Leben

Boise, Vereinigte Staaten

Freunde gewinnen und Träume teilen: Internationales Sommerprogramm für Jugendliche

Stadtverwaltung von Boise, Amt für Parks und Freizeit

April 17, 2013

Ein Sommerprogramm bringt Schüler aus der Flüchtlingsgemeinschaft mit gleichaltrigen Einheimischen zusammen, um neue Freundschaften und gegenseitiges kulturübergreifendes Verständnis zu fördern.

Wenn Flüchtlingsfamilien aus weit entfernten Länden wie Burma, Bhutan, dem Irak oder der Demokratischen Republik Kongo in Boise im amerikanischen Bundesstaat Idaho eintreffen, geschieht dies mit großen Erwartungen für eine bessere Zukunft, die sich nicht zuletzt auf Bildung für ihre Kinder richten.
Viele Flüchtlingseltern sind überrascht, wenn sie erfahren, dass in den Vereinigten Staaten der Schulunterricht im Sommer für drei Monate unterbrochen wird — Zeit, in der ihre Kinder nichts zu tun haben, sodass sich die Eltern häufig fragen, wie ihre Kinder weiter lernen werden und in ihrem neuen Schulumfeld heimisch werden sollen. Aus wissenschaftlicher Sicht hat die Erfahrung gezeigt, dass die meisten Schüler einen Teil des in der Schule erworbenen Wissens wegen der langen Unterbrechung wieder einbüßen.

Die lange Sommerpause ist für diese jungen Menschen nicht gut. Für Schüler mit begrenzten Englischkenntnissen kann der Wissensverlust so groß werden, dass er mehreren Monaten Unterricht entspricht, wodurch sich ihr Leistungsgefälle gegenüber den englischsprechenden Gleichaltrigen aus Familien mit höherem Einkommen de facto vergrößert. Zusätzlich zu einer steileren Lernkurve sind Flüchtlinge auch in Bezug auf die soziale Anpassung und die Integration im öffentlichen Schulsystem mit großen Hindernissen konfrontiert.

Als die Gefahr bestand, dass die Sommerprogramme der Schulen in Boise und andere Möglichkeiten für Mittelschüler aufgrund von Mittelkürzungen des Bundesstaats nicht mehr stattfinden konnten, stellte sich eine Gruppe lokaler Akteure der Herausforderung, eine Lösung zu finden.

Kollektives Handeln

Im Frühjahr 2012 berief das Flüchtlingsbehörde von Idaho eine Gruppe von Akteuren mit dem Ziel zusammen, einen Plan zur Bekämpfung der negativen Auswirkungen von Programmkürzungen zu prüfen. Auf diese Weise sollte es Flüchtlingskindern ermöglicht werden, während der Sommerpause weiterhin aktiv an Lern- und Sozialisierungsmaßnahmen teilzunehmen. Die Gruppe umfasste Lehrer und Mitarbeiter der Schulverwaltung aus den Schulbezirken von Boise und dem angrenzenden Meridian, von Behörden zur Ansiedlung von Flüchtlingen, des Amts für Parks und Freizeit der Stadtverwaltung von Boise, der State University und von lokalen Organisationen wie der YMCA. In einer Reihe von Sitzungen zur Ideenfindung und zur Planung entstand das erste Internationale Sommerprogramm für Jugendliche von Boise, das sich auf das Konzept der wechselseitigen Weitergabe von Erfahrungen (Peer Mentoring) und des interkulturellen Austauschs stützt.

