Planen

Stuttgart , Deutschland

Die Vorteile guter Planung: das Stuttgarter Bündnis für Integration

Landeshauptstadt Stuttgart

March 24, 2011

Der Stuttgarter Ansatz verknüpft Führungskompetenz und Gemeinschaftsbeteiligung zugunsten von Chancengleichheit und inklusiven produktiven Gemeinschaften

Der Stuttgarter Ansatz verknüpft Führungskompetenz und Gemeinschaftsbeteiligung zugunsten von Chancengleichheit und inklusiven produktiven Gemeinschaften

Erfolgreiche Integration geschieht nicht von selbst, sondern ist das Ergebnis durchdachter und strategischer Planung. Städte auf der ganzen Welt erkennen zunehmend diese neue Realität. Die Landeshauptstadt Stuttgart in Deutschland ergriff frühzeitig die Initiative mit ihrem umfassenden strukturellen Integrationsansatz.

2001 beschloss der Gemeinderat der Stadt Stuttgart das bahnbrechende Bündnis für Integration und etablierte ein weitläufiges Programm mit Maßnahmen und Aktivitäten, die darauf abzielten, die Zukunft Stuttgarts als eine internationale Großstadt zu sichern. Die Verwaltung bezeichnete erfolgreiche Integration als „Kitt für den sozialen Zusammenhalt“ und verankerte ihren neuen grundsatzpolitischen Rahmen in einer starken sektorübergreifenden Koalition aus interessierten Akteuren aus dem öffentlichen und dem privaten Sektor sowie der Zivilgesellschaft und verpflichtete sie auf eine gemeinsame Agenda zur Verwirklichung der folgenden Ziele:

  • Partizipation und Chancengleichheit für alle,
  • friedliches Zusammenwohnen und sozialer Zusammenhalt
  • sowie die Zunutzemachung kultureller Vielfalt als eines gemeinschaftlichen und wirtschaftliches Aktivpostens.

Stuttgart, die Landeshauptstadt des Bundeslandes Baden-Württemberg, liegt in Süddeutschland. Etwa ein Drittel oder 40 Prozent der Bevölkerung wurden im Ausland geboren. Die Einwohner Stuttgarts stammen aus über 170 Ländern und sprechen mehr als 120 Sprachen. Stuttgart hat damit einen der höchsten Migrantenanteile unter den deutschen Großstädten.

Zum Teil beruhte die führende Rolle Stuttgarts mit seinem Bündnis für Integration auf der frühzeitigen Einsicht, dass erfolgreiche Integration eine Voraussetzung dafür ist, Migranten sowie die Investitionen internationaler Unternehmen anzuziehen und zu halten, und damit letztlich auch für das wirtschaftliche Gedeihen Stuttgarts.

Zuwanderer sind für die demographischen Verhältnisse in Stuttgart besonders wichtig, weil die Stadt mit der Problematik einer alternden Bevölkerung ohne ausreichende Ersatzquote konfrontiert ist. Derzeit leben in 82 Prozent der Haushalte in Stuttgart keine Kinder oder Jugendlichen unter 18 Jahren. Ohne Zuwanderer würde es nur in 10 Prozent der Haushalte in Stuttgart Kinder geben.

Infolgedessen anerkennt Stuttgart, dass die wirksame Integration seiner Zuwandererbevölkerung eine Voraussetzung für die Vergrößerung der qualifizierten Erwerbsbevölkerung ist, die benötigt wird, um führende Industrieunternehmen wie Daimler, Porsche, Hewlett-Packard und IBM zu halten.

„Das neue Element besteht darin, dass wir nicht nur eine klassische Integrationspolitik für Migranten verfolgen, nach der Ausländer als Menschen mit Sprach- und anderen Problemen gelten, sondern dass wir sagen: ,Stuttgart ist eine internationale Großstadt mit einem Migrationshintergrund bei 35 bis 40 Prozent der Einwohner, und wir brauchen eine gut geplante Integrationsstrategie, die dem Erfordernis der Chancengleichheit Rechnung trägt“, erläuterte Gari Pavkovic, Leiter der Stabsabteilung für Integrationspolitik.

