Lernen

Malmo, Schweden

Umsetzung des schwedischen Nationalen Plans für Vielfalt an Schulen

Resurscentrum för mångfaldens skola

March 24, 2011

Ein Beispiel für andere Länder: Integration durch Bildung

In einem Klassenzimmer in Malmö in Schweden ist der Teufel los. Unter Lachen und Rufen versuchen die fünfzehnjährigen Jungen, sich gegenseitig dabei zu helfen, sich auf ihren Stühlen stehend fortzubewegen. Die Klasse setzt sich aus zugewanderten und in Schweden geborenen Schülern zusammen, und auch ein Teil der Lehrer hat einen Migrationshintergrund.

Wir möchten an dieser Stelle den schwedischen Plan für Vielfalt vorstellen, eine nationale Vision, die in Schulen vor Ort verwirklicht wird und zu international anerkannten Ergebnissen geführt hat.

Bis in die 1950er Jahre zeichnete sich die schwedische Integrationspolitik dadurch aus, dass auf Zuwanderer großer Druck ausgeübt wurde, sich anzupassen.

Das hat sich schon lange geändert. Heute ist eine pluralistische multikulturelle Integrationsverpflichtung gesetzlich in einem Rechtsrahmen verankert, der den Nationalen Aktionsplan für Menschenrechte 2006 – 2009, den Nationalen Aktionsplan zur Bekämpfung von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Homophobie und Diskriminierung aus dem Jahr 2000 sowie das richtungsweisende Gesetz mit dem Titel Schweden, die Zukunft und Vielfalt: von der Zuwanderungspolitik zur Integrationspolitik von 1997 umfasst. Das Gesetz schrieb Vielfalt als einen Ausgangspunkt für die Gestaltung und Umsetzung neuer politischer Handlungskonzepte in allen Sektoren und auf allen Ebenen fest.

Schule: Drehscheiben der Integration

Schweden hat etwa neun Millionen Einwohner. Etwa 1,5 Millionen von ihnen wurden entweder im Ausland geboren oder sind in Schweden geborene Kinder von Zuwanderern. Die Mehrzahl dieser Gruppe lebt in den drei größten Städten des Landes: Stockholm, Göteborg und Malmö. Von diesen hat Malmö den größten Zuwandereranteil (37,3 Prozent).

Auch wenn die schwedische Regierung den allgemeinen Rechtsrahmen für Vielfalt und Integration geschaffen hat, sind es die Kommunalverwaltungen und vor allem die Schulen, welche die Programme entwickeln und durchführen, die sie Wirklichkeit werden lassen.

In Malmö sind Schulen die natürlichen Drehscheiben für Integration. Im Gegensatz zu vielen anderen schwedischen Städten hat Malmö eine besonders junge Bevölkerung: 47 Prozent der Bewohner sind jünger als 35 Jahre. Dies ist in erster Linie eine Folge von Zuwanderung: 50 Prozent der in Malmö lebenden Kinder haben im Ausland geborene Eltern.

Der Schwerpunkt dieser Programme ist die Förderung von Kenntnissen sowohl der schwedischen als auch der Muttersprache sowie Fachunterricht (insbesondere Mathematik) in der jeweiligen Muttersprache der Schüler. Alle Kinder und Jugendlichen haben Anspruch auf zusätzliche Sprachförderung zum Erlernen der schwedischen Sprache. Für multikulturelle Lernende entwickelte spezielle Lehrmethoden werden angewendet, damit Schüler mit Migrationshintergrund die gleichen Sprachfertigkeiten erwerben wie ihre schwedischen Mitschüler.

Weil alle Schüler einen Rechtsanspruch auf Lernförderung in einzelnen Fächern in ihrer Muttersprache haben, werden Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund auch zwei Stunden pro Woche in ihrer Muttersprache unterrichtet.

Ein Vielfalt förderndes Lernumfeld

„Wir diskutieren nicht darüber, ob Lehrerinnen erlaubt werden sollte, ein Kopftuch zu tragen. Uns interessiert vielmehr die Frage, ob wir genügend Lehrerinnen haben, die ein Kopftuch tragen“, erläuterte ein Sprecher des Bildungsministeriums.

