Leben

Auckland, Neuseeland

Letzte Worte: kulturelle Ansätze zu Tod und Sterben

Funeral Directors Association of New Zealand (FDANZ)

March 24, 2011

Andere kulturelle Werte, Grundsätze und Praktiken anerkennen

„… wenn wir die vielfältigen Ansätze zum Tod in unserem Land studieren, lernen wir nicht nur etwas übereinander, sondern auch über uns selbst.” (Joris de Bres, 2005)

Mariam ist eine junge Flüchtlingsfrau aus Äthiopien, die als Verkäuferin in einem Geschäft in Wellington arbeitet. Als ihr Bruder in Äthiopien starb, wollte sie das tun, was der kulturellen Norm für eine Christin in ihrem Heimatland entsprach: als Ausdruck ihrer Achtung und ihrer Trauer ihren Kopf rasieren. Sie befürchtete allerdings, dass ihr Arbeitgeber dafür kein Verständnis haben und sie ihren Arbeitsplatz verlieren würde. Ihre Flüchtlingsberaterin ermutigte sie jedoch, das Thema gegenüber ihrem Arbeitgeber anzusprechen. Mariam befolgte ihren Rat und war überrascht, dass ihr Arbeitgeber respektvoll reagierte. Sie rasierte ihren Kopf, und ihr Arbeitgeber war damit einverstanden, dass sie bei der Arbeit hinter der Ladentheke ein Tuch oder einen Schal trug, wenn sie sich damit wohler fühlte.

Mariams Fall ist in der Veröffentlichung Last Words enthalten, und es wurde darüber auch in Zeitungen wie dem New Zealand Herald berichtet. Er veranschaulicht, wie wichtig in einer integrierten Gemeinschaft der Austausch mit anderen über kulturelle Werte, Grundsätze und Praktiken ist, gerade auch in Trauerzeiten.

Über Last Words
Last Words („Letzte Worte”) ist eine 200 Seiten umfassende Broschüre. Sie wurde vom Verband der neuseeländischen Bestatter (Funeral Directors Association of New Zealand – FDANZ) in Auftrag gegeben und 2005 veröffentlicht. Auf der Grundlage einer Veröffentlichung des Gesundheitsministeriums von 1987 wird in Last Words gewürdigt, wie unterschiedliche Gruppen in Neuseeland mit Todesfällen umgehen, und Hilfestellung bei entsprechenden Planungen gegeben. Die Broschüre richtet sich an Personen, die mit Sterbenden und Trauernden arbeiten, sowie an Personen, die Freunde, Nachbarn und Kollegen, die dem Tod nahe sind oder einen Todesfall bewältigen müssen, betreuen, unterstützen und verstehen möchten.

Die Veröffentlichung, die vom Neuseeländischen Beauftragten für Rassenbeziehungen, Joris de Bres, gebilligt wird, bietet Einblicke in die Grundsätze und Praktiken, die wahrscheinlich für unterschiedliche Gruppen von Neuseeländern wichtig sind: bestimmte Nahrungsmittel oder Hilfsmittel, der Trost, den vertraute Gebete und Rituale vermitteln, die Anwesenheit von Verwandten und Gemeinschaftsmitgliedern, Abschiedszeremonien oder Bestattungen.

Auf der Grundlage der Traditionen der größten Bevölkerungsuntergruppen in Neuseeland beschreibt das Handbuch 32 verschiedene ethnische, kulturelle und/oder religiöse Ansätze zu Tod und Sterben. Die Darstellungen basieren weitgehend auf Befragungen und persönlichen Erfahrungen, die eher Einblicke vermitteln als allgemeingültige Aussagen zu liefern, und sie sind im Kontext der Einwanderung nach Neuseeland zu betrachten. In Last Words wird jedoch darauf geachtet, anzuerkennen, dass es selbst innerhalb einzelner Gruppen große Vielfalt im Umgang mit dem Tod geben kann. „Es gibt keine Festlegungen”, sagte die Verfasserin Margot Schwass. „Wenn man eine Krankenschwester mit einem sterbenden Muslim in Bett 3 ist, kann man nicht eine Checkliste abarbeiten und sagen: ‚Ich muss das und das und jenes tun.‘ So einfach ist es nicht.”

