Leben

Melbourne , Australien

Kängurus, Fußball und die örtliche Gemeinschaft

North Melbourne Football Club

February 15, 2012

Leidenschaftliche Fans sind ein Grund dafür, dass die meisten Sportveranstaltungen heute spannend sind, Lokalkolorit haben und Kassenschlager sind. Auf der ganzen Welt haben Sportvereine sich den Ruf erworben, ehrenamtliche Aufgaben in der Gemeinschaft zu übernehmen, lokale Veranstaltungen zu fördern und gelegentlich finanziell freigiebig zu sein, sei es, dass sie Stipendien stiften oder Ausrüstung oder freie Eintrittskarten verschenken.

Aber wie oft geschieht es, dass sie die Sportstätten errichten, damit die Bevölkerung zu ihnen kommen kann?

Ein verheerender Brand

2006 zerstörte ein Großbrand einen Teil der historischen Sportstätte des North Melbourne Football Club, einem Verein für Australian Football, der damals bereits mit zahlreichen anderen Problemen konfrontiert war.

Die inoffizielle Bezeichnung für die Mannschaft aus einem Arbeiterviertel von Melbourne ist die „Kängurus“, deren Anhänger für ihre Leidenschaft bekannt sind.

Die Mannschaft befand sich seit den 1990er Jahren in finanziellen Schwierigkeiten und hatte sogar „Heimspiele“ in Städte wie Sydney, Canberra oder Carrara verlegt. Sie tat sich schwer, mehr Zuschauer anzuziehen, weil das australische Publikum die „alten“ Sportarten zunehmend vernachlässigte (Sports without Borders).

Ein anderer Faktor war die demografische Entwicklung. 40 Prozent der heutigen Bevölkerung von North Melbourne war jetzt im Ausland geboren worden, und in manchen Straßen sprachen mehr als 60 Prozent zu Hause eine andere Sprache als Englisch. Das Gebiet hat den höchsten Anteil von Wohnungen ohne Internet-Anschluss, und der Wert für das mittlere Einkommen zählt zu den niedrigsten in ganz Melbourne.

Schlussendlich hatte die Liga 2007 sogar versucht, die Kängurus an einen lukrativeren Standort im Bundesstaat Queensland umzusiedeln.

Neubeginn

Nachdem die Kängurus die Umsiedlungsbemühungen der Liga überlebt hatten, startete der Verein einen neuen Versuch, seine Nord-Melbourner-Identität wiederzubeleben. Die Aufgabe, vor Ort Unterstützung für den Wiederaufbau der Sportstätten in der Arden Street zu einem neuen Trainingszentrum zu mobilisieren, konzentrierte sich rasch auf die strategische Frage, wie man das Projekt für die örtliche Gemeinschaft bedeutsam machen konnte.

Es war hilfreich, dass der Verein einen neuen Vorsitzenden, einen neuen Verwaltungsrat und einen neuen Geschäftsführer erhielt, die erkannten, wie wichtig es war, die alten Verbindungen zu den Menschen im Umfeld der Mannschaft wiederherzustellen. Gespräche mit anderen Känguru-Unterstützern mündeten darin, dass sich die Scanlon Foundation (mit ihrem Interesse an Fußball als Mittel zur Förderung des sozialen Zusammenhalts) und die Australian Multicultural Foundation dazugesellten.

Ihre Unterstützung und Mittel vom Bundesstaat Victoria ermöglichten dem Verein, als Teil der Sanierungsmaßnahmen, die unmittelbar den Bewohnern des Gebietes zugutekommen sollten, im Juni 2008 Pläne für den Bau eines Zentrums für Lernen und Leben auf dem neuesten Stand der Technik vorzustellen.

Planung

Ziel des Projekts war der Aufbau einer einzigartigen und für beide Seiten fruchtbringenden Beziehung zwischen der Gemeinschaft und dem Sportverein über das Zentrum für Lernen im vorgeschlagenen Sanierungsgebiet um die Arden Street.

Um dies zu erreichen, führte der Verein 2008 ausführliche Anhörungen in drei Stufen durch, um zu gewährleisten, dass das Programm und die Lernaktivitäten, die in dem Zentrum angeboten werden sollten, für die Deckung des Bedarfs der Gemeinschaft relevant und angemessen waren.

Die erste Stufe war eine allgemeine Anhörung der Anwohner, gefolgt von einer zweiten, die sich speziell an Jugendliche richtete und vom Zentrum für multikulturelle Jugendliche durchgeführt wurde. Zielgruppe der dritten und letzten Anhörung waren Jugendliche und Familien, die in Wohnsiedlungen vor Ort lebten.

