Planen

Oslo, Norwegen

Oslo XL

Stadt Oslo

March 24, 2011

Die Stadtverwaltung für ihre Integrationspolitik rechenschaftspflichtig machen

Bei Oslo denkt man wahrscheinlich wie bei vielen anderen neuen Zielstädten von Migranten eher an Berge und Fjorde als an eine pulsierende Großstadt oder ihren Erfolg bei der Integration von Neuankömmlingen.

Geografisch fernab der großen Migrationsrouten und ohne koloniale Vergangenheit ist Oslo von Migrationstrends lange relativ unberührt geblieben. Norwegen war bis vor kurzem per Saldo ein Auswanderungsland.

Dies ist heute nicht mehr der Fall. Oslo ist zu einem wichtigen Aufnahmezentrum für Asylbewerber und Flüchtlinge geworden und im Verhältnis zur Einwohnerzahl eines der größten in Europa.

Die Stadtverwaltung von Oslo hat zudem Vielfalt und die Ideale der Inklusivität und der Eintracht zu Bestandteilen der Identität der Stadt erklärt.

OXLO – Oslo Extra Large
Nach einem rassistischen Mord startete die Stadtverwaltung von Oslo im Juni 2001 eine öffentlichkeitswirksame Kampagne zur Pflege und Förderung kultureller Vielfalt. Sie verabschiedete einstimmig eine Entschließung und eine Charta, in denen die Gleichheit aller Bürger anerkannt und eine Verpflichtung zu Toleranz sowie zu gegenseitigem Respekt und Verständnis festgeschrieben wurden.

Das Ergebnis war OXLO, die Kampagne „Oslo Extra Large“.

Auf der Grundlage eines speziellen Wertedokuments der Stadtverwaltung mit dem Titel „Oslo – eine Stadt für alle“ wurde die OXLO-Kampagne zu einem wichtigen Teil der übergeordneten Stadtplanungsstrategie. Das Dokument wurde zu einem Grundpfeiler des Aktionsplans der Osloer Stadtverwaltung gegen Rassismus, Nazismus und Intoleranz sowie ihres Aktionsplans für Gleichbehandlung in kommunalen Beschäftigungsverhältnissen. Beide Maßnahmen dienten dem Ziel, die Stadt toleranter und frei von Rassismus sowie Vorurteilen zu machen.

OXLO – Oslo Extra Large ist eine langfristige Bewusstseinsbildungskampagne. Durch eine zielgerichtete Einflussnahme auf die Aktivitäten der Bürger und der Stadtverwaltung soll die norwegische Hauptstadt zu einer toleranteren Stadt gemacht werden. „Die Stadtverwaltung von Oslo soll, was die Mitarbeiter und die Leitung der Verwaltung sowie die von ihr erbrachten Dienstleistungen betrifft, zu einem Spiegelbild der Vielfalt ihrer Einwohner werden.“

Hauptzielgruppe der Kampagne waren ursprünglich Kinder und Jugendliche, sodass sie unter anderem subventionierte Kindergärten, Aktivitäten an Schulen, Anerkennungspreise für Zuwanderer und Newsletter aus dem Kulturbereich umfasste. Die nächste Generation auf die interkulturelle Stadt der Zukunft vorzubereiten, war Bestandteil der anfänglichen Strategie. Ebenfalls berücksichtigt wurde, dass die sozialen Netzwerke von Kindern und Jugendlichen riesig sind, weil sie Freunde, Angehörige und Mitschüler umfassen, und dass Schulen selbst wichtige Informationsdrehscheiben sind.

2005 erhielt die OXLO-Kampagne mit ihrem großzügigen Gesamtansatz zu Vielfalt von der Stadtverwaltung den weitergehenden Auftrag, sich nicht mit gutem Willen und symbolischen Gesten zufrieden zu geben, sondern die Stadtverwaltung für ihre Politik Rechenschaft ablegen zu lassen. Die Administration führte eine Reihe von gesamtstädtischen Maßnahmen zur Verbesserung der kulturellen Vielfalt durch aktive Kommunalpolitik ein. Dazu zählten die Überprüfung der Einstellungskriterien der Verwaltung, die Betonung politischer Teilhabe durch aktives Bürgertum und die Unterstützung intensivierter Zusammenarbeit zwischen Behörden, Gebietskörperschaften und anderen Leistungsanbietern.