Dieser Ansatz ist Teil der Einsicht, dass Vielfalt eine Ressource und ein Aktivposten ist. Im Auftrag der schwedischen Regierung haben Schulen in Malmö auch einen Plan für Vielfalt entwickelt und umgesetzt. Seine Hauptinitiativen betonen die Sprachentwicklung und die Sprachkompetenz; sie zielen auf 32 Kommunen mit einem hohen Anteil (über 18 Prozent) von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund.

Im Rahmen ihrer Unterstützung für den Plan für Vielfalt fördern Schulen in Malmö auch „Schulen der Ideen“ zugunsten von Vielfalt. Daran beteiligt ist ein Netzwerk von Grundschullehrern, die gemeinsam Strategien für erfolgreiches Diversitätsmanagement im Bildungswesen entwickeln. Dies umfasst auch Programme für Mentoring nach Unterrichtsschluss sowie zur Zusammenarbeit mit Eltern.

Für ältere Schüler (in der oberen Sekundarstufe) verfügt Malmö über eine Diversitätsgruppe. Sie besteht aus Schülern von Schulen in der gesamten Stadt, die sich regelmäßig mit Lehrkräften, Soziologen und anderen treffen, um nach Formen zur Zusammenarbeit in Bezug auf Vielfalt und insbesondere zur Bekämpfung der Segregation in Schulen zu suchen. Die Schulen haben auch mit örtlichen Unternehmen kooperiert, um Schülern die Möglichkeit zu geben, bei der Vermittlung von Praktika mitzuwirken.

Zu weiteren Initiativen in Schulen in Malmö zählen Mentoring-Projekte für Lehrer und Schüler, Ausbildung für Lehrer in fortgeschrittener Unterrichtsführung, Förderung der Lesekompetenz durch Lesegruppen und regelmäßige Lehrerfortbildung zu diesen Themen.

Erfolg: Weitergabe des Erreichten und Anerkennung

In Schweden haben etwa 14 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund. Laut Daten des Internationalen Programms für Schülerbewertung (Program for International Student Assessment – PISA) erzielen Migranten in Schweden sehr hohe Bildungsleistungen. Kinder aus Zuwandererfamilien der zweiten Generation schneiden sogar deutlich besser ab als in Schweden geborene Gleichaltrige.

Beispielsweise ist der Anteil der Schüler, die die höhere Sekundarstufe absolvieren können, sowohl für diejenigen mit Migrationshintergrund (ungefähr 77 Prozent) als auch für schwedische Schüler (ungefähr 90 Prozent) hoch.

In der Kategorie Bildung stufte der Index Integration und Migration (Migrant Integration Policy Index – MIPEX) Schweden auf Platz 1 von 31 Ländern ein.

Die Erfahrungen von Malmö und die von der Stadt verzeichneten Erfolge im Bereich der Vielfalt im Bildungswesen wurden sowohl national als auch auf internationaler Ebene anerkannt. In Schweden wurden zusätzliche Mittel für das Malmöer Ressourcenzentrum für Vielfalt in der Bildung bereitgestellt, damit das in der Stadt gebündelte Fachwissen auf einer nationalen Ebene weitergegeben werden konnte.

In Anerkennung ihrer Erfolge bei der Förderung der sozialen Integration und der Verbesserung der Chancengleichheit in Schulen wurde die Stadt Malmö 2008 für den Carl Bertelsmann-Preis nominiert. Seit 1988 würdigt die Bertelsmann Stiftung mit dieser Auszeichnung alljährlich innovative Beiträge zur Lösung wichtiger globaler Probleme.

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Um Erfolg zu haben, muss eine kollektive Vision von Akteuren vor Ort und von der betroffenen Gemeinschaft unterstützt werden.
  • Die in Malmö erreichten Erfolge können zum Teil auch auf die Breite der Vorgehensweisen zurückgeführt werden, mit denen versucht wurde, diese grundlegenden Ziele zu erreichen.

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Anna-Karin Hedenskog
Resurscentrum för mångfaldens skola
Modersmålsundervisningen i Malmö Stad Hårds Väg 5
Malmö, Sweden,
212 16
Tel: +46 (0)40 34 31 08
anna-karin.hedenskog@malmo.se
http://malmo.se/Medborgare/Forskola--utbildning/Grundskola/Modersmal.html

Malmö: Exemplary implementation of the National Diversity Plan in Sweden

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