Die Verantwortlichen bei der Stadtverwaltung von Stuttgart erkannten auch, dass die Strategie nur wirksam sein konnte, wenn sie langfristige Ziele umfassen würde, und dass sie die Durchführung systemweiter, alle Sektoren übergreifender Programme und Maßnahmen erfordern würde. Ein Sammelsurium unkoordinierter Integrationsaktivitäten würde nicht ausreichen. Deshalb wurde das Stuttgarter Bündnis für Integration als eine „Allianz“ zugunsten von Integration in einem breiten Rahmen formuliert, der viele Sektoren und alle Altersgruppen vom Kindergarten bis zur Erwachsenenbildung einschloss. Durch die Berücksichtigung all dieser unterschiedlichen Interessengruppen anerkannte die Stuttgarter Strategie den Wert des potenziellen Humankapitals der Stadt in all seiner Vielfalt.

Der Stuttgarter Ansatz zur Integration verknüpft Führungskompetenz und Gemeinschaftsbeteiligung zugunsten von Chancengleichheit und inklusiven produktiven Gemeinschaften.

Das Bündnis für Integration …
Das Bündnis für Integration wurde gestützt durch das persönliche Engagement des Bürgermeisters, der bei der Stadtverwaltung erstmals ein „Stabsabteilung für Integrationspolitik“ einrichtete, um so viele unterschiedliche Akteure und Sektoren in der Stadt wie möglich einzubinden. Das Stuttgarter Bündnis ist nicht nur eine Willenserklärung, sondern ein Rahmen für koordiniertes strategisches Handeln im Alltag von Stadtverwaltung, Gemeinschaftsdiensten, öffentlichen und privaten Akteuren sowie Bürgern.

Das Stuttgarter Bündnis verfolgt auch einen humanressourcenbasierten Ansatz, der sich gleichermaßen an neu eingetroffene Migranten, etablierte Zuwanderer und die einheimische deutsche Bevölkerung richtet, um zu betonen, dass Integration ein wechselseitiger Prozess ist, der sowohl Migranten als auch die Bevölkerung des Aufnahmelandes betrifft.

Das Bündnis beruht auf acht Basiskomponenten oder „Meilensteinen“, die die Grundlage der Stuttgarter Integrationspolitik bilden:

  1. Bildung: Stuttgart unterstützt konkret zweisprachigen und mehrsprachigen Unterricht sowie die Förderung von Deutsch als Zweitsprache ab einem sehr frühen Alter im Leben von Kindern als Mittel zur Prävention späterer Ausgrenzung. Eltern wird Hilfe angeboten, damit sie den Lernprozess ihrer Kinder unterstützen können.
  2. Dauerhaftes Wirtschaftswachstum zugunsten des Gedeihens der Kommune: Die Stadtverwaltung konzentriert sich unter anderem darauf, kulturelle Vielfalt zu einem wertvollen Faktor bei der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung zu machen.
  3. Gleichberechtigung und Chancengleichheit: Sie berücksichtigt bei Bedarf kulturelle Aspekte, um gesetzte Ziele zu erreichen. Beispielsweise unterstützte Stuttgart die Einrichtung separater Nachmittagsgruppen für muslimische Mädchen mit Zusatzunterricht, um Rückstände bei den schulischen Leistungen aufzuholen und strukturelle Hürden für den späteren beruflichen Erfolg zu beseitigen.
  4. Politische und soziale Teilhabe: Stuttgart plädiert für das Recht aller Nichtdeutschen auf Teilnahme an Kommunalwahlen. Solange dieses noch nicht gewährt ist, können Einwohner von Stuttgart ohne deutschen Pass Vertreter in einen „Internationalen Ausschuss“ wählen, eine lokale beratende Interessenvertretung, die sich aus gewählten Migranten, ernannten Experten und Mitgliedern des Gemeinderats zusammensetzt. Dieses Gremium tritt regelmäßig zusammen, um Themen im Zusammenhang mit der ausländischen Bevölkerung in Stuttgart zu erörtern.
  5. Pluralismus und kulturelle Vielfalt: Die Stadtverwaltung von Stuttgart unterstützt interkulturelle Initiativen von Kultur- bis Sportveranstaltungen sowie von Migranten geführte Organisationen.
  6. Gegenseitige Achtung und Solidarität: Sie unterstützt Bemühungen, junge Menschen und andere stärker für die kulturelle Vielfalt innerhalb ihrer Gemeinschaft zu sensibilisieren. Ein Team geschulter Mediatoren steht auf Abruf bereit, um bei privaten und öffentlichen Konflikten mit „kulturellem“ Hintergrund zu intervenieren.
  7. Partizipatorische Kommunikation: Sie fördert den Zugang zu Informationen für alle Bürger, sei es zu der Vielzahl der von Gemeinschaften herausgegebenen Zeitungen in Stuttgart, mehrsprachigen Funkmedien oder virtuellen Internet-Diensten. Die öffentlichen Büchereien in Stuttgart verzeichnen mehr als 1,5 Millionen Besucher jährlich, wovon ein Drittel Migranten sind. Eine virtuelle Kinderbücherei ist ein weiteres wichtiges Instrument für lebenslanges Lernen und die Bekämpfung der Ausgrenzung.
  8. Internationale Zusammenarbeit: Stuttgart arbeitet bei vielen Projekten eng mit kooperierenden EU-Institutionen und dem Europarat zusammen und ist federführend bei Initiativen wie dem Europäischen Städtenetzwerk zur Integrationspolitik (CLIP).