Wenngleich die Planer über umfangreiche Erfahrungen mit der Entwicklung von Programmen für Jugendliche verfügten, war der Gedanke, Schüler aus Flüchtlingsfamilien mit einheimischen Gleichaltrigen zusammenzubringen, neu. Die Planungsgruppe begann mit einem kleinen Projekt, um die Umsetzbarkeit des Konzepts zu erproben. Als Zielgruppe wählte sie Jugendliche im Mittelschulalter (Klassen 6 bis 8) aus und verständigte sich darauf, die Teilnahme kürzlich eingetroffenen Schülern aus Flüchtlingsfamilien und gleichaltrigen einheimischen Schülern mit schulischen oder sozialen Problemen anzubieten. Eine spezielle Werbemaßnahme wurde durchgeführt, um amerikanische Jugendliche und ihre Familien mit Interesse an Kultur- und Sprachaustausch zu erreichen. Die Ziele des zweiwöchigen Programms waren, Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien in die Bevölkerung von Boise einzuführen, schulische und kulturelle Kompetenzen zu fördern und alle Schüler dazu zu bringen, Weltkulturen eine höhere Wertschätzung beizumessen.

Wer bin ich? Selbstportraits entwerfen

Die Programmaktivitäten umfassten kreative Methoden, um den Schülern zu helfen, Vorstellungen von persönlicher rund kultureller Identität zu erforschen. Die Programmreferentin Revital Zilonka, die derzeit an einer Doktorarbeit über zweisprachigen Unterricht arbeitet, entwickelte eine Aktivität zur Auseinandersetzung mit der Frage “Wer bin ich?”. Die Schüler begannen damit, ihre eigenen „Lebenskarten“ zu erstellen. Sie wurden gebeten, darüber nachzudenken, wie eine Lebenskarte aussehen könnte und wie ihre Sprache, ihre Kultur und ihre Erfahrungen diese Karte beeinflussen würden. Die Schüler diskutierten darüber, wie sich Geografie auf Kultur und Sprache auswirkt und in welcher Beziehung Kultur und Sprache zu Geschichte und Zuwanderung stehen. Jeder Schüler bastelte dann unter Verwendung von Symbolen, Ausschnitten aus Zeitschriften und anderen Bildern sowie eigenen Zeichnungen ein lebensgroßes Selbstportrait. Durch diese Aktivität erhielt jeder Schüler eine Möglichkeit, persönliche Kreativität zum Ausdruck zu bringen und sie mit ihrer Kultur und ihren Erfahrungen zu verknüpfen. Außerdem gab es Möglichkeiten zum Miteinander, wenn die Schüler einander halfen, ihre Umrisse auf das Papier zu bringen.

Die Diskussionsthemen reichten von Kinderrechten bis zu der Frage, wie eine perfekte Welt aussehen könnte. Ein Schüler dachte an Gleichheit, ein anderer an Ernährungssicherheit und noch ein anderer an „keine Schikanierung; alle sind mit allen befreundet und haben sich gern; es gibt keine Armen, und niemand ist zu reich, und niemand wird danach beurteilt, wo er herkommt“.

Es ging jedoch nicht immer so ernst zu. Ein wichtiger Teil des Sommerprogramms war tägliche körperliche Betätigung. Das Spiel der Wahl? Fußball.

Dauerhafte Wirkung

Rachel und Fatimah beim Internationalen Sommerprogramm von Boise, 2012. Mit Genehmigung des Boise Weekly

Aussagen von sowohl Schülern als auch Eltern belegen die Wirkung und den Wert des Internationalen Sommerprogramms für Jugendliche. Rachel, eine Mittelschülern aus Boise, zeigte sich überrascht von ihrer Erfahrung. „Ich dachte, alle — die Menschen aus unterschiedlichen Ländern auf der ganzen Welt — wären so unterschiedlich“, sagte sie. „Als ich hierhin kam, erkannte ich, dass alle mehr oder weniger gleich sind. Manche Menschen haben eine unterschiedliche Hautfarbe oder sprechen eine andere Sprache, aber das ist alles.“ Während des zweiwöchigen Programms freundete sich Rachel vor allem mit Fatimah an, deren Familie kürzlich aus dem Irak in Boise eingetroffen war.

