unternehmen ein Team von Ombudspersonen bereit, die am konkreten Bedarf der Wirtschaft ausgerichtete Lösungen, Ressourcen und Anlaufstellen bieten. Dazu zählen Lösungen in Bezug auf die Flächennutzung, Genehmigungen und Bürokratie.

Finanzierung und Partnerschaften
Das „Back Streets“-Programm hilft, Mittel an diese Unternehmen zu leiten, beispielsweise Niedrigzinsdarlehen für anspruchsberechtigte Unternehmen sowie steuerlich absetzbare Finanzierung von Projekten und Ausrüstung mit Kosten von mehr als 3 Millionen Dollar.

Erfolg…
In den ersten 17 Monaten seiner Laufzeit konnte das „Back Streets“-Programm in Boston erfolgreich den Trend der Abwanderung von „Backstreet“-Unternehmen aus der City in die umliegenden Außenbezirke umkehren. Einer der ersten Erfolge war, dass sich jeder Firmeninhaber bewusst geworden ist, dass die Stadt ihre Standorttreue wertschätzt und bereit ist, Unterstützung zu leisten. Das Programm umfasst unter anderen Servicetelefondienste, bei denen Unternehmer sofort bedient werden, eine Website im Internet mit Detailinformationen zu Dienstleistungen im Rahmen des Programms (einschließlich Bekanntmachungen zu neuen Programmbestandteilen) und ein Firmenverzeichnis von „Backstreet“-Unternehmen.

Im Juni 2003 würdigte die Konferenz der Bürgermeister der Vereinigten Staaten das Bostoner „Back Streets“-Programm in ihrer Veröffentlichung über gute Praxis in Bezug auf Kleinunternehmen.

Das Bostoner „Back Streets“-Programm hat auch anderswo Nachahmer gefunden: 2005 etablierte die Stadtverwaltung von San Francisco ein Beratungsgremium für „Backstreet“-Unternehmen, das Empfehlungen abgeben sollte, um der Stadtverwaltung zu helfen, auf der Grundlage des Bostoner Vorbilds „Backstreet“-Unternehmen und die von ihnen geschaffenen Stellen zu halten und ihre Zahl zu erhöhen. Im Dezember 2007 veröffentlichte die Stadtverwaltung von San Francisco eine Studie mit dem Titel „Made in San Francisco“, in dem das Bostoner Programm sowohl als Anregung als auch als ein Vorbild für die erfolgreiche Integration traditioneller „Backstreet“-Unternehmen bezeichnet wurde.

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Die Bedürfnisse von Kleinunternehmen sind komplex. Die Stadtverwaltung von Boston erleichterte ihnen vieles durch zentrale Anlaufstellen für Flächennutzung, Genehmigungen und Fachunterstützung für Unternehmen.
  • Von Zuwanderern geführte Unternehmen sind offensichtliche Orte zur Verknüpfung sozialer und wirtschaftlicher Integration. Sie helfen Zuwanderern, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern, Arbeitserfahrung zu sammeln sowie etwas über Finanzverwaltung und Grundstückeigentum zu lernen.
  • Machen Sie Werbung, um Erfolg zu haben. Stellen Sie in Werbekampagnen in der gesamten Stadt die Beiträge von „Backstreet“-Unternehmen heraus und tragen Sie dazu bei, die Wirtschaft am Ort zu beleben.

Maytree