Arbeiten

Helsinki, Finnland

Unterstützung für von Zuwanderern gegründete Unternehmen

EnterpriseHelsinki

May 4, 2012

Unterstützung von Unternehmern mit Migrationshintergrund, bevor Probleme überhaupt entstehen

Unternehmer mit Migrationshintergrund zu unterstützen, wird mittlerweile von Kommunalverwaltungen überall auf der Welt ein hoher Stellenwert beigemessen. Untersuchungen zeigen nämlich, dass Zuwanderer mehr Unternehmen gründen als Einheimische. EnterpriseHelsinki, eine unabhängige Beratungsagentur für Unternehmen in der Stadt, kann das beweisen: 35 Prozent ihrer Kunden sind Zuwanderer. Dieser Anteil ist dreimal so hoch, wie es ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht.

Ein weiterer Grund dafür, Unternehmer mit Migrationshintergrund zu unterstützen? Laut einem Bericht der Stadtverwaltung von Helsinki haben diese Unternehmen länger Bestand als solche, die von Einheimischen gegründet werden.

Obwohl EnterpriseHelsinki seit seiner Gründung im Jahr 1993 (als NYP Business Services) Neuankömmlinge beraten hat, erweiterte die Agentur ihr Angebot um neue spezielle Dienstleistungen, um den Bedarf solcher Unternehmer zu decken, insbesondere seit die Zahl der Migranten in Helsinki stark zugenommen hat. Heute sind von knapp über einer halben Million Einwohner fast 8 Prozent Ausländer.

Mehr als Pizzabäckereien und Dönerbuden

Ähnlich wie andere kommunale Beratungsdienste wie Barcelona Activa oder Mingo in Wien ist EnterpriseHelsinki (unter der Leitung des Amtes für Wirtschaftsförderung der Stadtverwaltung) eine zentrale Dienstleistungsagentur, bei der Unternehmen mit Wachstumspotenzial in Form von persönlicher Beratung und betriebswirtschaftlichen Online-Tools alle Informationen erhalten können, die sie benötigen, um ein Unternehmen in Finnland zu gründen und zu betreiben.

Eines der Ziele von EnterpriseHelsinki ist, Unternehmern mit Migrationshintergrund zu helfen, bevor sie in der für ihren bürokratischen Charakter bekannten finnischen Wirtschaftskultur auf Probleme stoßen. Obwohl sie mehr Unternehmen gründen als Einheimische, wird davon ausgegangen, dass sie erst um Hilfe nachsuchen, wenn sie auf Probleme gestoßen sind. Deshalb bietet die Agentur Unternehmen Beratung an, indem sie Neuunternehmer kostenlos mit Experten in Kontakt bringen, die Schwedisch, Englisch, Russisch, Estnisch, Deutsch oder Arabisch sprechen.

Neben vertraulicher Beratung und Orientierungshilfe in Bezug auf Unternehmertum (sowie einer mehrsprachigen Website) bietet die Agentur verschiedene Kurse und Seminare zu unterschiedlichen Themen im Zusammenhang mit einer Unternehmensgründung, vor allem in finnischer, aber auch in englischer und russischer Sprache.

Auf diese Weise kann EnterpriseHelsinki auch andere Unternehmen beraten als solche, die dem schon lange nicht mehr zeitgemäßen Stereotyp von Zuwandererunternehmen – Pizzabäckereien und Dönerbuden – entsprechen.

„Zuwanderer eröffnen nicht nur Restaurants und gründen nicht nur Reinigungsfirmen“, sagte Elie El-Khouri, Projektmanager bei EnterpriseHelsinki. „Heute gründen sie wie die Finnen IT-Unternehmen.“

Eine andere Art von Existenzgründungskurs

Seit 2001 bietet EnterpriseHelsinki Existenzgründungkurse für arbeitslose Zuwanderer an, die die finnische Sprache ausreichend gut beherrschen und eine erfolgversprechende Gründungsidee haben. In dem kostenlosen Vollzeitkurs, der über sieben Wochen läuft, werden jeweils 20 Migranten auf Finnisch unterrichtet. Die Teilnehmer behandeln Themen wie Betriebswirtschaft, Werbung, Vertrieb, Rechtsfragen, Entwicklung eines Geschäftsplans und wie man eine Firma gründet. Sie können sich auch wichtige Konzepte in englischer und russischer Sprache erklären lassen.

Jeder Teilnehmer erhält für die Dauer des Kurses einen Berater zur Seite gestellt, der Zugang zu Beratung in Sprachen wie Englisch, Deutsch, Schwedisch, Russisch, Estnisch, Französisch oder Arabisch bietet. Auf diese Weise erhalten sie die zusätzliche Möglichkeit, sicherzustellen, dass sie die im Unterricht behandelten Konzepte verstehen. Potenzielle Unternehmer können sich beim Arbeitsamt zur Teilnahme an dem Kurs bewerben und erhalten während der Teilnahme einen Zuschlag zum Arbeitslosengeld.

Ein Schwerpunkt des Kurses ist, Zuwanderer auf eine Erwerbstätigkeit unter Verwendung der finnischen Sprache vorzubereiten. Sie arbeiten an ihrer Sprachkompetenz und erfahren etwas über die Geschäftskultur in dem Land.

„Wenn man in Finnland nicht Finnisch spricht, ist es schwierig, hier ein Geschäft zu führen“, sagte El-Khouri, der Zuwanderern häufig rät, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern, während sie sich auf eine Unternehmensgründung vorbereiten.

Erfolg

In den letzten fünf Jahren ist EnterpriseHelsinki als Organisation weiter gewachsen. Die Agentur kooperierte zuerst mit den Regionalen Wirtschaftsförderungsdiensten für Zuwanderer, um ihre Tätigkeit auf Nachbarstädte auszudehnen, und wurde dann Teil des EU-Projekts „Multikulturelle Wirtschaftsförderung“, das jetzt die Bezeichnung „Unternehmer in Helsinki werden“ trägt.

Das Programm wächst weiter. 2010 nahmen 765 Migranten die Unternehmensberatungsleistungen in Anspruch (34 Prozent aller Kunden), und 270 neue Unternehmen wurden gegründet. Bis Herbst 2011 hatte EnterpriseHelsinki 22 ihrer siebenwöchigen Existenzgründerkurse durchgeführt. Von den Kunden der Agentur, die Zuwanderer waren, waren 2010 40 Prozent Frauen.

Die Stadtverwaltung von Helsinki hat jetzt ihre Wirtschaftsstrategie erweitert und möchte noch mehr Zuwanderer ermutigen, ein Unternehmen zu gründen. Sie trägt damit den Schwierigkeiten Rechnung, die Neuankömmlinge haben, ohne angemessene finnische Sprachkenntnisse eine Stelle zu finden.

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Bieten Sie muttersprachliche Unterstützung, wo immer es geht.
  • Kooperieren Sie mit anderen Behörden und Organisationen, um die Reichweite zu vergrößern.
  • Bieten Sie Seminare an, in denen die Feinheiten der lokalen und nationalen Wirtschaftskultur erläutert werden.

Maytree