Leben

Lissabon , Portugal

Zentrale Dienstleistungsstellen dienen der Integration

ACIDI (Alto Comissariado para a Imigração e Dialogo Intercultural)

March 28, 2012

Zentralisierte Dienstleistungsstellen zugunsten verbesserter Koordinierung und besserer Dienstleistungen für Neuankömmlinge

Wohnung und Arbeit, Visa und Banken, Schulen und Krankenhäuser oder ein Fußballplatz für die Freizeit am Wochenende? An wen soll man sich wenden, wenn man Hilfe braucht, um sich in einer neuen Wohngegend und an einem neuen Arbeitsplatz zurechtzufinden?

Dienstleistungen unter einem Dach zusammenzubringen, zuverlässige Leistungsstandards anzuwenden und den offenen Zugang für alle (unabhängig vom Status) zu gewährleisten, ist das Arbeitsprinzip und die gute Idee der Zentralen Dienstleistungsstelle in Lissabon. Und ihre Leistungen stehen sogar allen Bürgern offen, nicht nur Migranten.

Die Zentrale Dienstleistungsstelle bündelt die Leistungen für Zuwanderer an einem Ort. Dies trägt dazu bei, dass die Migranten wesentlich rascher sowie mit weniger Frustration und weniger Fehlstarts in den Alltag und das Berufsleben in der Stadt integriert werden.

Lissabon war nicht die einzige Migranten aufnehmende Stadt, die das für eine gute Idee hielt. Migrationsexperten suchten europaweit nach dem besten Modell für die Erbringung von Dienstleistungen für Zuwanderer, und es war dieses Lissaboner Modell der Zentralen Dienstleistungsstelle, das sie auswählten.

Wie es funktioniert

Die Zentrale Dienstleistungsstelle ist eine einfache Idee am Knotenpunkt eines komplexen Spektrums von Dienstleistungen und Gemeinschaftsbedürfnissen.

Das Angebot der Zentralen Dienstleistungsstelle in Lissabon umfasst mehr als 30 unterschiedliche Leistungen an einem Standort einschließlich solcher in Bezug auf Sozial- und Finanzamt, Justizbehörden und Banken sowie allem, was man wissen muss, um mit Ämtern der Kommunalverwaltung in Kontakt zu treten. Man erhält Informationen über Schulen und das Nationale Sportinstitut genauso wie über die Strom- und Wasserversorgung. Besucher der Zentralen Dienstleistungsstelle haben dort auch (kostenpflichtigen) Zugang zum Internet oder können eine Krankenversicherungskarte beantragen.

Standort und Öffnungszeiten garantieren maximale Zugänglichkeit einschließlich der Nähe zu öffentlichen Parkplätzen und öffentlichen Beförderungsmitteln sowie überlangen Öffnungszeiten (8:30 Uhr – 20:00 Uhr plus Öffnungszeiten am Samstag).

Der Komfort Zentraler Dienstleistungsstellen macht sie auch für Personen interessant, die keine Zuwanderer sind. Dies trägt dazu bei, kommunale Dienstleistungen im Bewusstsein der Menschen zu verankern und die gesunde Entwicklung sich durch Vielfalt auszeichnender Viertel und inklusiver Gemeinschaften zu fördern.

Sprach- und Kulturmittler sind ebenfalls verfügbar, um in der Praxis zusätzliche Hilfe zu leisten und bessere Informationen über die Rechte und Pflichten von Zuwanderer in EU-Mitgliedstaaten zu vermitteln. Diese Mediatoren stellen somit ein wichtiges Bindeglied zwischen der Verwaltung, öffentlichen Stellen und den Zuwanderern dar, was die Integration sowohl der Zuwanderer als auch der Aufnahmegesellschaft voranbringt, denn es trägt dem bidirektionalen Charakter von Integration in kluger und flexibler Weise Rechnung.

Mehr, als es scheint …

Nicht nur Zuwanderern, sondern auch Arbeitgebern und öffentlichen Stellen nutzen kurze, einfache und transparente Verfahren für die Beantragung und die Ausstellung von Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen, Familiendokumenten und Ähnlichem. Wenn solche Leistungen korrekt und fair erbracht werden, wird auf diese Weise eine kraftvolle Botschaft des Respekts und der Würde vermittelt.

