Lernen

Hamburg, Deutschland

Aus dem multikulturellen Klassenzimmer in das multikulturelle Lehrerzimmer

Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI)

September 9, 2013

Ein einzigartiges Netzwerk unterstützt Lehrer mit Migrationshintergrund und fördert interkulturellen Unterricht an deutschen Schulen

In Hamburg, der zweitgrößten Stadt Deutschlands, sind fast 14 Prozent der Einwohnerschaft Zuwanderer. In Schulen kann dieser Anteil noch höher sein: Insgesamt hat ein Drittel der Schüler in deutschen Schulen einen Migrationshintergrund. Demgegenüber trifft dies nur auf 5 Prozent der Lehrer zu. Dies ist eine verpasste Chance, positive Rollenmodelle zu bieten und kulturelle Sensibilität zu lehren, die allen jungen Lernenden gut anstehen würde. Mit ihrem multikulturellen und mehrsprachigen Erbe sind Lehrer mit Migrationshintergrund ein wertvoller Aktivposten für deutsche Schulen, helfen Stereotype zu durchbrechen und bieten beispielhafte Modelle für die Integration von Zuwanderern.

Um dazu beizutragen, diese Lücke zu schließen, unterstützt das Hamburger Netzwerk „Lehrkräfte mit Migrationsgeschichte“ Lehrer mit Migrationshintergrund im Schuldienst und ermuntert Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, sich für eine Lehrerausbildung zu entscheiden. Letztlich hat sich das Netzwerk zum Ziel gesetzt, ein dynamisches interkulturelles Schulsystem in Deutschland zu fördern.

Unterstützung für Lehrer mit Migrationshintergrund

Das Netzwerk hilft Lehrern, die bereits im Schuldienst sind, durch die Schaffung von Kapazität und Fortbildung. Beispielsweise unterstützt es die berufliche Weiterentwicklung von Lehrern mit Migrationshintergrund und hat kürzlich ein Online-Forum eingerichtet, in dem Mitglieder Informationen austauschen, ihre Erfahrungen weitergeben und einander unterstützen können.

Dort, wo Konsultationen mit seinen Mitgliedern ergeben hatten, dass manche Lehrer mit Migrationshintergrund diskriminiert worden waren, unterstützte das Netzwerk die Betroffenen, indem es der Diskriminierung entgegenwirkte oder sich um Lösungen für die jeweiligen Fälle bemühte.

Schülerinnen und Schüler ermuntern, sich für eine Lehrerausbildung zu entscheiden

Eines der zentralen langfristigen Ziele des Netzwerks ist die Diversifizierung des Lehrpersonals an Hamburger Schulen. Zu diesem Zweck entwickelte es gemeinsam mit der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius ein Projekt „Mehr Migranten werden Lehrer“, das Schülerinnen und Schüler mit einem Migrationshintergrund ermuntert, sich für eine Lehrerausbildung zu entscheiden. Auf einem viertägigen Schülercampus erhalten interessierte Jugendliche die Gelegenheit, von Lehrern mit einem Migrationshintergrund etwas über deren Erfahrungen zu hören, und werden ermuntert, sich für ein Lehramtsstudium zu entscheiden. Das Netzwerk hat sich aktiv bemüht, auf diesen Veranstaltungen für das Lehramtsstudium zu werben. Das Modell dieses Schülercampus wurde auch in anderen deutschen Städten wie Bremen repliziert.

Zusätzlich fördert das Netzwerk die Inklusion im Ausland ausgebildeter Fachkräfte in den Schuldienst in Hamburg. Einer seiner größten Erfolge war die Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Bildung und Berufsausbildung sowie Regulierungsbehörden mit dem Ziel, den Anerkennungsprozess zu vereinfachen und es auf diese Weise mehr Lehrern mit Migrationshintergrund, insbesondere solchen, die ihre Lehrbefähigung im Ausland erworben hatten, zu ermöglichen, in deutschen Schulen zu arbeiten.

