Verbinden

Fort Wayne, Vereinigte Staaten

Das Tor zu Klein-Myanmar

Stadtverwaltung von Fort Wayne

March 24, 2011

Neue Migrantenziele führen dazu, dass die Gemeinschaften von Neuankömmlingen Gewicht haben und berücksichtigt werden

In welcher amerikanischen Stadt lebt heute die größte Gruppe von Flüchtlingen aus Myanmar?

Es wäre nachvollziehbar, wenn man dabei an New York, Miami, San Francisco oder Chicago denken würde.

Versuchen Sie es noch einmal.

Die Antwort lautet Fort Wayne, 200 Kilometer nordwestlich von Indianapolis im Bundesstaat Indiana, eines der „neuen“ Migrantenziele in Amerika.

Die neuen Migrantenziele sind kleinere bis mittlere Großstädte, die man auch als gateway cities bezeichnet. Aufgrund ihrer Größe ist die Aufnahme dort im Allgemeinen freundlicher. Dafür fehlt es ihnen zumeist an vorhandener Infrastruktur und bestehenden Diensten, um Zuwanderer bei der Integration in die Gemeinschaft zu unterstützen.

Fort Wayne hat Zuwanderer von jeher willkommen geheißen. Die Bedürfnisse der jüngst aus Myanmar eingetroffenen Bewohner unterscheiden sich jedoch sehr von denen der Zuwanderergemeinschaften aus den Zeiten der Stadtgründung vor 200 Jahren.

Viele Neuankömmlinge in Fort Wayne sind vor politischer und religiöser Verfolgung geflohen. Häufig haben sie Jahre in Flüchtlingslagern in Thailand verbracht, ohne dort wirkliche Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten zu haben. Die meisten sprechen bei der Ankunft schlecht Englisch und sind mit der amerikanischen Kultur gänzlich unvertraut.

Die Stadtverwaltung von Fort Wayne erkannte, dass proaktive und anleitende Maßnahmen ergriffen werden mussten, um diesen Neuankömmlingen zu ermöglichen, sich mit Erfolg anzusiedeln. Bei der Verwirklichung dieses Ziel hat Fort Wayne seitdem sehr erfolgreich mit der amerikanischen Bundesregierung, externen Akteuren sowie den lokalen und nationalen religiösen und anderen Organisationen zusammengearbeitet, die Zuwanderer unterstützen.

Willkommen in Fort Wayne

Fort Wayne hat 250.000 Einwohner, von denen fast 6 Prozent im Ausland geboren wurden. Wenngleich dies nur halb so viel wie im nationalen Durchschnitt ist, wurde der zuvor geltende Wert durch die Ankunft der Neuankömmlinge aus Myanmar in der Spitzenzeit in den Jahren 2007 und 2008 gerade zu dem Zeitpunkt verdoppelt, als landesweit eine heftige Debatte über die Einwanderungsreform ausgetragen wurde.

Fort Wayne verfügt über eine eigene Geschichte der Vielfalt. Die Stadt trug den historischen Beinamen „Stadt der Kirchen“, der auf das Ende des 19. Jahrhunderts zurückging, als sie ein regionales Zentrum katholischer, evangelisch-lutherischer und anglikanischer Glaubensgemeinschaften war. Sie ist stolz auf die religiöse Toleranz und den interkulturellen Dialog, die dort vorherrschen. Religiöse Organisationen wie Catholic Charities, ein Netzwerk katholischer Wohlfahrtsorganisationen, bieten Unterstützung bei der Ansiedlung und tun sich mit anderen Organisationen auf Gemeinschaftsebene zusammen, um sicherzustellen, dass der Bedarf gedeckt wird.

In der Gruppe der jüngsten Neuankömmlinge, bei denen es sich Angehörige hinduistischer, islamischer und buddhistischer Glaubensrichtungen handelt, spiegelt sich die religiöse Vielfalt in Myanmar wider. Sogar die New York Times berichtete in einem Artikel über die hohe Zahl neu eröffneter Tempel in der Stadt.

Sprache und die Polizei
Der Zustrom von Menschen, die Birmanisch sprechen, nach Fort Wayne bewog die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung und Freiwillige, nach Wegen zu suchen, um die Zuwanderer besser in die Lage zu versetzen, mit Notfall-Einsatzkräften zu kommunizieren. Rick Piatt erteilt acht Myanmarern ehrenamtlich Englischunterricht, in dem seine „Schüler“ Szenarien in Verbindung mit Polizei- und Feuerwehreinsätzen durchspielen. Dies umfasst Erklärungen von Beschreibungen, die für die Polizei wichtig sind, wenn beispielsweise ein Kind vermisst wird und jemand Opfer einer Straftat geworden ist.