Laut Rinus Penninx, dem Koordinator von IMISCOE, dem Exzellenznetzwerk zu internationaler Migration, Integration und sozialem Zusammenhalt in Europa, und federführendem Prüfer des Projekts für Zentrale Dienstleistungsstellen von INTI, dem Programm der Europäischen Kommission zur Förderung der Integration von Drittstaatsangehörigen in der EU, ist diese Erfahrung, willkommen zu sein, der Schlüssel zu gut integrierten Gemeinschaften: „In offenen und inklusiven Gesellschaften werden Zuwanderer als zukünftige Bürger willkommen geheißen.“

Zuverlässiger Zugang und akkurate Informationen tragen dazu bei, Vertrauen in die Kommunalverwaltung und öffentliche Stellen zu schaffen. Vertrauen fördert Bindung und ein Zugehörigkeitsgefühl, beides wichtige Voraussetzungen für aktives bürgerschaftliches Engagement und Partizipation.

Erfolg

2005 gewannen die ursprünglichen Nationalen Zuwandererunterstützungszentren den ersten Preis beim Wettbewerb für gute Praxis im öffentlichen Sektor in der Kategorie Erbringung von Dienstleistungen und wurden als Beispiel für gute Praxis im Integrationshandbuch für politische Entscheidungsträger und Praktiker der Europäischen Kommission vorgestellt. In der Gemeinsamen Integrationsagenda (2005) werden zentrale Informationsstellen als eine prioritäre Initiative zur Stärkung der Kapazität öffentlicher und privater Dienstleistungsanbieter zur Interaktion mit Drittstaatsangehörigen definiert. 2007 wurde das ursprüngliche Unterstützungszentrum jeden Tag von durchschnittlich fast 750 Kunden in Anspruch genommen (270.212 im Jahr).

Von September 2007 bis Februar 2009 erhielt der Hohe Ausschuss für Zuwanderung und interkulturellen Dialog (ACIDI) Mittel zur Koordinierung des EU-INTI-Programms zur Untersuchung und Weiterentwicklung des Modells der Zentralen Dienstleistungsstellen beziehungsweise der so genannten „One-Stop-Shops“ (OSS). Das OSS-Projekt hatte acht nationale Partner in sieben EU-Mitgliedstaaten und umfasste Partnerschaften zwischen verschiedenen staatlichen Stellen, Behörden und nichtstaatlichen Organisationen. Es sollte die Möglichkeit der Ausarbeitung eines Handbuchs zur Replikation des Modells in Städten in ganz Europa prüfen.

Eine bedeutsame Errungenschaft des EU-INTI-Projekts ist das Handbuch zur Einführung eines One-Stop-Shops zur Integration von Zuwanderern, das auf der Schlusskonferenz des Projekts in Lissabon am 6. Februar 2009 vorgestellt wurde. Glücklicherweise ist dieser hervorragende Leitfaden zur Entwicklung Ihres eigenen One-Stop-Shops außer auf Deutsch auch in englischer, griechischer, italienischer, spanischer und portugiesischer Sprache verfügbar und kann hier heruntergeladen werden.

Damit das auch bei Ihnen funktioniert:

  • Eine zentrale Dienstleistungsstelle für Neuankömmlinge einzurichten, ist nicht nur praktisch und effizient, sondern gewährleistet auch, dass Zuwanderer über standardisierte Informationen und einfachen Zugang zu wichtigen Dienstleistungen verfügen.
  • Zentralisierte Dienstleistungen bringen Neuankömmlinge auch in einem offenen und freundlichen Rahmen mit lokalen öffentlichen Stellen und Anbietern zusammen.
  • Die Koordinierung der Erbringung von Dienstleistungen für Neuankömmlinge erfordert die Zusammenarbeit von öffentlichen Stellen und Anbietern, was in weniger Überschneidungen von Dienstleistungen und mehr kostenwirksamer Programmplanung resultiert.
  • Sprach- und Kulturmittler minimieren Fehler und Missverständnisse, verbessern die Erbringung von Dienstleistungen und schaffen Vertrauen.

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Kontakt:

Catarina Reis Oliveira Project Coordinator ACIDI (High Commission for Immigration and Intercultural Dialogue)
Rua Álvaro Coutinho, n.º 14 1150-025 Lisboa, Portugal, +351-21-8106125

catarina.oliveira@acidi.gov.pt
http://www.oss.inti.acidi.gov.pt



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