Lernen

Zürich, Schweiz

Die Qualität in multikulturellen Schulen verbessern (QUIMS)

Volksschulamt des Kantons Zürich

March 24, 2011

Ein Programm zur Qualitätssicherung in multiethnischen Schulen fördert den schulischen Erfolg und den Zusammenhalt der Gemeinschaften

Syllable division in Nordstrasse School
Silbentrennung in der Nordstrasse-Schule

Unabhängig davon, wie schwierig es auch sein mag, einen Schweizer Pass zu erhalten, hat die Schweiz derzeit einen der höchsten Zuwandereranteile an der Bevölkerung in Europa.

In Zürich haben 25 Prozent aller Schulkinder eine andere Nationalität, und etwa ein Drittel aller Schüler spricht zu Hause eine andere Sprache als Deutsch. Die Bildungsleistung dieser Schüler gibt Anlass zu Besorgnis. Selbst diejenigen, die zur zweiten Generation zählen, schneiden schlechter ab als gleichaltrige Einheimische, insbesondere in den naturwissenschaftlichen Fächern sowie in Mathematik und Lesen.

Zuwanderer machen in der Schweiz fast 24 Prozent der Wohnbevölkerung aus. Dieser Anteil ist höher als in vielen „klassischen“ Einwanderungsländern wie Kanada, den Vereinigten Staaten oder Australien.* Die Schweiz hat jedoch auch die niedrigste Einbürgerungsrate in Europa. Dies bedeutet, dass viele Bewohner der Schweiz Nachkommen von Zuwanderern in der zweiten oder dritten Generation sind, aber nach wie vor Ausländer sind. Und ihre Kinder bleiben schulisch zurück.

Dem Problem entgegenwirken
Angesichts des Umstands, dass eine zunehmende Zahl von Mittelklassefamilien Innenstadtbezirke mit einer ethnisch vielfältigen Bevölkerung verließ, erkannte der Kanton Zürich, dass eine Bildungsreform zur Verringerung der Ungleichheit in Bezug auf die Bildungschancen erforderlich war, um alle Schüler in Schulen zu integrieren und den sozialen Zusammenhalt zu fördern.

1996 leitete der Kanton ein Schulverbesserungsprogramm mit der Bezeichnung „Qualität in multiethnischen Schulen“ (QUIMS) ein, das nach und nach in die Entwicklung eines Modells für die Qualitätssicherung in multiethnischen Schulen im gesamten Kanton mündete und von dem eine klare politische Botschaft gegen soziale Segregation und zugunsten einer einheitlichen öffentlichen Grundschule ausging.

Das QUIMS-Projekt zielt darauf ab, an diesen Schulen den Ausbildungsstandard für alle Schüler zu erhöhen, sodass sie für schweizerische Mittelklasseeltern und –schüler sowie für nicht schweizerische Gleichaltrige gleichermaßen attraktiv sind. Zweitens will das Projekt das Gefälle zwischen den schulischen Leistungen unterschiedlicher sozialer Gruppen (gemessen anhand der Ergebnisse bei den Schulleistungsuntersuchungen im internationalen PISA-Programm) verringern. Ein drittes Ziel besteht darin, die Zufriedenheit von Schülern, Eltern und Lehrern mit dem schulischen Umfeld zu steigern.

Wie es funktioniert
QUIMS begann vor zehn Jahren als ein experimentelles Pilotprogramm. Heute ist es Bestandteil des Rechtsrahmens des Kantons Zürich und verpflichtend für alle öffentlichen Schulen (Kindergarten bis 9. Schuljahr), in denen der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund (Schüler aus Deutschland, Österreich und Liechtenstein nicht mitgerechnet) oder einer anderen Muttersprache als Deutsch über 40 Prozent beträgt. Im Rahmen des QUIMS-Programms erhalten diese Schulen besondere finanzielle und fachliche Hilfe mit der Auflage, dass das Geld je nach dem Bedarf vor Ort für die Ausarbeitung spezieller Projekte verwendet wird, die mit den Programmzielen übereinstimmen.

Alle QUIMS-Schulen passen die Programmentwicklung vor Ort auf der Grundlage drei verpflichtender Handlungsfelder wie folgt an:

  • Sprachförderung: Förderung der Literalität aller Schüler durch Sprachbeobachtung, kreatives Arbeiten zur besseren Beherrschung von Sprache und Schrift sowie Unterstützung für integrierten Unterricht in „Heimatliche Sprache und Kultur“ (HSK).
  • Förderung des Schulerfolgs: Nutzung verschiedener Lernmethoden zur Unterstützung von kooperativem Lernen, Hilfe beim Aufgabenlösen, stärkere Einbeziehung von Eltern und Mentoren.
  • Integrationsunterstützung: Aufbau einer Kultur der Anerkennung, des Respekts und des Verständnisses durch den Einsatz interkultureller Vermittlungspersonen an der Schnittstelle zwischen Eltern und Lehrern sowie die Bildung von Elternräten.

