Leben

Vancouver, Kanada

Förderung einer gesunden Lebensführung in multikulturellen Gemeinschaften: die multikulturelle Gesundheitsausstellung

AMSSA (Affiliation of Multicultural Societies and Service Agencies of BC)

March 24, 2011

Anbieter von Gesundheitsleistungen und neu eingetroffene Migranten mit dem Ziel zusammenbringen, den Zugang zu Leistungen zu verbessern

Jenipher kam vor elf Jahren aus einem kleinen Dorf in Kenia nach Vancouver in der kanadischen Provinz British Columbia. Obwohl es in Kanada ein universelles und kostenloses Gesundheitssystem gibt, wurde sie mit Hindernissen konfrontiert, die ihr das Gefühl vermittelten, dass es doch nicht für alle gleich war.

Sprachbarrieren, fehlende Informationen darüber, wie das System wirklich funktioniert, Nervosität und Verwirrung über den Zugang dazu in der Praxis führten dazu, dass Jenipher wie viele Neuankömmlinge große Schwierigkeiten hatte, die gesundheitliche Versorgung zu bekommen, die sie brauchte.

Weil es vielen Neuankömmlingen nicht gelingt, einen Hausarzt zu finden, suchen Sie häufig jahrelang Ambulanzen auf. Wenn Sprachprobleme bestehen, kann es schwierig sein, die eigene Krankengeschichte wiederzugeben, was dazu führen kann, dass irgend etwas vergessen wird. Obwohl präventive Kontrolluntersuchungen verfügbar sind, wird das Angebot nicht genutzt, und Ambulanzen und Notaufnahmen werden die Stellen des Erstkontakts mit dem System.

Jenipher schätzt, dass sie in den ersten vier Jahren in Kanada mit 15 verschiedenen Ärzten zu tun hatte. Sie kennt Flüchtlinge, die „die gleiche schwierige [Kranken ]Geschichte unterschiedlichen Ärzten immer wieder erzählen“ mussten. Ihr stockendes Englisch verstärkt nur ihr Unbehagen, und letztlich gelingt es ihnen nicht, eine langfristige vertrauensvolle Beziehung zu einem Anbieter von Gesundheitsleistungen entwickeln.

Um diese Barrieren abzubauen und neu eingetroffenen Migranten die Informationen zu vermitteln, die sie brauchen, um für sich und ihre Familien eine zufriedenstellende gesundheitliche Versorgung zu sichern, entwickelte der Dachverband der Multikulturellen Gesellschaften und Dienstleistungsagenturen in British Columbia (AMSSA) 2005 das Konzept der multikulturellen Gesundheitsausstellung

Die multikulturelle Gesundheitsausstellung ist eine kostenlose Veranstaltung auf Gemeinschaftsebene, an der Vertreter und Freiwillige ethnischer Gemeinschaften in ganz Vancouver teilnehmen, um neu eingetroffenen Migranten Informationen zur Gesundheitsversorgung so zu vermitteln, dass es Spaß macht und sie leicht zugänglich sind. Der Schwerpunkt der Ausstellung sind zugängliche Informationen. Deshalb müssen alle Aussteller auf ihren Ständen interaktive Untersuchungen und Vorführungen anbieten, und alle gedruckten Informationen müssen in englischer Sprache sowie in mindestens zwei der ausgewählten Ausstellungssprachen verfügbar sein. Letztere sind Pandschabi, Spanisch, Französisch, Chinesisch, Koreanisch, Vietnamesisch, Persisch und Tagalog. Auch wenn es nicht vorgeschrieben ist, wird den Ausstellern empfohlen, Standpersonal zu haben, das eine der ausgewählten Ausstellungssprachen spricht.

Hintergrund…
Der Gesundheitszustand von Migranten ist bei der Ankunft in Kanada im Allgemeinen besser als derjenige der Einheimischen. In einer Untersuchung der kanadischen Statistikbehörde wurde 2005 jedoch festgestellt, dass dieser Gesundheitsvorteil im Lauf der Zeit bei vielen Migranten verloren geht. Dies kann teilweise auf die Belastungen im Zusammenhang mit der Migration wie Arbeitsuche und das Knüpfen eines neuen sozialen Unterstützungsnetzes zurückzuführen sein. Die mangelnde Fähigkeit von Neuankömmlingen, präventive Gesundheitsversorgung zu finden und Zugang dazu zu bekommen, trägt jedoch ebenfalls zu dieser Verschlechterung bei.

