Lernen

Montréal, Kanada

Spielerisch Vielfalt erfahren

Equitas - International Centre for Human Rights Education

October 13, 2011

Einen Menschenrechtsansatz nutzen, um Kindern etwas über Gleichheit und die Achtung von Vielfalt zu vermitteln

„Alle Mädchen mit grüner Farbe auf ihrem Hemd laufen zum Jupiter!“

„Jetzt laufen alle mit lockigen Haaren oder einer Brille zum Saturn!“

Als diese Anweisungen erklingen, läuft eine Gruppe von 20 Jungen und Mädchen zwischen sechs und acht Jahren zwischen zwei Kegeln (einem mit der Bezeichnung Jupiter und der andere mit der Bezeichnung Saturn), die auf einem Spielfeld etwa 20 Meter voneinander entfernt aufgestellt sind, hin und her.

Als das Spiel endet und die Kinder sich in einem Kreis auf dem Rasen fallen lassen, setzt sich Monique, die Betreuerin in dem Sommerlager, zu ihnen und eröffnet eine Diskussionsrunde. Sie stellt Fragen wie die folgenden:

  • War während des Spiels jemand von euch alleine auf einem Planeten?
  • War es schwer für euch, zu bestimmen, zu welchem Planeten ihr gehen solltet?
  • Wie habt ihr euch gefühlt, wenn ihr euch zwischen einem von beiden entscheiden musstet?
  • Und wie habt ihr euch in dieser Situation entschieden?

Dieses Spiel, „Vom Saturn zum Jupiter“, soll ein Verständnis für Vielfalt wecken, indem es Kindern bewusst macht, dass die Gruppenmitglieder einerseits alle unterschiedlich sind, aber andererseits auch vieles gemeinsam haben und im Hinblick auf ihre Menschenrechte grundsätzlich gleich sind.

Es ist nur eine der vielen Aktivitäten, die in Play It Fair! angeboten werden, einem Toolkit, das von der kanadischen nichtstaatlichen Organisation Equitas entwickelt wurde, die sich bemüht, durch ihre auf den Menschenrechten basierenden Programme die Demokratie, die menschliche Entwicklung, Frieden und soziale Gerechtigkeit voranzubringen.

Die Zukunft im Blick

Zielgruppe des in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung von Montreal entwickelten Programms Play It Fair! sind Kinder und Jugendliche zwischen sechs und zwölf Jahren. Es wird in Sommerlagern und bei Freizeitaktivitäten in mehreren kanadischen Kommunen eingesetzt. Das Programm hat mehr als 60 Spiele und Aktivitäten entwickelt, um die grundlegenden Menschenrechtswerte von Kooperation, Respekt, Fairness, Inklusion, Achtung von Vielfalt, Verantwortung und Akzeptanz zu fördern.

Die Spiele und Aktivitäten in Play It Fair! dienen als Frühinterventionsinstrument, weil sie Kindern helfen, positive und konstruktive Reaktionen auf Konfliktsituationen zu entwickeln. Das Toolkit umfasst auch spezielle Fortbildungen für Betreuer und Lehrer, die aus ganz Kanada nach Montreal kommen, um an Schulungskursen teilzunehmen.

Das Play-It-Fair!-Toolkit wurde von Equitas ursprünglich als Teil eines Projekts entwickelt. Es trug den Titel „Rassismus und Diskriminierung verhindern: kanadische Kinder auf die Mitwirkung in einer multikulturellen Gesellschaft vorbereiten“ und wurde mit Kommunalbehörden und Gemeinschaftsorganisationen durchgeführt, die im Bereich nicht formeller Bildungsprogramme für Kinder und Jugendliche tätig waren.

Sein auf Menschenrechten basierender Ansatz war erfolgreich, weil er Gemeinsamkeiten zwischen Kindern betont und gleichzeitig Achtung vor Unterschieden lehrt. Dieser urdemokratische und auf Chancengleichheit ausgerichtete Ansatz entspricht dem natürlichen Wunsch von Kindern nach Fairness und vermittelt ihnen die Werte und Fertigkeiten, die sie brauchen, um eine chancengerechte Gesellschaft mit besserem Zusammenhalt für die Zukunft aufzubauen.

Erfolg

Nach Aussage von Fréderic Hareau, dem Programmleiter von Equitas, ist das Programm wirksam, weil es Kinder auf einer Ebene anspricht, die altersgemäß ist, und es sie gleichzeitig ermutigt, in Diskussionen nach Spielende ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen. „Die Kinder entwickeln ein viel stärkeres Bewusstsein für Anderssein und Gleichheit, und das Spiel verstärkt zugrunde liegende Menschenrechtswerte, die eine harmonischere Gesellschaft fördern, in der jeder geachtet wird.

