Leben

Auckland, Neuseeland

Gesundheit hat Vorrang Dolmetscherdienste in der primären Gesundheitsversorgung

Northern DHB Support Agency (NDSA)

June 25, 2012

Neue Wege beschreiten, um den Bedürfnissen unterschiedlicher Gemeinschaften im Bereich der primären Gesundheitsversorgung besser gerecht zu werden

PHOTO CREDIT – Waitemata District Health Board, Asian Health Support Service

Wenn Mayo, eine Migrantin aus Myanmar, wegen ihrer Diabetes ins Krankenhaus geht, ist sie darauf angewiesen, dass ihre Tochter ihre Fragen übersetzt und dafür sorgt, dass sie die Anweisungen des Arztes versteht. Mayos Tochter ist allerdings keine Fachkraft, deshalb ist selbst mit ihrer Hilfe Mayos Gesundheit in Gefahr.

Immer mehr Einwohnern in Auckland geht es wie Mayo. In einer Stadt mit 37 Prozent Bevölkerungsvielfalt kann es leicht geschehen, dass der nicht Englisch sprechenden Bevölkerung, die 4,1 Prozent der Einwohner ausmacht, nicht genügend Aufmerksamkeit gewidmet wird. Es ist bekannt, dass fehlende Sprachkenntnisse eine Barriere für den Zugang zur primären Gesundheitsversorgung darstellen. Die Kommunikation über kulturelle Grenzen hinweg kann für nicht Englisch sprechende Neuankömmlinge ebenfalls eine Herausforderung sein, wenn sie medizinische Hilfe in Anspruch nehmen und Ärzten ihre Symptome schildern sollen.

Dolmetschen im Bereich der primären Gesundheitsversorgung

Genau hier liegt der Wert der Initiative für den Primary Health Interpreting Service (PHIS). Sie bietet kostenlose Dienstleistungen für nicht Englisch sprechende Patienten und ihre Gesundheitsversorger an. PHIS wurde 2008 als Kooperationsprojekt der Aktionsplan für die Gesundheit von Migranten im Rahmen der Regionalen Ansiedlungsstrategie für den Großraum Auckland (ARSS), [v1]  ins Leben gerufen. Der PHIS ist eine ressortübergreifende Initiative der Regierung mit dem Ziel, Verbesserungen für Neuansiedler zu erreichen und gleichzeitig die Gesundheit von Migranten zu verbessern. Das Verwaltung des PHIS in der Region liegt bei der Northern DHB Support Agency (NDSA), vor Ort werden die Dienstleistungen über die drei Bezirksgesundheitsämter (District Health Boards – DHB) der Region Auckland, Waitemata, Auckland und Counties Manukau erbracht.

Der PHIS hat ein bereits existierendes Dienstleistungsmodell übernommen, bietet noch zusätzlich telefonische Dolmetscherdienste an und hat seine Dienstleistungen auf die primäre Gesundheitsversorgung ausgeweitet. Das ursprüngliche Modell, Interpreting Service Providers (ISP), wurde von den DHB entwickelt, um im Bereich der sekundären Gesundheitsversorgung Simultandolmetschen zu ermöglichen. Es erwies sich als so erfolgreich, dass die Anbieter von Dienstleistungen im Bereich der primären Gesundheitsversorgung sehr rasch ebenfalls ihr Interesse bekundeten.

Der PHIS steht fünf Tage in der Woche einer Vielzahl von Leistungsanbietern in der primären Gesundheitsversorgung zur Verfügung. Die Palette reicht von Hausärzten über Apotheken, Labore, Palliativpflegedienste und Familienplanungsdiensten bis hin zu Diensten zur Betreuung von Familien mit kranken Kindern. Der PHIS bietet folgende Dienstleistungen:

  • Dolmetschen am Telefon,
  • Dolmetschen vor Ort,
  • Terminbestätigung; und
  • telefonische Betreuung zur Gewährleistung der Behandlungskonformität (bei dieser Dienstleistung wird überprüft, ob die Patienten ihre Medikamente einnehmen und die Anweisungen für die verschriebene Behandlung befolgen).