Die erste multikulturelle Gesundheitsausstellung in Vancouver fand 2005 statt. Das Ziel bestand darin, diesen Problemen entgegenzuwirken und zu diesem Zweck Anbieter von Informationen und die Gemeinschaften neu eingetroffener Migranten zusammenzubringen. Auf diese Weise sollte dazu beigetragen werden, die Angehörigen der multiethnischen Gemeinschaften in British Columbia mit ihrer Sprachenvielfalt besser in die Lage zu versetzen, Eigenverantwortung für ihre Lebensführung und ihre Gesundheit zu übernehmen.

Seit damals hat sich die Veranstaltung so gut entwickelt, dass sie im letzten Jahr die größte multikulturelle Gesundheitsausstellung in Kanada war. Sie ist mittlerweile als Veranstaltung auf der Gemeinschaftsebene etabliert und findet jedes Jahr im Februar oder März statt. Der Eintritt ist frei, und die Ausstellerliste umfasst bekannte Organisationen und Behörden wie das Diabetes-Informations- und -Unterstützungszentrum, die Krebsagentur von British Columbia, die Organisation „Gesund essen – aktiv leben“ sowie 40 weitere Organisationen, die alle in deutlich gekennzeichneten Ständen ihre Leistungen anbieten.

Auf der Veranstaltung werden Informationen mit präventiven Gesundheitsangeboten kombiniert. Die Aktivitäten umfassen Vorführungen in gesundem Kochen, bei denen traditionelle Rezepte so abgewandelt werden, dass weniger Zucker, Fett und Salz verwendet wird. Der Workshop der Gesundheitsdienste in Vancouver bietet beispielsweise Schritt-für-Schritt-Informationen in Mandarin, Persisch und Spanisch zum Zugang zur Primärversorgung. In einem Untersuchungsbereich können Besucher ihren Blutdruck messen und ihren Blutzucker bestimmen lassen, über Zahnarztleistungen beraten werden und ihre körperliche Fitness überprüfen lassen.

Die multikulturelle Gesundheitsausstellung wird von der AMSSA organisiert, einem Dachverband von mehr als 80 multikulturellen Organisationen, die Ansiedlungshilfe für Migranten und multikulturelle Dienstleistungen in Gemeinschaften in der gesamten Provinz British Columbia anbieten. Sie bringen nicht nur die Gemeinschaften zusammen, sondern schaffen auch Vernetzungsmöglichkeiten. Die AMMSA schafft Vernetzungsmöglichkeiten, verbreitet Informationen, bietet berufliche Weiterbildung und fördert die organisatorische Kapazität aller Mitglieder.

Auf der diesjährigen multikulturellen Gesundheitsausstellung wird Jenipher zum freiwilligen Personal am Stand eines Gemeinschaftszentrums zählen, das sich auf die Förderung des Bewusstseins für Diabetes und die Aufklärung darüber spezialisiert hat, wie leicht der Blutzucker getestet werden kann und wie wichtig frühe und regelmäßige Kontrollen sind. „Die Leute wissen nicht Bescheid. Sie glauben, man müsste zuerst krank werden!“ Auf der multikulturellen Gesundheitsausstellung bietet die Organisation kostenlose Untersuchungen an, die Interessierten Aufschluss darüber geben, ob sie von Natur aus zu Diabetes neigen. „Die falsche Vorstellung ist weit verbreitet, dass zu viel Zucker Diabetes verursacht“, sagte Jenipher. „Personen, die Drucksachen in englischer Sprache nicht lesen können, nehmen sie erst gar nicht mit. Welchen Nutzen haben also solche Broschüren?“ An ihrem Stand werden leicht verständliche Abbildungen gezeigt, und Dolmetscher heißen alle Mitglieder der Gemeinschaft willkommen und reden mit ihnen. Jenipher zufolge hilft die Gruppenatmosphäre der Veranstaltung, Kontaktscheu zu überwinden, und macht es für Besucher leichter, Fragen zu stellen.

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Finden Sie heraus, ob örtliche Dienste in Ihrer Gemeinschaft für Neuankömmlinge zugänglich sind. Sind die Dienste einfach zu finden und in Anspruch zu nehmen? Wird Sprachenunterstützung geboten? Werden Materialien in kulturell angemessener Weise präsentiert? Wenn das nicht der Fall ist: Finden Sie heraus, welche Fachstellen oder Behörden interessiert sein könnten, die Situation zu verbessern.
  • Für Basisdienstleistungen wie Gesundheitsleistungen zu werben, unterscheidet sich kaum von der Werbung für kommerzielle Dienstleistungen. Berücksichtigen Sie bei der Entwicklung Ihres Dienstleistungsangebots die Bedürfnisse und Präferenzen von Neuankömmlingen und nutzen Sie die besten verfügbaren Kanäle, um für den Zugang und die erfolgreiche Erbringung von Dienstleistungen zu werben.

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