Oslo – eine Stadt für alle!
Oslo ist heute eine Großstadt mit knapp 600.000 Einwohnern. Mehr als 26 Prozent der Bevölkerung und 50 Prozent der Kinder gehören Minderheiten an. Vielfalt ist ein natürlicher Zustand in der Stadt und dank des normenbasierten Ansatzes der Stadtverwaltung ein zunehmend wichtiges Merkmal ihrer Strukturen und Institutionen.

2009 gehörten 20 Prozent der Stadträte (12 von 59) einer Minderheit an, und in fünf von sieben Parteien im Rat waren Minderheiten vertreten. Ein neues Plakat der OXLO-Kampagne (siehe oben) zeigt, wie Vertreter dieser fünf Parteien für diesen Leitgedanken werben: „Wir wollen, dass Oslo eine Stadt für alle ist. Eine Stadt der Toleranz gegenüber Verschiedenheit und der Vielfalt. Wir wollen Seite an Seite stehen, nicht Rücken an Rücken ….“

Der Osloer Rat der Immigrantenorganisationen (RiO) besteht seit 1988. Der Vorsitzende dieses Beratungsgremiums wird vom Stadtrat gewählt, und seine 300 Mitglieder werden von Organisationen gewählt, die Migranten unterstützen. Sie sollen in dem Rat die Interessen der verschiedenen Gemeinschaften vertreten. Seit 2004 sind alle Kommunalbehörden, Stadtbezirke und der Stadtrat selbst verpflichtet, den RiO in allen Angelegenheiten betreffend die Entwicklung öffentlicher Dienstleistungen zu konsultieren, um zu gewährleisten, dass auch die Bedürfnisse von Nutzern berücksichtigt werden, die einer Minderheit angehören.

Des Weiteren haben Personen, die nicht die norwegische Staatsangehörigkeit besitzen, aber seit drei Jahren eine Aufenthaltsberechtigung in Norwegen haben, das Wahlrecht bei Kommunalwahlen, und seit der Überarbeitung und Ausweitung des Staatsangehörigkeitsgesetzes im Jahr 2006 werden auch im Osloer Rathaus Veranstaltungen zur feierlichen Verleihung der Staatsbürgerschaft durchgeführt.

Zu den sonstigen Veränderungen, die im Rahmen der OXLO-Kampagne vorgenommen wurden, zählen unter anderem die Folgenden:

  • Bei Einstellungen müssen Behörden 15 obligatorische Kriterien berücksichtigen, darunter die Vorschrift, bei der Besetzung einer Stelle mit mindestens einer qualifizierten Person ein Einstellungsgespräch zu führen, die einer ethnischen Minderheit angehört.
  • 2005 wurde eine gesamtstädtische Arbeitsgruppe für Krisenmanagement mit Vertretern aus 15 unterschiedlichen Organisationen gebildet, die bei Vorfällen mit Jugendlichen, Gewalt oder Rassismus schnell eingreifen kann.
  • Für die Aufsicht über die OXLO-Kampagne ist das 2005 eingerichtete Amt für Vielfalt und Integration (EMI) zuständig, das auch Konsultationen mit Minderheitengruppen und nichtstaatlichen Anbietern von Dienstleistungen unterstützt.
  • Ein proaktiver Ansatz zu gesamtstädtischer interkultureller Kompetenz einschließlich Instrumenten wie des „Vielfaltsspiegels“, eines Vergleichsmaßstabs, den öffentliche Dienste zur Entwicklung einer Organisationskultur und eines Profils nutzen, die für eine Gesellschaft charakteristisch sind, die sich durch Vielfalt auszeichnet. Das Instrument wird jetzt in Schulen, Kindergärten sowie Arbeits- und Sozialämtern eingesetzt, um ein Vielfaltsprofil zu entwickeln, das sie nutzen können, um Einstellungen und nicht schriftlich fixierte Handlungskodexe zu überprüfen und zu verbessern sowie zu planen, wie sie ihre Dienstleistungen so gestalten können, dass sie sich besser für Nutzer eignen, die einer Minderheit angehören.
  • Spezielle Kommunikationswerkzeuge wie ein Newsletter im Internet mit der Bezeichnung „OXLO Bulletin“, mit dem Informationen über Erfolge der OXLO-Kampagne verbreitet werden, und eine Website der Stadtverwaltung für „Kulturelle Vielfalt in den Medien“ zu Konzerten, Ausstellungen und Festivals, die von Künstlern organisiert werden, die einer Minderheit angehören.

