Arbeiten

Köln, Deutschland

Förderung der Jugendbeschäftigung als Mittel zur Verwirklichung von Vielfaltszielen

Stadt Köln

June 2, 2014

Bemühungen um mehr Vielfalt richten sich auf Berufsausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten für Jugendliche bei der Kommunalverwaltung

Cologne_youthDie Verantwortlichen bei der Verwaltung der Stadt Köln standen vor einem Rätsel. Neben demografischen Veränderungen bemerkten sie einen beträchtlichen Rückgang der Zahl der Bewerbungen für Stellen im öffentlichen Dienst bei der Stadtverwaltung, einem der größten Arbeitgeber in der Region. In Anerkennung der Vielfalt ihrer zunehmend multikulturellen Stadt erklärten es die Verantwortlichen bei der Stadtverwaltung und Zuständige für Personalausbildung zu einem wichtigen Ziel für die Zukunft von Köln, junge Menschen „mit Migrationshintergrund“ für Ausbildungsprogramme im öffentlichen Dienst zu interessieren. Die Bemühungen um mehr Vielfalt im Personalbereich wurden zu einem wichtigen Mittel zur Förderung der interkulturellen Offenheit durch die Stadtverwaltung.

Weil fast 50 Prozent der Jugendlichen in Köln einen Migrationshintergrund haben, war es wichtig, dass dies zu ihnen und ihren Familien durchdrang. Die meisten jungen Menschen wissen über das große Angebot an Berufen im öffentlichen Dienst nicht Bescheid. Die Anwerbung von Jugendlichen wurde jedoch mit Hilfe eines von der Stadtverwaltung 2007 eingeführten innovativen Unterstützungsprogramms gefördert, und sie hat sich bislang als großer Erfolg erwiesen. Die Stadt Köln verzeichnete einen kontinuierlichen Anstieg der Zahl der Auszubildenden mit Migrationshintergrund, und 2012 entfielen auf diese Gruppe 34,5 Prozent aller Neueinstellungen. Dies entsprach ungefähr der Zusammensetzung der Bevölkerung von Köln.

Als Teil der vom Europäischen Sozialfonds (2000 – 2008) finanzierten Gemeinschaftsinitiative EQUAL zur Bekämpfung von Ungleichheit in der Beschäftigung wurde 2008 das Pilotprojekt „Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Programmen der Stadt Köln“ begonnen. Die Kernkomponenten des Programms umfassen gezielte individuelle Supervision, die Beseitigung von Sprachdefiziten und eine anfängliche Abschätzung des Ausbildungsbedarfs. Bewerber haben die Möglichkeit, in einer sechsmonatigen Probephase ein Praktikum in einem der vielen zur Auswahl stehenden Ausbildungsberufe zu absolvieren. Jeder Praktikumsplatz wird im Vorfeld durch eine Verpflichtungsvereinbarung zwischen der Arbeitsagentur Köln und der Stadt Köln formalisiert, um sicherzustellen, dass diese jungen Menschen nach Möglichkeit aus Arbeitslosenunterstützungsprogrammen wie ALGII (U25) angeworben werden. Während der Praktikumszeit deckt die Arbeitsagentur den Lebensunterhalt (über die Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem SBG II).

Maßgeschneiderte Lösungen

Nach einem bestandenen Einstellungstest und einer Berufsorientierung wird den Bewerbern ein Praktikumsplatz für sechs Monate und anschließende Unterstützung bei der Suche nach einem für sie geeigneten Ausbildungsverhältnis geboten. Für manche ist dieses im Kundendienstbereich angesiedelt, für andere bei der Verkehrskontrolle. Die Auswahl ist groß genug, um allen Interessen zu genügen.

Zusätzlich zu der fachlichen und beruflichen Ausbildung werden einmal wöchentlich im Unterricht im Rheinischen Studieninstitut für kommunale Verwaltung theoretische Grundlagen vermittelt. Hier liegt der Schwerpunkt vor allem auf der Beherrschung der deutschen Sprache, die am Arbeitsplatz unerlässlich ist. Andere Themenbereiche betreffen Verwaltungs- und Kommunalrecht und -gesetzgebung, Organisationsmanagement, Entscheidungsprozesse sowie grundlegende soziale und kommunikative Kompetenzen. Der wöchentliche Unterricht umfasst an den individuellen Lernbedarf angepassten Einzelunterricht zu Themen, die von Selbsthilfe bis Konfliktbeilegung reichen.

