Verbinden

San Francisco , Vereinigte Staaten

Zugunsten von Umweltgesundheit gegen verkehrsbedingte Luftverschmutzung vorgehen

PODER (People Organising to Demand Environmental and Economic Rights)

March 24, 2011

Über die „normalen" Zuwanderungsthemen hinausgehen, um eine Gemeinschaft zu befähigen, Veränderungen herbeizuführen

Das gestiegene Interesse an der Qualität unserer physischen und natürlichen Umwelt kann sich jeder zu eigen machen und nutzt allen, zumindest theoretisch. In Wirklichkeit sind „Zuwanderung”, „Inklusion” und „die Umwelt” immer noch selten Themenfelder, die einander überlappen – selbst wenn Neuankömmlinge und Gemeinschaften mit niedrigem Einkommen häufig durch Umweltrisiken am meisten gefährdet sind.

Beispielsweise ist der Excelsior District im Südosten von San Francisco der einzige Stadtbezirk, in dem die Mehrheit der Bewohner im Ausland geboren wurde. Der Bezirk weist auch das niedrigste Pro-Kopf-Einkommen in der Stadt (19.176 US-Dollar) und extrem hohe verkehrsbedingte Umweltbelastung auf.

Im Vergleich zur Gesamtstadt leidet die Bevölkerung unter stark verschlechterter Luftqualität durch die Abgase von Lkw und Bussen mit Dieselmotoren und toxischem Feinstaub von den Autobahnen und stark befahrenen Hauptstraßen in dem Stadtviertel.

Lkw von Handel und Industrie durchqueren regelmäßig das Viertel, und Messungen haben ergeben, dass das Verkehrsaufkommen im Excelsior District zwei- bis dreimal höher ist als in anderen Stadtvierteln. Bei der Mehrzahl der Busse, die in dem Viertel verkehren, handelt es sich um Dieselfahrzeuge und nicht um die neuen Hybridbusse.

Infolgedessen sind die Bewohner des Excelsior District überproportional Umweltgesundheitsrisiken ausgesetzt, und in sechs aufeinanderfolgenden Jahren wurden aus keinem anderen Bezirk mehr Menschen wegen Asthma in ein Krankenhaus eingewiesen.

2004 startete die Organisation PODER, deren Ziel es ist, Menschen zu organisieren, damit sie Umweltrechte und wirtschaftliche Rechte einfordern, gemeinsam mit einer chinesischen Aktionsgruppe und dem Rechtshilfebüro der Golden Gate University die Initiative „Einwandereraktion für Umweltgesundheit und -gerechtigkeit”, um den Geringverdiener- und Einwanderergemeinschaften im Südosten von San Francisco zu ermöglichen, sich gegen diese Gefährdung durch Umweltrisiken zur Wehr zu setzen. PODER ist eine Basisorganisation für Umweltgerechtigkeit mit Sitz im Mission District von San Francisco, die mit Gemeinschaften im gesamten Südosten von San Francisco in Bezirken wie Excelsior, Portola, Visitacion Valley und Bayview Hunters Point zusammenarbeitet. PODER bemüht sich, Einwandererfamilien zu organisieren und sie an Entscheidungsprozessen zu beteiligen, um lokale Lösungen für die Probleme zu finden, mit denen sie gemeinsam konfrontiert sind.

Infolgedessen war das Ziel der Initiative für Einwandereraktion nicht einfach, für die Verbesserung der Umweltsituation zugunsten der betroffenen Gemeinschaften einzutreten, sondern sie aktiv in die Lage zu versetzen, selbst etwas dagegen zu tun, und auf diese Weise ihren Zugang zu und ihre Partizipation an Gesundheitsversorgung, Umweltprogrammen und Politikgestaltung zu verbessern.