Einige der häufigsten Probleme, mit denen Kinder konfrontiert werden, sind Beschimpfungen, Schikanen und Rassismus. Hareau ist jedoch überzeugt, dass Veränderungen möglich sind. „In einem Bezirk von Montreal, in dem das Programm durchgeführt wurde“, berichtete er, „wurde nach einem Jahr bei Sechs- bis Zwölfjährigen ein Rückgang der körperlichen Aggression verzeichnet.“ Hareau wies auch darauf hin, dass rassistische Beleidigungen und Fernbleiben von der Schule bei den Kindern seltener werden.

In Toronto erklärte David Hains, ein hochrangiger Mitarbeiter der Abteilung Parks, Wälder und Freizeiteinrichtungen der Stadtverwaltung, ebenfalls von den Vorteilen des Programms überzeugt zu sein. Folglich zeigte er sich erfreut, dass es in Toronto Fuß fasst, wo damit bereits 5.000 Kinder erreicht wurden. Im letzten Jahr wurde das Programm bei 30 Sommerlagern eingesetzt, und 2009 sollen es bereits 100 sein. Und das soll noch nicht das Ende sein …

„Wir hoffen, dass das Programm im ‚Sommer 2010 zusätzlich zu einigen Programmen nach Schulschluss bei allen etwa 130 Sommerlagern in Toronto durchgeführt werden kann“, erläuterte Hains. „Es hat sich als äußerst wirksam dabei erwiesen, Kindern etwas zu vermitteln, was für ihr späteres Leben wirklich wichtig ist. Und das Beste daran ist, dass das im Rahmen von Spielen geschieht, die den Kindern Spaß machen und die sie mögen.

Play It Fair! hat sich auch erfolgreich in anderen Städten in Kanada durchgesetzt und wird jetzt mit Kindern in Vancouver, Toronto und Winnipeg sowie in Fredericton, Moncton und Dieppe in der Provinz New Brunswick verwendet. Betreuer in allen diesen Städten haben bestätigt, dass die Spiele im Play-It-Fair!-Toolkit helfen zu vermitteln, wie wichtig es ist, dass die Kinder einander achten. Alle berichteten über einen Rückgang von Beleidigungen, Gewalt und Einschüchterungen sowie eine deutliche Verbesserung des Teamgeistes und der Partizipation. 2008 wurde das Play-It-Fair!-Toolkit bei mehr als 200 Sommerlagern eingesetzt, und es wurden damit ungefähr 2.000 Betreuer und mehr als 40.000 Kinder erreicht.

Auch bei den Ureinwohnern

Auch die kanadischen Ureinwohner ließen sich von seinen Vorteilen überzeugen. Ma Mawi, eine in Winnipeg ansässige Organisation, die mit Familien der First Nations arbeitet, setzt Play It Fair! seit 2006 ein.

„Das Programm war leicht anzupassen“, sagte Sande MacKinnon, eine ehemalige Jugendkoordinatorin, die weiterhin Kontakt zu Ma Mawi hält. „Wir betonten die Ähnlichkeiten zwischen Menschenrechtswerten und den Werten unserer eigenen Kultur, und die Kinder fanden das sehr gut.“

„Das Programm ist unglaublich effektiv“, sagte MacKinnon. „Als Lehrer vermitteln wir nicht nur Kindern etwas, sondern lernen auch selbst. Kinder haben so viel zu sagen, und sie müssen wieder Mitsprache bekommen. Das Programm trägt dazu wirklich bei.“

Im Mai 2009 wurde Equitas für den Erfolg von Play It Fair! in Montreal bei der Verleihung der Quebecer Preise für staatsbürgerschaftliches Engagement (Prix Québécois de la citoyenneté) in der Nationalversammlung in Quebec mit dem Anne Greenup-Preis ausgezeichnet. Damit werden Beiträge nicht gewinnorientierter Organisationen zum Kampf gegen Rassismus gewürdigt.

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Auch wichtige Lerninhalte, beispielsweise Wissen über die Menschenrechte, können mit Erfolg humorvoll und spielerisch vermittelt werden.
  • Denken Sie darüber nach, wie Sie Ihre Botschaft am besten an Ihr Zielpublikum vermitteln, und seien Sie bereit, Ihren Ansatz zu ändern, um eine größere Wirkung zu erreichen.
  • Wenn mehrere Aktivitäten verfügbar sind, um die Programmziele zu erreichen, müssen Sie darauf achten, dass die Aktivitäten, die Sie auswählen, zu dem Zielpublikum passen. Nicht alle Strategien funktionieren bei jeder Zielgruppe.
  • Wie die Gemeinschaft der kanadischen First Nations bei Ma Mawi in Winnipeg können Sie kulturelle Inhalte in Programmmaterialien integrieren, um deren Akzeptanz beim Zielpublikum zu steigern – beispielsweise in der Art, wie Ma Mawi Ähnlichkeiten zwischen den allgemeinen Menschenrechten und den Werten der First Nations nutzte.

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