Die fehlende amerikanische Staatsangehörigkeit hat zur Folge, dass sich kaum ein Zuwanderer aus Myanmar zum Polizeibeamten ausbilden lassen könnte. Zu den anderen Gründen für ein schwieriges Verhältnis zu den Ordnungshütern zählt wohlbegründetes Misstrauen gegenüber Behörden.

„In [Myanmar] haben alle Angst vor der Polizei“, erläuterte Nyein Chang, Leiter des Neuansiedlungsprogramms von Catholic Charities. „Ich versuche ihnen klar zu machen, dass sie für die Polizei [mit ihren Steuern] bezahlen und sie bei einem Notfall rufen müssen.“

Nyein Chang kam selbst Mitte der 1990er Jahre als Flüchtling aus Myanmar nach Fort Wayne. Heute leitet er wöchentliche Orientierungsveranstaltungen für neu eingetroffene Flüchtlinge in Fort Wayne. Die meisten Flüchtlinge, die in die Vereinigten Staaten kommen, nehmen an einem dreitägigen Informationskurs des amerikanischen Außenministeriums teil, bevor sie die Flüchtlingslager verlassen. Wer nach Fort Wayne geschickt wird, erhält zusätzliche Belehrungen zu Gesundheit, Staatsbürgerschaft, öffentlichen Diensten, Bildung, Erwerbstätigkeit, Gesetzen und anderen Aspekten des Lebens in den Vereinigten Staaten.

Eine Veranstaltung beginnt mit einem vom Außenministerium produzierten Video in der Karen-Sprache. Auf Birmanisch erläutert Nyein Chan die Vielzahl der Dinge, über die die Flüchtlinge Bescheid wissen müssen, um sich in diesem Land eine neue Existenz aufbauen zu können. Manche Themen sind offizielle, bürokratische Notwendigkeiten: zu wissen, wohin man sich wenden muss, wen man um Hilfe bitten kann und welche Art von Unterstützung verfügbar ist. Andere hängen mit der besonderen Situation dieser Flüchtlinge zusammen.

Wenn Nyein Chan den Flüchtlingen Mut macht, erinnert er sie beispielsweise daran, dass ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit indirekt denjenigen nutzt, die noch in Flüchtlingslagern leben. Wenn eine Gemeinschaft sich gut anpasst, behauptet er, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Einwanderungsbeamte mehr Angehörige der betreffenden Gruppe zulassen.

 

Gezählt zu werden als Teil des Weges in eine gemeinsame Zukunft
Fort Wayne betrachtete den Beginn der Informationskampagne für die alle zehn Jahre stattfindende Volkszählung im Jahr 2009 als eine Chance, die Stadt inklusiver zu machen und ihre finanzielle Situation zu verbessern.

Das Ergebnis der Volkszählung im Jahr 2000 für die Zahl der in den gesamten Vereinigten Staaten lebenden Myanmarer hatte auf 18.000 gelautet, was weit unter als korrekt eingestuften Schätzungen lag.

Der niedrige Wert hatte zur Folge, dass die Myanmarer nicht die notwendige Schwelle erreichten, um Anspruch auf staatliche Unterstützung zu haben. Diese hätte Leistungen wie amtliche Formulare und Tests in birmanischer Sprache, Übersetzungs- und Dolmetschdienste und die Möglichkeit umfasst, Zuschüsse, Beihilfen und Stipendien von Stiftungen und der Regierung zu beantragen.

Volkszählungen liefern mehr als nur ein demografisches Profil. Sie sind auch ausschlaggebend für die politische Vertretung (über den Zuschnitt der Wahlbezirke für die Kongresswahlen) und die Zuteilung von mehr als 300 Milliarden US-Dollar pro Jahr an Bundesstaaten, andere Gebietskörperschaften und Stammesgebiete. Korrekte Angaben zu lokalen Neuankömmlingen können dazu führen, dass eine Stadt mehr bundesstaatliche und föderale Mittel zur Finanzierung wichtiger Programme erhält.

Gezählt zu werden, hat auch einen großen symbolischen Wert. Die Teilnahme an der Volkszählung ist eine Form von Vertretung und ein guter Indikator für das bürgerschaftliche Engagement der neu hinzugekommenen Gemeinschaften.

Die Stadtverwaltung von Fort Wayne gründete ein Complete Count Committee, einen im Volkszählungsprozess vorgesehenen offiziellen Ausschuss, der in Zusammenarbeit mit der Volkszählungsbehörde die Teilnahme schwer zu zählender Gruppen wie der Myanmarer fördern soll.