Zu diesem Zweck ging die Initiative für Einwandereraktion an die Basis und schulte Gemeinschaftsmitglieder im Einsatz technischer Geräte zur Überwachung der Luftverschmutzung. Dies ermöglichte der Gemeinschaft, eigene Messwerte unabhängig von sowohl der Stadtverwaltung als auch externen Anbietern zu erhalten und damit über Informationen zu verfügen, um die wissenschaftlichen Analysen in Frage stellen zu können, die nicht ihren eigenen Erfahrungen entsprachen. Aufklärungsseminare halfen der Gemeinschaft, die richtigen amtlichen Stellen zu kontaktieren und diese aufzufordern, Veränderungen vor Ort herbeizuführen. Kunst und andere kreative Aktivitäten wurden ebenfalls genutzt, um wichtige Informationen über Umweltgesundheit und gerechtigkeit zu vermitteln.

Erfolg …

Genauso, wie die Initiative für Einwandereraktion das Ergebnis der gemeinsamen Anstrengung von PODER, der chinesischen Aktionsgruppe und des Rechtshilfebüros der Golden Gate University war, ermöglichte die Schulung von Gemeinschaftsmitgliedern den Organisationen, etwas über traditionelle und kulturelle Trennlinien zu erfahren und diese übergreifende Allianzen zu schmieden. Das Vorgehen vergrößerte auch den Einfluss und das Netzwerk der Gemeinschaftssprecher, die nun damit vertraut waren, wie man mit dem politischen System verhandelt, um Veränderungen herbeizuführen und ein Anliegen zu unterstützen, in das alle investiert haben.

Es ist ein langfristiges Unterfangen, aber es hat regelmäßig Erfolge auf dem Weg zum Ziel gegeben.

Beispielsweise hat PODER zuletzt versucht, Einfluss auf die kommunale Nahverkehrsbehörde von San Francisco zu nehmen, die für die Vorschriften bezüglich eine der Hauptquellen der Luftverschmutzung in Einwanderervierteln zuständig ist – Dieselabgase und Feinstaub von mittelschweren und schweren Lkw. Auf der Grundlage sowohl der unabhängigen Untersuchungen von PODER (an einer Kreuzung in einem Wohngebiet im Excelsior District zählten Freiwillige mehr als 107 mittelschwere und große Lkw pro Stunde, wobei diese zehn Prozent des Gesamtverkehrsaufkommens ausmachten) als auch der Messungen der Gesundheitsbehörde wurde festgestellt, dass es in dem Bezirk mehr als 17 kritische Stellen gab, an denen Dieselabgase mit Erkrankungen in Zusammenhang gebracht werden konnten. PODER und die chinesische Aktionsgruppe forderten die Leitung der Nahverkehrsbehörde zur Überarbeitung der kommunalen Verkehrsplanung in ihren Vierteln auf. Bewohner dieser Viertel bestätigten die Auswirkungen der Luftverschmutzung auf ihre Gesundheit und ihre Lebensqualität. Sie unterstützten die Organisationen bei ihrer Interessenvertretung und mit Kundgebungen.

Am Montag, dem 17. November 2008, konnte ein Erfolg gefeiert werden: Die Leitung der Nahverkehrsbehörde tat einen ersten Schritt und verabschiedete einen Beschluss, der die Behörde zur Berücksichtigung von Gesundheit und Umweltgerechtigkeit bei ihren Planungen verpflichten und die Belastung durch Dieselabgase in diesen Gemeinschaften verringern wird.

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Gibt es überhaupt reine „Zuwanderungsthemen" oder „Vielfaltsthemen"? Gewöhnlich geht es um Anliegen, die die gesamte Gemeinschaft betreffen.
  • Mitglieder aus allen Teilen der Gemeinschaft zu schulen, hilft diesen, etwas über drängende Themen, Interessenvertretung und den Aufbau von Allianzen zu erfahren, die traditionelle und kulturelle Trennlinien übergreifen.
  • Grundlage des langfristigen Erfolgs von PODER war, die Gemeinschaft dazu zu bringen, ihre Interessen selbst zu vertreten - statt einfach in deren Namen zu handeln.
  • Gibt es in Ihrem Viertel ein Thema, das von allen Anwohnern unterstützt werden sollte? Denken Sie nicht nur an das „Übliche" und verstärken Sie Ihren Einsatz für dieses Anliegen.

Maytree