Es werden konsequente Anstrengungen unternommen, um Vielfalt anzuerkennen, zu beobachten und zu würdigen. Diese reichen vom wöchentlichen OXLO-Bulletin zu Theatervorstellungen über Informationsstände der Gemeinschaften bis zur jährlichen Verleihung des OXLO-Preises, der von der Stadtverwaltung für besondere Erfolge bei Anti-Rassismus-Aktivitäten verliehen wird.

Erfolg…
2005 erneuerte die Stadtverwaltung von Oslo ihre Unterstützung für die OXLO-Kampagne und integrierte später Prinzipien, die dem OXLO-Manifest zugrunde liegen, in ein Hauptkapitel ihres kommunalen Entwicklungsplans 2008 mit dem Titel „Oslo auf dem Weg zum Jahr 2025“.

Im Februar 2010 unterzeichnete der Bürgermeister von Oslo die erste EUROCITIES-Charta zu „Integrating Cities“, und in einer externen Beurteilung durch Intercultural Cities, einem gemeinsamen Programm des Europarats und der Europäischen Kommission, hieß es:

„Das Engagement der Stadtverwaltung von Oslo für die Integration von Migranten ist absolut aufrichtig, und das fachliche Know-how ihres Personals bei seiner Umsetzung in die Praxis ist bewundernswert. Die Bilanz Oslos im Hinblick auf eine Vielzahl von Integrationskonzepten und maßnahmen ist im Vergleich zu vielen anderen Städten hervorragend …, und ein breites Spektrum von Partnern aus der Zivilgesellschaft ist in die Entwicklung und Umsetzung dieser Konzepte einbezogen.“

Am allerwichtigsten ist jedoch, dass die ethnischen Minderheiten in der Stadt dem Erfolg der OXLO-Kampagne nicht nachstehen.

Die Arbeitslosigkeit in dieser Gruppe ist niedrig – etwa 5 Prozent – und der Bildungsstand hoch. Schüler der zweiten Generation schneiden in manchen Bezirken besser ab als gleichaltrige Einheimische und nehmen erfolgreich ein Hochschulstudium auf. Von den Studenten der Universität Oslo und der Hochschule Oslo gehören 13 Prozent beziehungsweise 17 Prozent einer ethnischen Minderheit an.

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Die Unterstützung der höchsten Ebene der Kommunalverwaltung vom Büro des Bürgermeisters abwärts ist wichtig, um eine breite Unterstützungsbasis für eine Dachkampagne zu sichern, an der sich eine größere Zahl von Akteuren, Initiativen und Organisationen aus der Gemeinschaft beteiligt.
  • Überprüfen Sie regelmäßig die Ziele Ihrer Kampagne, damit sie stets den Bedürfnissen der Gemeinschaft entspricht.
  • Überprüfen und korrigieren Sie gegebenenfalls Aktivitäten und Botschaften Ihrer Kampagne, damit sie stets aktuell, relevant und leicht umzusetzen sind.
  • Gemeinschaftskampagnen sind am erfolgreichsten, wenn die gesamte Gemeinschaft in ihre Ausarbeitung und Durchführung eingebunden und nicht nur an den Ergebnissen beteiligt wird. Woran können Sie erkennen, dass Ihr Ansatz inklusiv oder partizipatorisch ist?
  • Wann haben Sie in Ihrer Organisation, Ihrem Projekt oder Ihrer Abteilung zuletzt die Vielfalt gemessen?

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Kontakt:

Toralv Moe
Senior Adviser, Education and Cultural Affairs,
City of Oslo
0037 OSLO, Norway,
tel.:+4792261962
toralv.moe (at) radhuset.oslo.kommune.no
http://www.oslo.kommune.no

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