Schwerpunkt des Arbeitsauftrags des Ausschusses war eine höhere Teilnahmequote. Zu diesem Zweck sollte er über die Vorteile einer akkuraten Zählung für die Gemeinschaft informieren und Misstrauen gegenüber der Regierung allgemein abbauen. Diese Bemühungen betreffen nicht nur die myanmarische Bevölkerungsgruppe und dienen der Unterstützung von bürgerschaftlichem Engagement und größerer Teilhabe der Bürger.

In Fort Wayne ist Palermo Galindo, in der Stadtverwaltung zuständig für die Kontakte zur hispanischen Bevölkerungsgruppe und zu anderen Zuwanderern, einer der Vorsitzenden des Complete Count Committee. Er fungiert als Verbindungsmann zwischen den Latinos und der Volkszählungsbehörde und sucht mit Mitarbeitern der Behörde Kirchen auf, in denen überwiegend Spanisch gesprochen wird. Sie erläutern das Verfahren und versuchen der Bevölkerung zu vermitteln, dass die Regierung die Informationen nicht gegen sie verwenden wird. Er kooperiert auch mit Kontaktpersonen in anderen Minderheitengruppen, um die Botschaft zu verbreiten.

Bis zum 1. Mai 2010 war es den Verantwortlichen in Fort Wayne gelungen, den Bildungssektor, die Medien, die Wirtschaft sowie Glaubensgemeinschaften und Gemeinschaftsgruppen auf die Ziele der zehnjährigen Volkszählung einzuschwören. Fort Wayne brach alle Volkszählungsrekorde, und Indiana war unter den fünf Bundesstaaten mit den besten Ergebnissen landesweit.

Erfolg
Die amerikanische Städtevereinigung National League of Cities (NLC) hat die gute Bilanz von Fort Wayne in Bezug auf die lokale Integration von Zuwanderern und die Einbindung so vieler unterschiedlicher Akteure in diese gemeinsame städtische Agenda anerkannt.

Fort Wayne wurde als eine der ersten Städte für die Teilnahme an dem bedeutenden Pilotprogramm Municipal Action for Immigrant Integration (MAII) der NLC ausgewählt. Ein zentrale Komponente des MAII-Programms ist die NewCITYzen Naturalization Campaign, eine Kampagne, die speziell dafür entwickelt wurde, Städten bei der Entwicklung einer Strategie zur Verbesserung der Werbung für die Beteiligung bei Zuwanderern im Vorfeld der Volkszählung von 2010 zu helfen.

Tom Henry, der Bürgermeister von Fort Wayne, erläuterte: „Die Fähigkeiten, Qualifikationen und Kulturen all jener, die Fort Wayne als ihr neues Zuhause bezeichnen, haben unsere Gemeinschaft bereichert. Durch diese Vielfalt ist unsere Stadt stärker und lebendiger geworden. Es ist ein charakteristisches Merkmal unserer mit dem All-America-City-Preis ausgezeichneten Stadt und etwas, auf das wir alle Stolz sein sollten.“

Der Erfolg von Fort Wayne dabei, zu erreichen, dass Neuankömmlinge als wichtig empfunden werden, und sie dazu zu bewegen, sich zählen zu lassen, ist ein guter Beleg für die Offenheit dieses neuen Migrantenziels und seiner Übernahme von Verantwortung angesichts des sich wandelnden städtischen Umfelds.

Weiterführende Ressourcen:

Siehe das Cities-of-Migration-Webinar: Making Integration Count: Local Gateways to Citizenship

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Stellen Sie sicher, dass Sie die Stärken Ihrer Gemeinschaft kennen und sie zu Ihrem Vorteil nutzen.
  • Schöpfen Sie knappe Ressourcen besser aus, indem Sie mehrstufige und sektorübergreifende Programme und Finanzierungsunterstützung berücksichtigen.
  • Arbeiten Sie mit lokalen, übergeordneten und nationalen Behörden zusammen, um den Einfluss und die Wirkung Ihrer Kampagne zu vergrößern.
  • Interkulturelle Verständigung bedeutet, neue Nachbarn, ihre Namen und Familien sowie ihre Geschichte und ihre Traditionen kennen zu lernen. Anschließend können Sie von sich selbst berichten.

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Kontakt:

Palermo Galindo
Planner - Hispanic and Immigrant Liaison
City of Fort Wayne
One East Main Street, Fort Wayne, IN 46802,
Office: 260.427.6214
palermo.galindo (at) cityoffortwayne.org
http://www.cityoffortwayne.org/hispanic%11immigrant-liaison.html


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