„Besonders ermutigend ist auch die Zahl junger Menschen, die nicht länger auf Unterstützung durch das ALG II angewiesen sind, weil sie eine Ausbildungsmaßnahme bei der Stadt Köln antreten konnten“, sagte Beate Blüggel, Leiterin der Regionalen Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAA) und Geschäftsführerin des Zentrum für Mehrsprachigkeit und Integration (ZMI). 2011 wurden von 19 Teilnehmern 10 junge Menschen in eine Ausbildung als Sachbearbeiter übernommen, ein weiterer als Vermessungstechniker und einer bei der Straßenmeisterei. Nicht jeder Praktikant bleibt bei der Stadtverwaltung, aber alle profitieren von der Ausbildungserfahrung – einschließlich der Stadt Köln selbst. „Während der sechs Monate währenden Praktika erhalten junge Migranten die Chance, sich im Beruf ihrer Wahl zu bewähren, und Köln als multikulturelle Stadt kann von der Sprachkompetenz und den Kenntnissen auf der Grundlage des kulturellen Hintergrunds profitieren, die die jungen Migranten zu bieten haben“, sagte Beate Blüggel.

Die Sprachkenntnisse werden sich verbessern

Intensive Werbemaßnahmen und Kommunikationsaktivitäten gewährleisten, dass die Bevölkerung Kenntnis von dem Anwerbeprojekt erhält. Projektkoordinatoren arbeiten mit Arbeitsagenturen zusammen, Berufsberater gehen in Schulen, Gemeinschaftszentren sowie interkulturelle Einrichtungen und kontaktieren Eltern. Präsentationen und Werbemaßnahmen konzentrieren sich auf Veranstaltungen zur beruflichen Orientierung, Ausbildungsplatzbörsen und Messen sowie andere Veranstaltungen des Integrationsrats der Stadt Köln.

Wenngleich der Migrantenstatus nicht abgefragt wird, hat das Personal- und Organisationsamt der Stadt Köln seit 2005 Testverfahren für Bewerber mit Migrationshintergrund entwickelt. Die berufliche Eignung wird unabhängig vom Sprachtest geprüft, weil viele Bewerber noch dabei sind, Deutsch zu lernen. Stattdessen werden die Ergebnisse auf den „durchschnittlichen Zuwachs“ der Sprachkenntnisse hochgerechnet, der bis zum Ende des Ausbildungsprogramms erwartet werden kann. „Auf diese Weise gleicht unsere Beurteilung Nachteile aufgrund von Migration unabhängig von den Sprachkenntnissen aus. Wir prüfen derzeit, ob die Voraussetzungen für die Einstellung noch weiter gelockert werden können“, sagte Ina Beate Fohlmeister, die frühere Leiterin des Interkulturellen Referats der Stadt Köln.

Erfolg

Zusätzlich zum besonderen Schwerpunkt des Projekts „Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Programmen der Stadt Köln“ bewerben sich auch viele junge Deutsche mit Migrationshintegrund auf herkömmliche Weise für die Ausbildungsprogramme der Stadt. Von 4.065 Bewerbungen im Jahr 2011 wurden 1.103 von jungen Deutschen mit Migrationshintergrund eingereicht, was 27 Prozent aller Bewerbungen entspricht. Besonders hervorzuheben ist ein kontinuierlicher Anstieg der Ausbildungsquote von Migranten von 29,5 Prozent im Jahr 2010 über 30,4 Prozent 2011 auf 34,5 Prozent 2012. Vielleicht ist dies das Erfolgsgeheimnis des Programms: Es schärft das Bewusstsein und vermittelt eine Inklusionsbotschaft unabhängig davon, wie man sich für die Ausbildungsprogramme der Stadt bewirbt.

2007 war Köln die erste deutsche Kommune, die die „Charta der Vielfalt“ unterzeichnete, eine Initiative, die von vier deutschen Unternehmen (Daimler, Deutsche Bank, Deutsche BP und Deutsche Telekom) mit dem Ziel ins Leben gerufen wurde, die Vielfalt in Unternehmen zu fördern und ein vorurteilsfreies Arbeitsumfeld zu schaffen. Mit der Unterzeichnung der Charta verpflichtete sich Köln, Integration und Vielfalt auf allen Ebenen unabhängig von Alter und Hintergrund zu fördern. Programme wie die Jugendbeschäftigungsinitiative der Stadt Köln sind die Umsetzung guter politischer Handlungskonzepte in die Praxis.

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Lernen Sie die kulturelle Vielfalt Ihrer Kommune als Aktivposten zu schätzen. Nutzen Sie die Sprachressourcen einer sich durch Vielfalt auszeichnenden Erwerbsbevölkerung zu Ihrem Vorteil?
  • Schaffen Sie Praktikumsplätze oder Möglichkeiten für eine freiwillige Tätigkeit für Jugendliche in Ihrer Organisation, sodass Sie sich in einer sicheren Probephase bewähren können.
  • Kulturell ausgewogene Einstellungspraxis und Ausbildungsmaßnahmen für alle Bediensteten der Stadt sind unabdingbare Voraussetzungen, um das Ziel eines sich durch Vielfalt auszeichnenden Personals zu verwirklichen.

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