Leben

Rheine , Deutschland

Offene Moscheen gegen Vorurteile

Projektgruppe Migration

March 24, 2011

Offene Türen tragen zum Aufbau offener Gemeinschaften bei

Das Unbekannte, in diesem Fall symbolisiert durch die charakteristische Architektur religiöser Bauten, kann Furcht einflößen. Ob es nun das Fremdartige ist oder ein angeborener Respekt vor den heiligen Räumen einer anderen Kultur, jedenfalls zögern die meisten von uns, unvertraute religiöse Bauten zu betreten. Als Nichtmitglied ohne eine offene Einladung oder einen Grund für den Besuch oder als jemand, der die Gebräuche nicht kennt oder nicht weiß, wie man aufgenommen werden wird, wird man in den meisten Fällen draußen bleiben. Infolgedessen können religiöse Bauten zu Hindernissen für interkulturelle Verbindungen in einer Gemeinschaft und zu Symbolen für Trennendes und Differenzen werden.

In der deutschen Stadt Rheine erkannten die Verantwortlichen auf der kommunalen Ebene, dass die örtliche muslimische Gemeinschaft in der Gesamteinwohnerschaft zunehmend isoliert und entfremdet wurde. Die Stadtverwaltung richtete ihr Programm „Offene Moscheen gegen Vorurteile“ mit dem Ziel ein, Vorurteile und Befürchtungen in beiden Bevölkerungsgruppen zu beseitigen und an ihre Stelle Vertrauen und Offenheit zu schaffen. Wie? Durch die Einrichtung eines interkulturellen Dialogs zwischen türkischstämmigen Muslimen, einheimischen Christen und der gesamten Bevölkerung.

Rheine liegt an einem historischen Handelsweg nahe der deutsch-niederländischen Grenze und ist seit der Industrialisierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts Zielort für Zuwanderer. Derzeit stammen die zwei größten Gruppen im Ausland geborener Einwohner aus der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien. Beide Gemeinschaften sind überwiegend muslimisch. Die wachsende Migrantenbevölkerung der Stadt ist typisch für Deutschland insgesamt, das die größte muslimische Bevölkerung in Westeuropa nach Frankreich verzeichnet und für sich eine moderne Zukunftsvorstellung als eine „Nation von Zuwanderern“ akzeptiert hat.

Einladung zur Teilnahme
Die Stadtverwaltung von Rheine wandte sich unmittelbar an die Moscheen in der Stadt, um die religiösen Autoritäten zu überzeugen, ihre Bauten und Gemeinschaften allen Bewohnern der Stadt zu öffnen.

Das Ersuchen war eine scheinbar einfache Idee, die erfolgreich war und signifikante Resultate hervorbrachte.

Mit Unterstützung der Stadtverwaltung veranstalteten die Moscheen „Tage der offenen Tür“ für Besucher aus allen Teilen der Bevölkerung. Die Besucher lernten die Bedeutung der unterschiedlichen religiösen Zeremonien kennen und wurden über islamische Glaubensvorstellungen und Kulturen informiert. Im Gegenzug luden die protestantischen und katholischen Glaubensgemeinschaften die türkische Gemeinschaft ein, an christlichen Gottesdiensten teilzunehmen. Dieser Austausch zwischen den Kulturen war so erfolgreich, dass nach kürzester Zeit interreligiöse Gottesdienste mit dem Imam durchgeführt wurden.

Erfolg
Die Öffnung der Moschee ermöglichte es, verbreitete Vorurteile ab- und Vertrauen zwischen den beiden Gemeinschaften aufzubauen. Der Erfolg des Programms gab den Anstoß zu weiteren Initiativen, welche die interkulturelle Kommunikation vertiefen und die Verbindungen zwischen den verschiedenen Religionsgemeinschaften stärken sollten.

Die Schulen in der Stadt begannen, islamische Feiertage im Unterricht zu begehen, und luden alle Eltern ein, um die Lernerfahrung weiterzugeben und diese Integrationsmöglichkeit mehr Personen zugänglich zu machen. In einem anderen Fall wurde gemeinsam ein christlich-islamisches Friedensgebet organisiert und gefeiert. Mehrere Moscheen begannen, Kopien der Freitagsgebete in deutscher Sprache zu drucken, um den Inhalt an die breite Bevölkerung zu vermitteln. Dies trug auch dazu bei, unbegründete Befürchtungen über das auszuräumen, was in der Moschee gepredigt wurde.

Um auf den Gemeinschaftsanstrengungen an der Basis aufzubauen, knüpfte das Bürgermeisteramt eine besondere Beziehung zu den Büros der Imame. Beispielsweise machte es sich zur Regel, jeden neu ernannten Imam formell willkommen zu heißen und zu beglückwünschen. Diese inklusive Einstellung erstreckt sich mittlerweile über die muslimische und die christliche Gemeinschaft hinaus. Jüngst wurde in der ganzen Stadt Divali, das hinduistische Lichterfest, gefeiert.

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Halten Sie zunächst nach einfachen Lösungen Ausschau. Sie können dazu beitragen, Problemknoten zu entwirren.
  • Vertrauen zu schaffen, ist eine wichtige Voraussetzung für gute Beziehungen zwischen Gemeinschaftsgruppen.
  • Ist Ihre Organisation für Nichtmitglieder oder Personen von außerhalb Ihrer Gemeinschaft offen oder geschlossen? Was können Sie tun, um eine Kultur der Offenheit zu fördern?
  • Eine neutrale dritte Partei wie ein Vertreter der Stadtverwaltung eignet sich häufig am besten dazu, Beziehungen zwischen religiösen und kulturellen Gemeinschaften anzubahnen.

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Kontakt:

Mustafa Tunceli
Projektgruppe Migration
Klosterstraße 14
Rheine,
48431
49 5971 939 391
mustafa.tunceli(at)rheine.de
http://www.rheine.de



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