Förderung interkultureller Bildung und der Einbindung von Eltern

Ein weiteres wichtiges Ziel ist die Verbesserung der interkulturellen Bildung in Schulen. Das Netzwerk hat sich bemüht, Module für interkulturellen Unterricht auszuarbeiten, die von allen Lehrern in deutschen Schulen verwendet werden können. Es bietet Schulungen beispielsweise zu den Themen interkultureller Unterricht, Führungskompetenz, Vermittlung zwischen Kulturen und interkulturelles Consulting in Hamburger Schulen an. Diese Module wurden in Zusammenarbeit mit Kommunalbehörden und regionalen Partnern wie Stiftungen, akademischen Einrichtungen, Migrantenorganisationen und nichtstaatlichen Organisationen entwickelt und eingesetzt.

In jüngerer Zeit kooperierte das Netzwerk mit der Beratungsstelle Interkulturelle Erziehung und dem Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung bei der Entwicklung von Schulungen, über die Lehrer eine formelle Qualifikation für interkulturellen Unterricht erwerben können. Diese Schulung und Qualifizierung wird für Lehrer seit Februar 2013 angeboten.

Des Weiteren anerkennt das Netzwerk die Bedeutung der Einbindung der Eltern in die Schulbildung ihrer Kinder. Das Netzwerk bietet Eltern mit Migrationsgeschichte Informationen über die Funktionsweise des deutschen Schulsystems und berät sie über Möglichkeiten zur Verbesserung des Schulerfolgs ihrer Kinder. Das Netzwerk arbeitet in Partnerschaft mit Migrantenorganisationen und bietet Beratung über das Hamburger Schulsystem in der Sprache der Migrantenfamilien.

Erfolg

Das Netzwerk hat jetzt 150 Mitglieder, von denen etwa 60 aktiv bei Schulungen und in Foren in seinen Programmen mitwirken. Was als ein informelles Netzwerk von Lehrern begann, die Unterstützung für andere Lehrer anboten, hat sich zu einem erfolgreichen Modell entwickelt, das vielerorts repliziert wurde und sogar das deutsche Schulsystem beeinflusst hat. Andere ähnliche Netzwerke wurden in Berlin, Hessen, Bremen und Stuttgart gebildet, was den Bedarf an solchen Unterstützungsangeboten belegt.

Der Einsatz des Netzwerks hat bewirkt, dass Hamburg mit knapp über 20 Prozent einen der höchsten Anteile von Lehramtsstudenten mit Migrationshintergrund im Land hat. Das Netzwerk ist auf dem besten Weg, zu erreichen, dass der Lehrkörper an Hamburger Schulen die Vielfalt unter den Schülern widerspiegelt.

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Erleichtern Sie das Lernen voneinander und die Unterstützung von Lehrern mit Migrationshintergrund durch andere Lehrer.
  • Entwickeln Sie Partnerschaften mit Einrichtungen im herkömmlichen Bildungssystem, um Personen mit Migrationshintergrund den Zugang zum Lehrerberuf zu erleichtern und diese Gruppe zu ermuntern, diesen Beruf zu wählen.
  • Ermitteln Sie systembedingte Hindernisse und mögliche Lösungen. Die Vereinfachung der Anerkennungsverfahren hat beispielsweise dazu beigetragen, in deutschen Schulen die Zahl der Lehrer mit Migrationshintergrund zu erhöhen.
  • Kooperieren Sie mit Einrichtungen im herkömmlichen Bildungssystem vor Ort, um die Kultur und die Prozesse dieser Einrichtungen zu verändern.

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Kontakt:

Faried Ragab, Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung
Felix-Dahn-Str. 3
Hamburg, Deutschland,
20357
faried.ragab(at)li-hamburg.de
http://li.hamburg.de/netzwerk

Lehrkräfte mit Migrationsgeschichte

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