Erfolg
2003 wurde dem Stuttgarter Bündnis für Integration auf nationaler und internationaler Anerkennung zuteil, als die Stadt von der UNESCO mit dem Cities for Peace Prize ausgezeichnet wurde. Im darauffolgenden Jahr anerkannte der Europäische Rat den Stuttgarter Ansatz als Standard für gute Praxis, als er die Kernpunkte des Bündnisses als seine offizielle Integrationspolitik übernahm. Im Anschluss daran haben sich andere Kommunen in Europa bei der Entwicklung von Integrationsstrategien Stuttgart als Vorbild genommen.

2005 würdigten sowohl die Bertelsmann Stiftung als auch das deutsche Innenministerium Stuttgart für seinen Integrationsansatz. 2006 zollte ferner das Netzwerk EuroCities dieser Initiative Anerkennung.

Stuttgart selbst misst den Erfolg auch anhand greifbarer Ergebnisse seines mehrstufigen und sektorübergreifenden Integrationsansatzes. Beispielsweise hat Stuttgart die niedrigste Kriminalitätsrate aller deutschen Städte und die niedrigste Arbeitslosenquote bei den Einwohnern mit Migrationshintergrund.

Hier geht es zur Fallstudie auf der Seite Demographie Konkret (Bertelsmann Stiftung): Stuttgart – Stabsstelle für Integration.

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Um wirksam zu sein, sollten Integrationsstrategien langfristige Ziele verfolgen sowie die Durchführung systemweiter, alle Sektoren übergreifender Programme und Maßnahmen umfassen.
  • Die Billigung des Bürgermeisters von Stuttgart war wichtig für den Erfolg der kommunalen Integrationsstrategie. Suchen Sie sich zur Unterstützung neuer Initiativen eine Persönlichkeit in einer gehobenen Position in Ihrer Organisation.
  • Eine starke Koalition gleich gesinnter Organisationen mit gemeinsamen Interessen kann Ihrer Förderarbeit mehr Nachdruck verleihen und sie wirksamer machen. Wo sind die Verbündeten und Unterstützer für Ihr Projekt?
  • Der Erfolg der Stuttgarter Integrationspolitik ist das Ergebnis eines Prozesses, der sowohl von oben nach unten verläuft als auch auf mehreren Ebenen stattfindet UND auf greifbare Ergebnisse ausgerichtet ist. Wie könnte dieser Ansatz auf Ihre Situation übertragbar sein?

Newsletter


Kontakt:

Gari Pavkovic
Head of the Department for Integration Policy
Stuttgart, Germany,
0711/216-7896
Gari.Pavkovic@Stuttgart.de
http://www.stuttgart.de



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