Leben

Auckland, Neuseeland

Mit Fußball fängt es an

Die Initiative „Refugees in Sport“ der Organisation Refugees as Survivors (RAS)

March 23, 2012

Die für jeden verständliche Sprache des Sports kann der Isolation junger Flüchtlinge entgegenwirken und gleichzeitig ein Gefühl von Gemeinschaft und Zugehörigkeit fördern.

Wie Musik kann auch Sport helfen, kulturelle und ethnische Unterschiede zu überwinden, eine Gemeinschaft zu mobilisieren sowie ein Gefühl des Vertrauens und der Zugehörigkeit zu schaffen.

Für viele Neuankömmlinge lassen die praktischen Notwendigkeiten, beispielsweise eine Wohnung, eine Schule und eine Arbeit zu finden, kaum Raum und Zeit für andere Interessen oder lokale Angebote.

„Bei all den anderen Problemen der Neuansiedlung ist Sport sicher das letzte, an das sie denken“, sagte Dr. Arif Saeid, Sachbearbeiter für kommunale Dienstleistungen bei Refugees as Survivors („Flüchtlinge als Überlebenskünstler“), einer gemeinnützigen Organisation zur Förderung der psychischen Gesundheit von Flüchtlingen, die auch Dienstleistungen im Bereich Kommunalentwicklung erbringt.

Für Saeid ist das eine verpasste Chance.

Ein wundervolles Spiel

In der neuseeländischen Großstadt Auckland wird Fußball bewusst als strategisches Instrument eingesetzt, um der sozialen Isolation junger Flüchtlinge entgegenzuwirken und ihnen dabei zu helfen, ein Gefühl von Gemeinschaft und Zugehörigkeit zu entwickeln – sowohl untereinander als auch im Hinblick auf die Gesellschaft allgemein.

Die Initiative Refugees in Sport („Flüchtlinge im Sport“) wurde 2006 von RAS ins Leben gerufen.

Nachdem die Organisation eine Reihe von Anhörungen auf kommunaler Ebene durchgeführt hatte, erkannte sie, dass Programme benötigt wurden, die jugendlichen Flüchtlingen besseren Zugang zu den etablierten Sportarten ermöglichen und ihnen einen sicheren Ort bieten würden, um andere Jugendliche zu treffen, die ihre Erfahrungen teilten und verstanden.

Anfänglich wurde ein Schwerpunkt auf Fußball gesetzt, da man davon ausging, dass diese Sportart den meisten Angehörigen der Zielgruppe gefallen würde. Gleichzeitig wirkte man Problemen entgegen, die als die Hindernisse identifiziert wurden, die Flüchtlinge davon abhielten, an Aktivitäten auf kommunaler Ebene teilzunehmen. Dies waren beispielsweise Kosten für Dienstleistungen, Sprachprobleme und kulturelle Unterschiede.

„Fußball ist eine für jeden verständliche Sprache und Kultur. Fußball hat seine eigene Kultur, und man braucht keine (spezielle) Sprache. Man kann in einer Mannschaft mitspielen“, sagte Dr. Saeid. „ Fußball ist ein Integrationsinstrument, das dazu beiträgt, dass Flüchtlinge sich besser in die Gemeinschaft einbringen und sich besser einleben können.“

Partnerschaften schließen

In Partnerschaft mit dem Fußballverband von Auckland und lokalen Fußballvereinen (mit Unterstützung der Stadt Auckland) entwickelte RAS eine Reihe praxisorientierter Programme, um Flüchtlinge dabei zu unterstützen, besseren Zugang zu den etablierten Sportarten in Neuseeland zu erhalten.

Die Initiative Refugees in Sport stellt jungen Spielern jetzt einen „Ausweis“ für die lokalen Fußballvereine aus und gewährt ihnen finanzielle Unterstützung für die Mitgliedschaft (über einen Unterstützungsfonds erhalten Flüchtlingsfamilien 50 Prozent der Vereinsbeiträge und eine Ausrüstung für ihre Kinder – sowohl für Jungen als auch für Mädchen).

