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Marseille , Frankreich

Von der Hoffnung zur Brüderlichkeit: Marseille Espérance

Stadtverwaltung von Marseille

August 23, 2012

Ein führungsstarker Bürgermeister bringt religiöse Gemeinschaften zusammen, um ein Dialogforum zu schaffen und Konflikte zwischen Gemeinschaften zu schlichten

Die Hafenstadt Marseille in Südfrankreich blickt auf eine lange Migrationsgeschichte zurück. Ihre jüdische Gemeinde ist die drittgrößte in Europa, und etwa ein Drittel ihrer Einwohner sind nordafrikanischer Herkunft. Manche Demografen prognostizieren, dass Marseille die erste Großstadt auf dem europäischen Kontinent sein wird, in der Muslime die Mehrheit bilden werden.

Dennoch ist die französische Stadt mit der größten ethnischen Vielfalt auch die erfolgreichste gewesen, was es betraf, zu vermeiden, ebenso Schauplatz von Ausbrüchen sozialer Unruhen und ethnischer Gewalt wie die Vororte von Paris oder andere Großstädte zu werden.

 Marseille ist eine Stadt von Zuwanderern.

Es ist nicht einfach, den höchst unterschiedlichen Realitäten der modernen französischen Gesellschaft über offizielle Kanäle gerecht zu werden. Aus Gründen des Laizismus oder des Säkularismus, das heißt der Trennung von Staat und Kirche, die die Erkennbarkeit von Religion oder Ethnizität im politischen Leben sowie die Erhebung von Daten zu Religion und Ethnizität durch den Staat verbietet, werden in Frankreich grundsätzlich keine Informationen über Religion und Ethnizität gesammelt.

In einem Bruch mit der Tradition etablierte das Bürgermeisteramt 1990 Marseille Espérance, um der Bedeutung von Gemeinschaftsidentitäten im öffentlichen Raum Rechnung zu tragen und Kanäle für den interkulturellen Dialog zu öffnen. Die „einzigartige Formel“ („friedlicher und aufgeschlossener Säkularismus“) des Forums, das das erste seiner Art in Europa war, ermöglichte dem Bürgermeister, die Führer der religiösen Gruppen (Christen, Juden, Muslime, Buddhisten) in der Stadt mit dem Ziel zusammenzubringen, Harmonie und Verständnis zwischen allen Einwohnern von Marseille ungeachtet ihrer Herkunft, Kultur oder Religion zu fördern. Die Botschaft der Organisation – dass Marseille eine kosmopolitische Stadt der Brüderlichkeit sein sollte – wurde nach 1995 unter dem neuen Bürgermeister Jean Claude Gaudin weiter gefestigt und den Medien aktiv unterbreitet.

Mitglieder von Marseille Espérance kommen regelmäßig mit dem Bürgermeister zusammen, um die sozialen Erfordernisse in der Stadt zu besprechen. Ein Beispiel für den Erfolg des Forums ist die einhellige Unterstützung des Projekts der „großen Moschee“ von Marseille durch Marseille Espérance. Proaktive Führung durch den Bürgermeister und die Unterstützung durch die in Marseille Espérance vertretenen Führer religiöser Gruppen beschleunigten eine hundert Jahre lange Suche nach einem geeigneten Standort. Mittlerweile wurde mit dem Bau begonnen. Marseille Espérance steht „bei Bedarf“ auch zur Verfügung, um bei potenziellen Bedrohungen der friedlichen Koexistenz der Bewohner der Stadt aktiv zu werden, und hat in zahlreichen Fällen erfolgreich zur Beilegung von Gemeinschaftskonflikten beigetragen.

Das von Marseille Espérance präsentierte Narrativ von Inklusion, Zusammenhalt und Koexistenz um die einigende Figur des Bürgermeisters wurde über die Medien und lokale Netzwerke weit verbreitet. Lokale Medien reagierten begeistert mit einer starken Zunahme der Artikel über muslimische Organisationen der Zivilgesellschaft.

Erfolg

Aus Anlass des 2.600. Jahrestages der Gründung von Marseille rief Marseille Espérance im Jahr 2000 das Skulpturenprojekt „Baum der Hoffnung“ ins Leben. 350.000 Einwohner bekannten sich mit ihrer „Unterschrift“ zu der Botschaft von Toleranz, Gastfreundschaft und Gemeinsamkeit, die das Projekt symbolisiert, sowie zu den Werten von Marseille Espérance, und ihre Namen sind am Fuß des Baums eingemeißelt. Je eine Kopie des Baums wurde den beiden Partnerstädten Schanghai und Algiers gestiftet.

Zu den weiteren innovativen Projekten, die von Marseille Espérance gefördert wurden, zählten der „Kubikmeter Unendlichkeit“ in einem interreligiösen Andachts- und Gebetsraum im Paoli-Calmettes-Krankenhaus, der vielen als einzigartig in Europa gilt, und der von der Stadtverwaltung von Marseille gestiftete Marseille-Espérance-Preis, der auf dem alljährlich in Marseille stattfindenden Dokumentarfilmfestival verliehen wird.

2004 zeichnete die Fondazione Laboratorio Mediterraneo Marseille Espérance für seine Aktivitäten zur Förderung von interkulturellem Dialog und Verständnis mit ihrem Mittelmeer-Friedenspreis aus. Das Marseiller Modell wurde auch von der Stadtverwaltung von Brüssel in angepasster Form übernommen, und in Barcelona unterzeichnete die GTER eine Kooperationsvereinbarung mit Marseille Espérance, um von dessen Fachwissen zu lernen.

Verfasst von: Joseph Downing, European Institute, London School of Economics and Political Science. (für die Veröffentlichung gekürzt durch die Redaktion)

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Die Konsultation der Gemeinschaft und partizipatorische Entscheidungsprozesse resultieren in überzeugenderen dauerhaften Lösungen.
  • Nutzen Sie so viele Kanäle und Plattformen, wie Sie können, um Ihre Ziele zu erreichen oder ihre Außenwahrnehmung zu verbessern: die Medien, Kunst und Theater, das Bürgermeisteramt, Institutionen vor Ort und den öffentlichen Raum.
  • Wecken Sie mit Ihren Themen das Interesse Ihrer Zielgruppe. Unterschätzen Sie nicht die symbolische Macht von Sprache und Führungskompetenz, um Ihren Erfolg zu fördern.
 

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Kontakt:

Marseille Espérance , Hôtel de Ville
13233 Marseille cedex20
Marseille,
(33-4) 91 14 66 04,
Fax : (33-4) 91 14 66 07
marseille-esperance@mairie-marseille.frv
http://www.marseille.fr



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