Es wird auch dem Umstand Rechnung getragen, dass die Migration Auswirkungen auf die Kultur und die Religion gehabt und Veränderungen bestehender Praktiken ausgelöst hat. Beispielsweise wurde durch die anhaltende Zuwanderung von Chinesen nach Neuseeland die alte Tradition, Reis ins Grab zu werfen, wiederbelebt. „Dieser Brauch war verlorengegangen, wurde jedoch durch Neuankömmlinge wieder eingeführt”, erläuterte Frau Schwass.

Die Auswirkungen
Mit Sterben und Tod angemessen und vertraut umzugehen sowie ethnische, kulturelle und religiöse Überzeugungen und Praktiken zu beachten, hilft, eine emotionsgeladene Zeit durchzustehen. Es würdigt auch die Bedeutung solcher Überzeugungen und Praktiken unter oft sehr unterschiedlichen Umständen als dort, wo diese ihren Ursprung hatten. Anerkenntnis und Verständnis sind oft nicht ausreichend. Wie Dr. Rod Macleod von der Universität Auckland schreibt, sind Planung, Vorbereitung und Erfahrung wichtig: „Um richtig vorzugehen, muss man sich fragen, was zu tun ist und wie man helfen kann. … Wir müssen sicherstellen, dass Gesundheitspersonal die sozialen und kulturellen Aspekte von Leben und Tod feststellt, berücksichtigt und versteht, damit die Bedürfnisse von Patienten und ihren Familien bei der Annäherung an den Tod erfüllt werden. Planung und Vorbereitung werden gewährleisten, dass Praktiker die unterschiedlichen kulturellen Aspekte von Sterben und Tod verstehen sowie die Glaubenssysteme und die kulturellen Normen von Patienten achten.”

Die Dokumentation eines breiten Spektrums von Ansätzen zu Tod und Sterben ist für Pflegepersonal und Bestatter zu einer vielgenutzten Informationsquelle geworden. Wie der Vorsitzende des FDANZ, Neil Little vom Bestattungshaus Davis in Auckland, erläuterte, werden die Qualifikationen in der Bestattungsbranche innerbetrieblich erworben, was bedeutet, dass die Grundausbildung weitgehend in Bestattungsunternehmen stattfindet. „Viele Bestattungsfirmen haben ihre eigenen Ausbildungsprogramme zusammengestellt und ergänzen sie durch Ressourcen, die von woher auch immer verfügbar werden”, erläuterte er. Last words ist eine unschätzbare Informationsquelle für Personen, die in die Bestattungsbranche kommen, und ein exzellente Grundlage, um sich Kenntnisse über eine Reihe von Kulturen und Religionsgemeinschaften anzueignen. Das Handbuch war auch von Nutzen für manche unserer Kollegen in Altenheimen und privaten Krankenhäusern sowie Ausrichter von Trauerfeiern und Geistliche. Viele Mitglieder des FDANZ leisten in ihren Gemeinschaften Beratung für den Sterbefall, und die Veröffentlichung hat sich auch hierfür als nützlich erwiesen.”

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Interkulturelles Verständnis erfordert es, Rituale im Zusammenhang mit Geburten, Eheschließungen und Bestattungen zu berücksichtigen und anzuerkennen.
  • Verallgemeinern Sie nicht und seien Sie sich darüber im Klaren, dass es innerhalb von Kulturen und Religionsgemeinschaften unterschiedliche Praktiken geben wird.
  • Stellen Sie sicher, dass die Informationen in Broschüren und Handbüchern zum Thema Vielfalt verlässlich bei Personen vor Ort erhoben wurden und ihre tatsächlichen Praktiken wiederspiegeln. Kulturen und lokale Gebräuche sind nicht statisch, werden durch das Umfeld beeinflusst und können sich im Lauf der Zeit verändern.
  • Ein veröffentlichter Leitfaden bietet Informationen, ist jedoch keine Alternative zu persönlichem Kontakt. Fragen Sie immer, was Sie tun sollten und wie Sie helfen können. Sie werden große Unterschiede der Praktiken und Gebräuche vorfinden.

Maytree