Häufig auftretende Probleme beseitigen

Dolmetscherdienste in der primären Gesundheitsversorgung sind zwar nichts Neues, Untersuchungen zeigen jedoch, dass diese Dienstleistungen von den Hausärzten nicht gut angenommen werden. Folgende Gründe werden üblicherweise genannt:

  • Hausärzte zogen Familienmitglieder als Dolmetscher vor, denn sie waren der Auffassung, dass Arztbesuche mit professionellen Dolmetschern sie mehr Zeit kosteten;
  • in den Arztpraxen war nicht bekannt, dass es Dolmetscherdienste gab; und
  • wenn Dolmetscherdienste in den Praxen bekannt waren, war die Einstellung des Personals zu ihrer Inanspruchnahme entscheidend dafür, ob sie genutzt wurden oder nicht.

Um diese Probleme zu beseitigen, wird die Nutzung des PHIS durch rigorose, ständige Weiterbildung und Schulung der Fachkräfte im Gesundheitswesen unterstützt. Dies gilt insbesondere auch für das Rezeptionspersonal, dem eine besonders wichtige Funktion zukommt.

Um einen institutionellen Wandel und Verhaltensänderungen zu bewirken, die für eine systematische Veränderung erforderlich sind, wird Anbietern im Bereich der primären Gesundheitsversorgung, die sich registrieren lassen und den PHIS nutzen, geraten, zwei anerkannte, online verfügbare Ausbildungskurse zu absolvieren: „Kultur und kulturelle Kompetenz“ sowie „Mit Dolmetschern arbeiten“. Durch die Kurse wird die kulturelle Kompetenz des Personals im Bereich der primären Gesundheitsversorgung gefördert, das mit Patienten mit unterschiedlichem kulturellem und sprachlichem Hintergrund zu tun hat. Gleichzeitig werden die Kompetenzen des Personals beim Einsatz von Dolmetschern verbessert, damit sie den größtmöglichen Nutzen aus einer gedolmetschten ärztlichen Beratung mit Dolmetscherbegleitung ziehen können.

Erfolg

Eine Evaluierung der Auckland DHB Refugee Health Collaborative, die 2012 durchgeführt wurde, ergab einen 50-prozentigen Anstieg bei der Nutzung von Dolmetschern in einem Zeitraum von zwei Jahren (2010 – 2012). Der PHIS ist Teil der kontinuierlichen Veränderungen im System für die Durchführung der Gesundheitsversorgung in Auckland. Der primären Gesundheitsversorgung kommt dabei immer stärkere Bedeutung zu.

Für Patientinnen wie Mayo bedeutet der Zugang zu Dolmetschern des PHIS eine bessere Gesundheitsprognose.

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Aufgrund der kulturellen und sprachlichen Unterschiede in der Bevölkerung, die Ihre Dienstleistungen in Anspruch nimmt, brauchen Sie Mitarbeiter mit kultureller Kompetenz.
  • Nutzen Sie die Erfahrungen aus bereits existierenden Projekten, und übernehmen Sie Dienstleistungsmodelle, die sich in der Praxis bewährt haben. So können Sie Dienstleistungsangebote entwickeln, die auf die Bedürfnisse Ihrer Zielgruppe zugeschnitten sind.
  • Stellen Sie sicher, dass Sie die richtigen Systeme installieren, damit Dolmetscherdienste für Personal, Ärzte und Patienten einfach zu nutzen sind, beispielsweise Online-Buchungssysteme und Telefone mit Lautsprecher in allen Praxisräumen.
  • Weiterbildung des Personals und ständige Weiterentwicklung sind von entscheidender Bedeutung und zahlen sich aus. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Personal in der primären Gesundheitsversorgung durch Weiterbildungsmaßnahmen, Newsletter und Informationsmappen auf dem neuesten Stand bleibt.

Maytree