Gemeinsam mit der dem Fußballverband von Auckland gründete RAS auch die „All Refs“ („alles Flüchtlinge“) ins Leben, eine Fußballmannschaft, die nur aus Flüchtlingen besteht (mit Trikot, Hose und Stulpen im Blau der Vereinten Nationen!). Die Mannschaft wird von einer privaten Firma – Malcolm Pacific Immigration Consultancy – gesponsort und tritt gegen Lokalmannschaften an. Es wurden Freundschaftsspiele organisiert, um die Spieler und ihre Familien miteinander bekannt zu machen, und auch Trainingskurse und Workshops wurden angeboten.

Das Programm wurde inzwischen erweitert und bietet jetzt auch andere Sportarten wie Kricket und Kampfsport an. Ein weiterer Fonds wurde ebenfalls eingerichtet, der Mädchen mit Flüchtlingshintergrund ermutigen soll, ebenfalls bei Mannschafts- und Einzelsportarten wie beispielsweise Tennis und Schwimmen mitzumachen.

Erfolg

„Flüchtlinge aus allen Ländern und allen Sprachgruppen lieben Fußball. Viele unserer Gruppen brauchen nur einen Platz zum Spielen und ein bisschen Unterstützung“, sagte Dr. Saeid. Er war früher praktischer Arzt bei Ärzte ohne Grenzen in Afghanistan und erinnert sich gut an die düsteren Tage, als Sport in seinem Heimatland verboten war, und daran, welche lähmenden Auswirkungen das auf die Gemeinschaft hatte.

Mehr als 400 Jugendliche haben bisher an dem Programm teilgenommen und sind besser in die Gesellschaft allgemein integriert, sind weniger sozial isoliert und zeigen mehr Selbstbewusstsein und kulturellen Stolz.

„Dank RAS können wir unser Talent in der Öffentlichkeit demonstrieren und etwas tun, das uns wirklich Spaß macht“, sagte der Kapitän der All Refs, Mohammed Shakir Nesar. „Unsere Mannschaft ist nach Hamilton, Whangarei und Wellington gefahren und hat dort gegen die lokalen Vereine gespielt. Wir sind nun nicht mehr eine reine Flüchtlingsmannschaft, sondern haben Neuseeländer und Europäer in unserem Team.“

RAS hat auch dafür gesorgt, dass Projekte angeboten werden, durch die die Teilnehmer noch mehr Eigenverantwortung und Handlungskompetenz bekommen. Ein Beispiel dafür ist, die Fußballspieler zu Übungsleitern auszubilden. Zwölf von ihnen wurden mit Unterstützung von NZ Football für eine Ausbildung ausgewählt.

Im Jahr 2009 erweiterte RAS sein Angebot um ein neues Programm, das Refugee Youth Action Network, das sich schwerpunktmäßig um die Ausbildung einer neuen Generation von Jugendleitern aus den verschiedenen Flüchtlingsgemeinschaften bemüht. In der Pilotphase wurde 90 jungen Menschen eine Ausbildung als Jugendleiter für Freiluftaktivitäten ermöglicht, und 2011 eröffnete RAS ein neues Jugendzentrum für das Projekt.

Die New Zealand Human Rights Commission hat die Initiative Refugee in Sport als Teil ihres Diversity Action Program (ein Aktionsprogramm zur Förderung der Vielfalt) anerkannt.

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Hören Sie sich in der Gemeinschaft um, um mehr über die Probleme zu erfahren, mit denen sie konfrontiert ist. Anschließend überprüfen Sie die vorhandenen Dienstleistungen im Hinblick auf Hindernisse oder Lücken im Dienstleistungsangebot.
  • Beziehen Sie die gesamte Gemeinschaft mit ein (Flüchtlingseltern, Lehrer usw.) und erkennen Sie deren Beitrag an.
  • Wer sind Ihre Partner auf kommunaler Ebene? Sie können bessere Ergebnisse erzielen, wenn Sie mit anderen kooperieren. Die Survivor Soccer Initiative beispielsweise brachte den lokalen Sport-Dachverband, den Privatsektor und die Stadt Auckland zusammen.
  • Bauen Sie auf Ihren Stärken auf! Wenden Sie funktionierende Programm-Modelle auf neue Zielgruppen und Programmbereiche an – von Fußball über Kricket ... bis hin zu Kochen oder Bridge-Klubs!

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Kontakt:

Dr. Arif Saeid Community Services Manager, Refugees As Survivors New Zealand
251 Massey Road Mangere P.O. Box 22-315 Otahuhu, Auckland

Tel: (09) 270-1251
arif@rasnz.co.nz http://www.aucklandras.org.nz/


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