Leben

Birmingham, Vereinigtes Königreich

Die Schwangerenversorgung migrantinnenfreundlich gestalten

West Midlands Strategic Migration Partnership

September 3, 2013

Die Erfassung des Gesundheitsbedarfs von Migrantengemeinschaften rückt die Müttergesundheit ins Rampenlicht

Viele überarbeitete Gesundheitspraktiker empfinden schwangere Migrantinnen als lästig.

2006 entfiel ein Fünftel aller Geburten in der britischen Region West Midlands auf Frauen, die außerhalb Großbritanniens geboren worden waren.

Neue Untersuchungen haben die Schwierigkeiten von Migrantinnen, die ein Kind zur Welt bringen, und die komplexen Bedürfnisse dieser häufig marginalisierten Bevölkerungsgruppe deutlich gemacht. Die West Midlands Strategic Migration Partnership (WMSMP) erklärte die Müttergesundheit zu einer strategischen Priorität.

Die WMSMP entstand 1999 als Reaktion auf die in Großbritannien damals eingeführte Politik der Aufteilung von Migranten auf die Regionen. 2007 erweiterte sie ihr Tätigkeitsspektrum auf die Integration von Flüchtlingen und schutzbedürftigen Migranten. Die Partnerschaft wird von den Städten in der Region West Midlands finanziert und zielt auf die Verbesserung des Wissens über Migrantenbevölkerungen sowie die Förderung des Zugangs zu öffentlichen Leistungen und der Teilhabe von Migranten durch einen organisationsübergreifenden Ansatz, der Erbringer gesetzlicher Leistungen wie Primärversorgungsverwaltungen, Organisationen des freiwilligen Sektors und den britischen Grenzschutz einschließt.

In der Region die speziellen Bedürfnisse von Migrantenbevölkerungen in Bezug auf die Mütterfürsorge zu ermitteln, war ein wichtiger erster Schritt. 2008 trug die WMSMP zur ersten je durchgeführten Erhebung der Auswirkungen von Migration auf die Gesundheit von Müttern in Birmingham bei. Der Bericht mit dem Titel Maternity, mortality and migration: the impact of new communities („Mutterschaft, Sterblichkeit und Migration: die Auswirkungen neuer Gemeinschaften“) ermittelte eine mögliche Verknüpfung zwischen Migration und höherer Säuglingssterblichkeit. Zusammen mit dem Bericht abgegebene Empfehlungen betrafen die Forderung nach einer besseren Koordinierung zwischen Gesundheitsakteuren, die Notwendigkeit, Sprachbarrieren zu überwinden, sowie bessere Information und Ausbildung von Gesundheitspersonal.

Zwei Jahre später stellte die Partnerschaft die Veröffentlichung Migrant Friendly Maternity Services Toolkit („Instrumentarium für migrantinnenfreundliche Schwangerenversorgung“) vor, die auf zusätzlichen Empfehlungen in einem Bericht der Universität Birmingham von 2010 mit dem Titel Delivering in an age of super-diversity („Niederkunft in einer Zeit der Supervielfalt“) basierte. Das Instrumentarium bietet örtlichen Leistungsanbietern aktuelle Informationen und Orientierungshilfe für den Umgang mit Migrantengruppen und die Nutzung erfolgreicher Fallstudien in der Praxis.

Zur Weiterführung ihrer Arbeit auf der systemischen oder institutionellen Ebene hat die WMSMP auch einen Schulungskurs entwickelt, um Gesundheitspraktikern, Gemeinschaftsgruppen und politischen Entscheidungsträgern zu helfen, ihr Wissen und ihr Verständnis in Bezug auf Fragen im Zusammenhang mit dem Zugang zu Gesundheitsversorgung in Migrantengemeinschaften zu verbessern. Zu den sonstigen Aktivitäten zählt, Veranstaltungen wie Seminare und Informationsgespräche durchzuführen sowie das Engagement auf der lokalen Ebene mit ihren regionalen und nationalen Partnerorganisationen in Kontakt zu bringen.

Erfolg

Weitere Projekte der WMSMP umfassen das Projekt Hope („Hoffnung“) in Birmingham, das mittellose Schwangere und Frauen, die gerade entbunden haben, beim Zugang zu Gesundheitsversorgung unterstützt. Die Primärversorgungsverwaltung hat auch Frauen aus von Deprivation betroffenen Gemeinschaften zu Schwangerenberaterinnen ausgebildet, um Frauen zu helfen, Zugang zu den von ihnen benötigten Leistungen und zu Unterstützung zu erhalten. Das MAMTA-Programm in Coventry zielt auf die Stärkung der Rechte von Frauen und die Verbesserung der Mutter-und-Kind-Gesundheit für schwarze Frauen und Frauen, die ethnischen Minderheiten angehören. Bei einem anderen Pilotprojekt arbeiten Hebammen mit Asylsuchenden (das Projekt finanziert die kostenlose Schulung von zwei Gruppen von Hebammen in Coventry und Birmingham). Bei der Überprüfung lokaler Gesundheitsdienste durch die Organisation Race for Health wurde Wolverhampton besonders für die engagierte Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse von Migranten gelobt.

Die Strategie zum Thema Müttergesundheit ist nur eine der vielen Prioritäten der WMSMP, zu denen darüber hinaus unbegleitete asylsuchende Kinder, Migranten ohne Zugang zu öffentlichen Mitteln, die Förderung der besonderen Berücksichtigung von Flüchtlingen und Migranten durch Organisationen in den Bereichen Wohnen und Beschäftigung sowie die Entwicklung weiterer Partnerschaften in der Region zählen. Sie hat 2009 auch die Informationsbroschüre „Where Our Journeys Meet“ veröffentlicht, die zu einem besseren Verständnis des Asylverfahrens und der Erfahrungen von Menschen mit einem Flüchtlings- oder Migrationshintergrund beitragen soll. Sie enthält Materialien, um das Bewusstsein zu schärfen, gute Praxis zu entwickeln sowie Mythen und Falschinformationen über Migranten zu widerlegen.

Die Internationale Arbeitsorganisation und das Social Care Institute of Excellence haben die Arbeit der West Midlands Strategic Migration Partnership gewürdigt.

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Dokumentieren und analysieren Sie Migrantenbevölkerungen in Ihrem Gebiet, um zugunsten besserer Planung und Erbringung von Dienstleistungen deren besondere Bedürfnisse zu verstehen.
  • Schließen Sie sich mit lokalen wissenschaftlichen Einrichtungen zusammen, um Zugang zu Forschung und Analysen hoher Qualität zu erhalten.
  • Strecken Sie die Fühler in beide Richtungen aus: Migrantengemeinschaften und Anbieter von Dienstleistungen.
  • Geben Sie gewonnene Einsichten weiter. Dokumentieren Sie Erfahrungen, verbreiten Sie sie an Leistungserbringer sowie in vorderster Linie tätiges Personal und bieten Sie für diese Zielgruppe Schulungen an.

Maytree