Ein Elternteil einer anderen Schülerin berichtete: „Die Freundin meiner Tochter war beeindruckt von den Jugendlichen aus Flüchtlingsfamilien und davon, wie tapfer sie in ihrem jungen Leben bereits gewesen sind — nicht nur während Krieg und Unruhen, sondern auch indem sie in ein neues Land kommen und dort zur Schule gehen, obwohl sie nicht die Sprache sprechen. Beide Mädchen freundeten sich mit Flüchtlingsmädchen an.“

Erfolg

Die mit lokalen Organisationen und Behörden geschlossenen Partnerschaften waren ein unentbehrlicher Faktor für den Gesamterfolg des Programms, das sich auf diese Weise auf die Infrastruktur und die Fachkenntnisse der beteiligten Akteure stützen konnte. Für Paul Schoenfelder, Sachbearbeiter beim Amt für Parks und Freizeit der Stadtverwaltung von Boise, war Zusammenarbeit der Schlüssel für den Programmerfolg: „Wir konnten uns bei der Programmdurchführung auf die Stärken und die Ressourcen der Organisationen stützen. Das Amt für Parks und Freizeit der Stadtverwaltung von Boise verfügt über den Hintergrund, die Kompetenzen und die Infrastruktur für die Durchführung eines Sommerlagers.“ Die Schulbezirke, die Charter Schools und die Flüchtlingsbehörden konnten Schüler und ihre Familien erreichen, während die Boise State University Unterstützung in Bezug auf den Lehrplan leistete und half, die Programmreferentin anzuwerben. Zu den anderen Gemeinschaftsressourcen zählten die Nutzung des örtlichen Gemeinschaftszentrums als Programmzentrale sowie Hilfspersonal, Beförderungsmittel für Ausflüge, ein Registrierungssystem zur Anmeldung bei dem Programm und ein Stipendienfonds der Stadtverwaltung, den Jugendliche aus Familien mit niedrigem Einkommen in Anspruch nehmen konnten.
Der Wert des Sommerprogramms für alle Beteiligten war immens, und es werden bereits Pläne für eine zweite Auflage im Jahr 2013 geschmiedet. Die Programmreferentin Revital Zilonka sagte: „Das Überraschendste [für mich] war mit Jugendlichen kommunizieren zu können, die überhaupt kein Englisch sprachen. … Nicht englischsprechende und englischsprechende Jugendliche schmiedeten Freundschaften, arbeiteten zusammen, spielten zusammen, teilten Lebensmittel miteinander, nahmen zusammen an vielen Aktivitäten teil und hatten Spaß. Es war eine der besten Erfahrungen, die ich je hatte, sowohl als Mensch als auch als Pädagogin. Es war eine sehr schöne und kostbare Erfahrung, Teil dieses zweiwöchigen Sommerlagers dieser Kinder zu sein.“

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Bringen Sie unterschiedliche Gemeinschaften dort zusammen, wo sich einzelne Gemeinschaftsmitglieder im Alltag treffen: auf dem Spielplatz und in Freizeiteinrichtungen, Einkaufszentren oder Schulen in der Nachbarschaft. Es kommt darauf an, zusammen etwas zu unternehmen.
  • Informieren Sie auch allgemeiner über Ihr Projekt, sodass nicht nur diejenigen, die direkt beteiligt sind und die von der kulturübergreifenden Erfahrung profitieren, etwas darüber erfahren. Die ganze Gemeinschaft sollte die positiven Geschichten von Menschen kennenlernen, die über die Trennlinien zwischen Rassen und Ethnien hinweg zusammenkommen, um einander besser zu verstehen.
  • Das Engagement von Kommunalverwaltungen aufrechtzuerhalten, kann schwierig sein. Dies gilt insbesondere nach personellen Veränderungen. Es ist wichtig, die verschiedensten Kommunalbehörden in Ihre Arbeit einzubeziehen und die Unterstützung einflussreicher Persönlichkeiten sowohl innerhalb als auch außerhalb der Verwaltung zu gewinnen. Ressortübergreifende Anstrengungen sind am nachhaltigsten.

Maytree