QUIMS-Schulen werden beim Übergang zu den neuen Qualitätsstandards umfassend unterstützt. Sie erhalten gut strukturierte Vorlagen für die Schulentwicklung und zusätzliche Hilfe von der Schulbehörde einschließlich Beratung, Fortbildung, Materialien, Handbüchern, lokaler Netzwerke und Evaluierung.

Bevor die QUIMS-Maßnahmen durchgeführt werden können, wird ein QUIMS-Beauftragter ausgewählt, der an einer Ausbildung und einer speziellen Zertifizierung durch die Pädagogische Hochschule Zürich teilnehmen muss. Der ausgewählte QUIMS-Beauftragte hat die Aufgabe, die QUIMS-Aktivitäten für das gesamte Kollegium vorzubereiten und zu koordinieren.

Schulen, die erstmalig an dem Programm teilnehmen, erhalten in den ersten zwei Jahren eine einführende Ausbildung sowie regelmäßige Beratungen und Aktualisierungen. Lehrer erhalten kontinuierliche QUIMS-Schulungen und die Möglichkeit, sich zu vernetzen und aus den Erfahrungen anderer Schulen zu lernen.

Erfolg
Der QUIMS-Ansatz konzentriert sich mehr auf die Lehr- und Lernprozesse als auf Leistungsdaten. Wie andere gute Integrationspraktiken zielt er in zwei Stoßrichtungen: Er wirkt einem lokalen Defizit entgegen und kommt darüber hinaus der gesamten Gemeinschaft zugute.

QUIMS setzt an den konkreten Erfordernissen und Problemen von Lehrern im Klassenzimmer an und sensibilisiert in einem nächsten Schritt die Lehrer für die Themenkreise von ethnisch bedingter sowie sozialer Ungleichheit und von Stereotypen.

Das QUIMS-Programm geht über die Herausforderungen aufgrund von sprachlicher und kultureller Vielfalt im Klassenzimmer hinaus und untersucht, wie Machtstrukturen in der Gesamtorganisation des Unterrichts zu Diskriminierung beitragen können. Es analysiert beispielsweise zuerst die strukturellen Hindernisse, die dazu führen können, dass ein Kind mit Migrationshintergrund, das gute schulische Leistungen hat, nicht die Sekundarschule für leistungsstärkere Schüler besucht. QUIMS zeigt, dass es möglich ist, im Bildungssystem von Zürich und in der Bevölkerung weitreichende systemische Veränderungen herbeizuführen. Das ist eine wichtige Errungenschaft.

Das QUIMS-Programm begann als Pilotprojekt an einigen Pionierschulen in Zürich im Jahr 1996. Mittlerweile wird es an fast 100 Schulen im Kanton Zürich durchgeführt und ist dort seit 2006 verpflichtend im Schulrecht verankert. 2008 war es für den angesehenen Carl-Bertelsmann-Preis für „Bildung und Integration“ nominiert.

*Es besteht ein wichtiger definitorischer Unterschied zwischen der Gruppe der „Zuwanderer“ in der Schweiz, die nicht eingebürgerte ansässige Ausländer der zweiten und dritten Generation einschließt, und der in Kanada, den Vereinigten Staaten und Australien verwendeten Kategorie der „im Ausland Geborenen“. 2006 betrug der Anteil der im Ausland Geborenen in Kanada 19,8 Prozent, in den Vereinigten Staaten 12,5 Prozent und in Australien 22,2 Prozent. In Kanada waren jedoch 85 Prozent der Angehörigen der Gruppe der im Ausland Geborenen eingebürgert worden (das heißt, sie hatten die Staatsangehörigkeit erworben). Quelle: Volkszählung in Kanada im Jahr 2006.

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Die Anpassung eines Qualitätsmanagement-Ansatzes an die besonderen Bedürfnisse einer Gemeinschaft beschleunigt und verbessert die angestrebten Ergebnisse.
  • Ein lösungsbasierter Ansatz bedeutet viele Antworten und viele Akteure, die zusammenarbeiten müssen, um die am besten passenden zu finden.
  • Die Verbesserung der Bildungs- oder Beschäftigungsergebnisse von Zuwanderergemeinschaften nutzt der gesamten Bevölkerung, nicht nur den Zuwanderern.
  • Hat Ihr Schulbezirk Strategien zur Beteiligung von Eltern und anderen wichtigen Akteuren in der Bevölkerung entwickelt?
  • Die Lehrerausbildung und kontinuierliche berufliche Fortbildung sind wesentliche Bestandteile des QUIMS-Ansatzes. Stellen Sie sicher, dass die Projektleitung gut dafür gerüstet ist, die Themen zu verstehen, um die es geht, und dass sie über die Instrumente verfügt, die für den Erfolg erforderlich sind.

Maytree