Zentrale Ziele der Untersuchung waren, die Reichweite, die Art der Projekte und potenzielle Partner des Zentrums zu ermitteln. Es wurde beschlossen, dass Schulen und Gemeinschaftsgruppen das Zentrum nutzen sollten, um die multikulturellen und indigenen Gemeinschaften einzubeziehen sowie um durch Sport und Bildung den sozialen Zusammenhalt zu fördern.

„Unsere Hauptbeweggründe waren, den North Melbourne Football Club für Melbourne bedeutsam zu machen sowie mit Hilfe von Bildung und Sport als vereinigende Kräfte die multikulturelle Gemeinschaft einzubeziehen“, sagte Eugene Arocca, der Geschäftsführer des Vereins.

Erfolg – nicht nur im Football

Das Zentrum wurde unter der Bezeichnung The Huddle, the Learning and Life Centre im März 2010 eröffnet. Als Abteilung innerhalb des Vereins mit der konkreten Aufgabe, die lokale Gemeinschaft einzubeziehen, umfasst es einen Unterrichtsraum, eine Mehrzweckhalle, Tagungsräume und einen Hörsaal.

Das Programm in The Huddle dreht sich nicht nur um Football, sondern hat einen wesentlich breiteren Fokus durch drei Stränge zur Einbeziehung der Gemeinschaft.

  • Das Bildungsprogramm umfasst Tagesprogramme für Schüler zwischen 8 und 16 Jahren von lokalen Grund- und Sekundarschulen mit maßgeschneiderten Aktivitäten für Neuankömmlinge.
  • Das Hausarbeitsprogramm bietet Tutorien und Bildungsunterstützung für Jugendliche mit eingeschränktem oder fehlendem Zugang zum Internet und Angebote in den Schulferien, beispielsweise Lerntechniken, Fahrkurse und Freizeitaktivitäten.
  • Schlussendlich bietet der dritte Strang, Gemeinschaftsprogramme, Freizeitangebote für die Gemeinschaft.

„Alle Programme sind kostenlos für die Teilnehmer, weil Gebühren ein Hindernis für die multikulturelle Gemeinschaft sind“, erläuterte Sacha Herceg, Leiter der Abteilung Gemeinschaftsprogramme.

„Wir bieten Netzball, Volleyball sowie Journalismus- und Fotografie-Workshops an. Wir sind insofern einzigartig in der australischen Football-Liga, als wir Programme anbieten, die nicht ausschließlich auf Football beschränkt sind.“

Football ist aber immer noch ein wichtiger Teil der Arbeit der Kängurus. Führende Persönlichkeiten sich durch Vielfalt auszeichnender multikultureller Gemeinschaften wurden zu „Gemeinschaftsbotschaftern“ von North Melbourne ernannt, und Programmteilnehmer aus ausgewählten Gemeinschaften sind eingeladen, Spiele zu besuchen und Spieltechnik zu üben.

Die Spieler selbst nehmen ebenfalls am Unterricht teil. Für The Huddle wird sogar ein Blog geführt, in dem ein junger Spieler, der von dem Verein aus North Melbourne verpflichtet wurde, über den Weg seiner Familie aus dem Sudan nach Australien berichtet.

Die Einbeziehung der Gemeinschaft ist aus den Aktivitäten des Vereins nicht mehr wegzudenken. Als die Liga kürzlich eine Veranstaltung zum Thema Multikulturalismus im Sport durchführte, trugen viele Fans die in The Huddle verkauften T-Shirts mit dem Aufdruck „Unser Verein, unsere Gemeinschaft“, während Gemeinschaftsbotschafter über Twitter Meldungen in Sprachen wie Hindi und Mandarin verschickten.

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Stellen Sie sicher, dass Sie Ihre Gemeinschaft kennen – jede Gemeinschaft ist anders.
  • Finden Sie Organisationen/Vereine mit ähnlichen Zielen als Partner.
  • Bauen Sie ein Vertrauensverhältnis zu Ihrer Gemeinschaft auf.
  • Wahren Sie die Programmkonsistenz, beispielsweise in Bezug auf Zeiten und Veranstaltungsorte.
  • Und vergessen Sie nicht, dafür zu sorgen, dass Ihre Programme allen Spaß machen.

Themes: Leben, Sport


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Kontakt:

Sash Herceg , North Melbourne Football Club
Community Programs, PO Box 158
North Melbourne, VIC 3051 , Australia,

Direct Ph. 03 9320 2476
sash.herceg@kangaroos.com.au
http://www.kangaroos.com.au



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